Kommentar
Fifa-Präsidentenwahl: Sepp Blatter, wer sonst?

Mit Luis Figo bekommt Sepp Blatter einen prominenten Gegenspieler um die Wahl des Fifa-Präsidiums. Wobei Gegenspieler in diesem Zusammenhang ein grosses Wort ist. Wieso Blatter bei der Präsidentenwahl ungefährdet ist.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Mit Luis Figo bekommt Sepp Blatter einen prominenten Gegenspieler um die Wahl des Fifa-Präsidiums (Archivbild).

Mit Luis Figo bekommt Sepp Blatter einen prominenten Gegenspieler um die Wahl des Fifa-Präsidiums (Archivbild).

Keystone

Der frühere Weltfussballer ist etwa gleich chancenlos wie der ehemalige französische Nationalspieler David Ginola, der frühere Fifa-Generalsekretär Jérôme Champagne, der holländische Verbandspräsident Michael van Praag oder der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein. Egal, wie gut ihre Programme sind.

Dabei arbeitet Blatter weniger für die Zukunft des Spiels und mehr für seine nächste Wahl. Als es opportun war, forderte der Walliser schon vor Jahren gleiches (Fussball-)Recht für die Frauen. Nach heutigem Stand sitzt aber nur eine Frau im 25-köpfigen Exekutivkomitee. Die WM der Frauen im kommenden Sommer wird auf dem ungeliebten Kunstrasen durchgeführt. Und eine Klub-WM oder einen Konföderationen-Cup, wie ihn die Männer bestreiten, gibt es für die Frauen nicht.

Weiter meint es Blatter mit den Reformen nicht wirklich ernst. Es würde aber nicht verwundern, wenn er sich nach dem Rücktritt für eine Amtszeitbeschränkung und die Offenlegung der Geldströme ausspricht. Auch andere Problemfelder hat er mehr oder weniger elegant umkurvt. Obwohl schon mehr als vier Jahre vergangen sind, seit Katar die WM 2022 zugesprochen wurde, ist das Problem nicht gelöst. Weder wissen wir bis heute, wann die WM durchgeführt wird. Noch, wie es zum Votum für Katar gekommen ist.

Trotzdem wird Blatter am 29. Mai wiedergewählt. Warum? Weil Michel Platini die Wohlfühloase im Uefa-Machtzentrum einer Kampfwahl vorzieht. Weil Blatter ein kalter Machiavellist, schlauer Lobbyist und gewiefter Strippenzieher ist. Und weil der 78-Jährige weniger an seinen uneingelösten Zusicherungen von gestern als an seinen Versprechen von heute gemessen wird.