Die Fifa-Spitze um Sepp Blatter soll sich erneut Boni in Millionenhöhe ausbezahlt haben – trotz Kritik an der Gehaltspolitik in der Vergangenheit.

So schreibt die Fifa im neusten Finanzbericht: «Im Jahr 2011 wurden (...) an die leitenden Organe 29,5 Millionen US-Dollar ausgerichtet.» Die Fifa bezeichnet die Boni als «kurzfristig fällige Leistungen». Das zeigen Recherchen der SF-Sendung «Rundschau», die heute Abend ausgestrahlt wird.

Von den 29,5 Millionen Boni profitieren rund 35 höchste Fifa-Funktionäre. Wie viel Geld direkt an Präsident Blatter geflossen ist, verschweigt die Fifa und schreibt lediglich: «Als leitende Organe werden nebst der Direktion auch die Mitglieder des Exekutivkomitees und der Finanzkommission betrachtet.»

Offenbar reichten der Fifa-Spitze die 29,5 Millionen Dollar nicht aus. Zu den ausgeschütteten Boni kommen weitere ausserordentliche Zahlungen an die Pensionskasse ihrer Top-Funktionäre.

«Steuervorteile sind nicht mehr zeitgemäss»

Der Weltfussballverband mit Sitz am Zürichberg ist rechtlich ein Verein und trotz Milliarden-Umsatz steuerbefreit. Vereine wie die Fifa gelten als «nicht gewinnorientierte Organisationen» und profitieren von Steuererleichterungen durch die Schweiz.

Dies ist für den ehemaligen Fifa-Marketing-Mitarbeiter und heutigen SVP-Nationalrat Roland Büchel nicht länger tragbar. In der «Rundschau» fordert Büchel: «Die extremen Steuervorteile für die Fifa als Milliardenkonzern sind nicht mehr zeitgemäss und gehören abgeschafft. Die Schweiz hat hier zu lange zugeschaut und muss jetzt handeln.»

Fifa zahlte 2011 4,8 Millionen Dollar Steuern

Im Finanzbericht weist die Fifa 4,8 Millionen Dollar «Steuern und Abgaben» aus für das letzte Jahr. Wofür sie genau diese Steuern zahlt, gibt die Fifa nicht an. Fest steht: Würde die Fifa wie ein Unternehmen besteuert, müsste sie massiv mehr von ihrem Milliardenumsatz an den Staat bezahlen.

Anti-Korruptions-Experte: «Schweiz schaut zu wenig hin»

Der renommierte Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth berät aktuell die Fifa, wie sie Korruption und Vetternwirtschaft intern ausmerzen soll. Pieth fordert nun die Schweiz auf, von der Fifa und anderen steuerprivilegierten Sportverbänden strengere Richtlinien einzufordern.

Pieth: «Die Schweiz kann klare Regeln aufstellen und der Fifa sagen: Steuerbefreiung gibt es nur, wenn ihr diese Regeln einhält und transparent sagt, wohin das Geld fliesst. Bisher hat die Schweiz zu wenig insistiert.» (sha)

«Rundschau», heute Abend, 20.50 Uhr auf SF 1.