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Fidan Aliti ist auf dem Abstellgleis im unbekannten Moldawien

Der frühere FC Luzern-Spieler Fidan Aliti findet beim Rekordmeister FC Sheriff Tiraspol zwar perfekte Bedingungen vor, kommt aber viel zu selten zum Einsatz.

Markus Brütsch
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Ex-FCL-Spieler Fidan Aliti suchte sein Glück in Moldawien.

Ex-FCL-Spieler Fidan Aliti suchte sein Glück in Moldawien.

KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

Als Fidan Aliti das Ganze zum ersten Mal sah, staunte er Bauklötze. «Ich konnte nicht glauben, dass ein Fussballklub in Moldawien eine solche Infrastruktur besitzt», sagt der 22-jährige Baselbieter.
Es war im September letzten Jahres, als sich Aliti entschloss, dem FC Luzern den Rücken zu kehren und sein Glück beim FC Sheriff Tiraspol zu suchen. Weil er bei den Luzernern nicht mehr wunschgemäss zum Zuge kam, seine Chancen auf einen Platz in der albanischen Nationalmannschaft aber wahren wollte, wagte er mutig den Schritt ins unbekannte Moldawien, eingeklemmt zwischen Rumänien und der Ukraine. Aliti besitzt den schweizerischen, den albanischen und den serbischen Pass.

Das Moldawier-Kontingent

Zu Beginn lief es gut für Aliti. Er hatte seinen Platz in der Abwehr und stand viermal in der Startformation. «Dann kam mit dem Kroaten Zoran Vulic ein neuer Trainer und dieser setzte auf meiner Position auf moldawische Spieler», sagt Aliti. Der Hintergrund: Gemäss Reglement des Verbandes müssen in jeder Mannschaft vier Moldawier in der Startaufstellung stehen.
Seither hat Aliti nur noch drei kurze Teileinsätze absolviert. «Ich war gekommen, um zu spielen», sagt der gelernte Produktionsmechaniker Aliti. Und muss sich eingestehen, in dieser Hinsicht mit dem Wechsel von Luzern nach Tiraspol vom Regen in die Traufe gekommen zu sein. Seine EM-Hoffnungen sind begraben, die 2014 unter Gianni De Biasi bestrittenen zwei Länderspiele bleiben vorerst die einzigen.
Jetzt aber sitzt er quasi in Tiraspol fest. Obwohl sein Vertrag im Sommer weiterläuft, denkt er an Abschied. «Ich verdiene zwar bedeutend mehr als in Luzern und die Löhne kommen pünktlich», sagt Aliti, «aber ich bin ein ausgesprochener Familienmensch und hoffe, dass ich einen Klub finde, der zumindest wieder ein Stück näher bei der Familie zu Hause ist.»

Die ersten Schritte in Basel

Diese lebt in Basel, wo Aliti beim FCB im Nachwuchs und bei den Old Boys in der 1. Liga Promotion gespielt hat, um im Juli 2013 nach Luzern zu wechseln. Dort hat er es unter den Trainern Carlos Bernegger und Markus Babbel auf 18 Einsätze in der Super League gebracht.
Natürlich habe er manchmal etwas Heimweh, sagt Aliti. «Aber ich möchte nicht zu sehr klagen, denn die Erfahrungen, die ich hier mache, werden mir später nützen.»

Immerhin steht mit Danijel Subotic ein zweiter Basler im Team. Dieser ist Stammspieler, bester Torschütze seines Teams und hat mit 27 Jahren eine abenteuerliche Karriere in England, Belgien, Italien, Rumänien, der Ukraine, Aserbaidschan und Kuwait hinter sich. «Mit Danijel bin ich sehr oft zusammen, doch viel unternehmen kann man hier in der Freizeit nicht», sagt Aliti.
Moldawien zählt zu den ärmsten Ländern Europas und ist überdies gespalten in einen rumänischen Teil mit der Hauptstadt Chisinau und in einen russischen – Transnistrien – mit Tiraspol als Zentrum. «Hier ist alles russisch. Es gibt eine eigene Währung und Sheriff ist allgegenwärtig», sagt Aliti.

Das Unternehmen Sheriff steht unter der Leitung von Viktor Gusan, der auch steinreicher Präsident des FC Sheriff ist und umfasst Tankstellenketten, Supermärkte, Fernsehsender und einiges mehr. «Die Verständigung mit den Menschen hier ist schwierig. In der Mannschaft funktioniert es aber mit Englisch», sagt Aliti.
Der FC Sheriff ist mit 13 Titeln Rekordmeister und in der aktuellen Tabelle drei Zähler hinter Leader Dacia Chisinau zurück. Im Durchschnitt verfolgen 2200 Zuschauer die Heimspiele. «Für uns ist es Pflicht, Meister zu werden», sagt Aliti.

Er selber wohnt im Teamhotel, das zum 200-Millionen-Euro-Komplex mit drei Stadien (eines ist komplett überdacht), zwanzig Spielfeldern und allen erforderlichen Einrichtungen gehört. «Unglaublich», staunt Aliti auch noch ein halbes Jahr nach seiner Ankunft über die perfekten Bedingungen. Zum Einsatz zu kommen, wäre ihm aber wichtiger.

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