Gebückt jagen die flinken Spieler mit ihren krummen Stöcken dem Ball hinterher. Franck Etoundi blickt hinunter aufs Parkett der Zürcher Saalsporthalle, wo Hobbysportler über Mittag fleissig Unihockey spielen. Er sagt: «Nein, das wäre kein Sport für mich, der Rücken…»

In Kamerun, der Heimat des 24-Jährigen, sind Fussball, Volleyball, Basketball und Handball – in dieser Reihenfolge – die Hauptsportarten. «Das Wichtigste ist, dass ein Ball dabei ist; aber er muss grösser sein, als der beim Unihockey», sagt Etoundi. Weil die Kameruner jedoch vor allem Fussball spielen, ist selbstverständlich ein jeder von ihnen ein Experte.

Den Stars die Leviten gelesen

Viele von diesen Sachverständigen sind denn vor gut zwei Wochen auch am Flughafen erschienen, als die Nationalmannschaft Kameruns nach dem enttäuschend frühen Ausscheiden beim Afrikacup aus Äquatorialguinea nach Yaoundé zurückkehrte. Sie waren gekommen, um den Stars die Leviten zu lesen. «Es war ungemütlich, sogar fast ein bisschen gefährlich», sagt Etoundi.

Der Stürmer des FC Zürich war zum ersten Mal bei einem solchen Turnier dabei gewesen. Erst im November vergangenen Jahres hatte er unter Trainer Volker Finke beim 1:0-Sieg über die Demokratische Republik Kongo im Nationalteam debütiert. Um nun, beim prestigeträchtigsten Wettbewerb des Kontinents, den immensen Druck zu spüren, der auf Spielern lastet, die für ein fussballverrücktes Land wie Kamerun auflaufen. «Aber unsere Mannschaft war wohl einfach noch etwas zu jung. Ich selber habe jedoch enorm viel gelernt und weiss nun, was es heisst, unter einem solchen Druck Fussball zu spielen.»

Dabei war er als Neuling ja noch weit weniger eine Zielscheibe der Häme gewesen als sein älterer Bruder Stéphane Mbia. Dieser ist der Captain der «Unbezähmbaren Löwen», hat schon für Rennes, Marseille sowie QPR gespielt und im letzten Sommer unter den Augen seines Bruders Franck in Turin mit dem FC Sevilla gegen Benfica Lissabon die Europa League gewonnen. «Unsere Familie ist natürlich sehr stolz darauf, zwei gute Fussballer im Nationalteam und in Europa zu haben», sagt Franck Etoundi.

Karate statt Fussball

Dabei hatte es lange Zeit ja gar nicht danach ausgesehen, als würde aus Franck auch mal ein Profi. «Ich habe Karate gemacht, denn der Fussball hat mich trotz der Erfolge meines grossen Bruders nicht besonders interessiert», sagt Franck. «Erst mit 15 Jahren hatte er ernsthaft mit dem Kicken begonnen. Er spielte für den Ouragan FC aus Yaoundé, als auch bei ihm der Wunsch lebendig wurde, nach Europa zu gehen. Weil aus einer begüterten Familie kommend, war weniger das Geld der Antrieb, als der Ehrgeiz, es in die Bundesliga oder in die Premier League zu schaffen.

Dank Geschäftsbeziehungen vermittelte ihm Stéphane 2009 ein Engagement bei Neuchâtel Xamax. Es war ein Kulturschock für den damals 19-Jährigen, der sich in der Schweiz erst nach seinem Transfer zum FC Biel wohlfühlte. Hier spürte er Vertrauen, begann Tore zu schiessen, wechselte für zwei Jahre zum FC St. Gallen und steht nun beim FCZ in der zweiten Saison. «Auch hier waren die ersten sechs Monate hart, weil ich mich zuerst an das gehobene Niveau mit Künstlern Chikhaoui und Chiumiento gewöhnen musste», sagt Etoundi.

Wucht statt Filigranität

Doch die Leidenszeit bei Xamax hatte ihn stark gemacht. Er kämpfte sich beim FCZ ins Team, besitzt zwar nicht die Filigranität vieler seiner Mitspieler, ergänzt indes mit seiner Wucht, Schnelligkeit und Kopfballstärke das «weisse Ballett» perfekt. Sieben Tore hat er bereits geschossen und seinen persönlichen Rekord in der Super League übertroffen, obwohl doch gerade erst die Rückrunde begonnen hat. «Ich mache mir keine Gedanken darüber, wie viele es noch werden sollen», sagt Etoundi. «Ich gebe einfach weiterhin mein Bestes.» Heute nachmittag im Letzigrund gegen Thun.