Historisch. Das ist das Erringen der zwanzigsten Meisterschaft für den FC Basel. Der zweite Stern. Dieser Meilenstein. Einer, der beinahe nicht an einer spontanen Meisterfeier zelebriert worden wäre, hätte der FC Basel letzte Woche nicht gegen Vaduz gepatzt und nur ein Unentschieden geholt. Eine verpasste Chance, so der Tenor vor Wochenfrist. 

Im Rückblick aber war genau das gut. "Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir schon letzte Woche Meister geworden wären. Aber so wurden wir nicht auf dem Sofa, sondern auf dem Platz Meister. Wir wurden einmal mehr beschenkt. Dafür bin ich einfach nur dankbar", bilanzierte ein sichtlich bewegter Bernhard Heusler nach Spielschluss.

Davide Callà und Renato Steffen singen gemeinsam "Glaubet nid an Gaischter"

Davide Callà und Renato Steffen singen gemeinsam "Glaubet nid an Gaischter"

Denn so konnte der Noch-Präsident, der zusammen mit dem ganzen Vorstand im Sommer gehen wird, doch noch eine Meisterfeier erleben, wie er sie liebt. Spontan, mitten in der Nacht, mit zahlreichen Fans. In den Vordergrund stellte Heusler sich wie gewohnt nicht. Vom Ausgang zum Balkon aus beobachtete er, immer wieder mit Matias Delgado redend und lachend, wie die Mannschaft sich feiern liess. Worte an die Fans richtete er nicht. Er genoss. Etwas, das schade gewesen sei, wie die Fans im Nachgang sagten. Gerne hätten sie von ihm oder Georg Heitz ein paar Worte gehört. 

Der FC Basel wird nach dem Sieg der Meisterschaft von den Fans auf dem Barfi gefeiert

Der FC Basel wird nach dem Sieg der Meisterschaft von den Fans auf dem Barfi gefeiert

Aber so war es Davide Callà, der als Zeremonienmeister redete und der Menge, die in den vergangenen Jahren bedeutend grösser war, einheizte. Bis kurz vor 1 Uhr war der Barfi aber noch leer. Trams verkehrten noch immer. Erst um 0.45 Uhr traf die Muttenzerkurve ein und füllte sich der Platz. Die Mannschaft, die im Joggeli darauf wartete, bis die mit nach Luzern gereisten Fans wieder in Basler waren, kam wenige Minuten später an. 

Davide Callà und die Fans auf dem Barfi singen gemeinsam

Davide Callà und die Fans auf dem Barfi singen gemeinsam

Ohne grosse Umschweife ging es auf den Balkon. Geschlossen als Team, und erst, nachdem Cheftrainer Urs Fischer als Erster das Papa Joe's betreten hatte. Vom Balkon aus genossen Spieler und Staff dann die Huldigungen der Fans, die sagten, die Feier sei besser als letztes Jahr gewesen. Aber die wirklich grosse Euphorie, sie kam einmal mehr nicht auf. 

Die Fans singen für ihren FCB

Die Fans singen für ihren FCB

Es ist fast schon paradox, dass dieser bedeutende Titel fast schon etwas unwürdig gefeiert wurde. Hier dieser Meilenstein, dort die Übersättigung nach acht Titeln in Serie. Die Spieler platzten zwar fast vor Stolz. Aber lieber genossen sie diesen Abend unter sich und mit ihren Liebsten, so schien es zumindest. Es verwunderte daher auch nicht, dass nach rund 70 Minuten bereits der Gang ins Noohn anstand. Dort, wo eben diese Privatsphäre gewährleistet ist. Die Feier im Papa Joe’s wirkte eher wie Pflichterfüllung. 

Davide Callà über seine Rolle als Zeremonienmeister und seinen fehlenden Basler Dialekt

Davide Callà über seine Rolle als Zeremonienmeister und seinen fehlenden Basler Dialekt

Auf dem Stadtcasino-Balkon hat Davide Callà die Ehre, Zeremonienmester zu sein - trotz seines Aargauer Dialekts.

So machten sich die Spieler und der Staff um 2.15 auf. Der Barfi hatte sich schon vorher schnell geleert. Es war keine Feier, an die man sich lange erinnern wird. Kein denkwürdig grosser Aufmarsch für eine geschichtsträchtige Leistung. Bleibt die Frage, ob ein allfälliger Cupsieg die ganz grossen Emotionen zurück nach Basel bringt. Auf den Barfi - und den Balkon. 

Renato Steffen: "Wenn die dritte Halbzeit eingeläutet wird, findest du Renato immer an vorderster Front"

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