Man horchte auf, als es im vergangenen Dezember hiess, der FC Zürich hole sich prominente Verstärkung. Und was für eine Verstärkung! Niemand geringer als der Rekordtorschütze von Zenit Sankt Petersburg und der russischen Nationalmannschaft kam in die Schweiz: Alexander Kerschakow. Der FC Zürich verpflichtete den russischen Altstar bis Ende Saison auf Leihbasis. Der Fakt, dass sein letztes Pflichtspiel schon ein halbes Jahr zurücklag und er sein letztes Tor im Oktober 2014 schoss, tat der Euphorie in Zürich keinen Abschwung. Alleine der Name versprach vieles.

Kerschakow steht in Russland für Prominenz, Glamour und Politik. Über seine Nähe zu Präsident Wladimir Putin macht Kerschakow kein Geheimnis. 2012 liess er sich als offizieller Unterstützer Putins registrieren. In Russland ist Kerschakow eine feste Grösse, ein Aushängeschild für den Sport und für russische Moralvorstellungen. Seine Meinung zu gesellschaftlichen Themen hat Relevanz.

Warum aber entschied er sich für den Wechsel in die Schweiz? Im Sommer sortierte ihn Zenit-Trainer André Villas-Boas aus. Groll hege Kerschakow deswegen nicht: «So läuft das im Fussball.» Nach missglückten Wechselversuchen im Sommer, der Verein liess ihn nicht gehen, klappte es im Winter.

Die Zeit in Zürich sieht Kerschakow als Chance: «Ich hoffe, dass ich hier viel Spielzeit erhalten werde und damit eine Chance habe, mit der russischen Nationalmannschaft an die Europameisterschaft in Frankreich zu reisen», sagte er an seiner Präsentation gegenüber dem «Tagesanzeiger.»

Mehrere Offerten lagen für den russischen Altstar vor. Die Entscheidung nach Zürich zu wechseln fiel ihm aber einfach. Die Bemühungen von Präsident Ancillo Canepa und Sami Hyypiä beeindruckten ihn. Besonders Trainer Hyypiä hält grosse Stücke auf den Russen: «Er wird ein wichtiger Spieler für uns sein.» Hyypiä hatte aber auch hohe Erwartungen an seinen neuen Stürmer. Er soll ein «Vorbild für die Mannschaft auf und neben dem Platz» sein.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Kerschakow und Hyypiä über den Weg laufen. 2012 standen sie sich in der WM-Qualifikation gegen über. Sami Hyypiä verteidigte für Finnland– Kerschakow traf zweimal für Russland. Angesprochen hat Kerschakow seinen Trainer darauf noch nicht: «Ich weiss nicht, ob das bei ihm gut ankommen würde.»

Die Frage nach dem Lohn

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten ist Kerschakow mittlerweile angekommen in Zürich. Mit sechs Toren in zehn Spielen, darunter ein Doppelpack im Cup-Halbfinal gegen den FC Sion, ist Kerschakow mitverantwortlich für den derzeitigen sportlichen Aufschwung in der Limmatstadt. Aber der Russe weiss nicht nur mit Toren zu überzeugen. Fleissig spult er auf dem Spielfeld Meter um Meter ab, vielleicht nicht mehr so flink wie früher, aber was geblieben ist, ist der unbändige Wille, seiner Mannschaft zu helfen. Er ist ein Spieler, wie sie Hyypiä gefallen: Mit viel Arbeitsmoral kämpft er um jeden Ball und arbeitet auch in den Trainings eisern an seiner Fitness. «Kerschakow arbeitet im Spiel auch defensiv mit», sagt Hyypiä. Ein Merkmal, auf das der Trainer viel Wert legt. Auch seine Mitspieler schätzen Kerschakows Spielart: «Mit seinen Laufwegen macht er alle Spieler in der Mannschaft besser», sagt der Mittelfeldspieler Oliver Buff.

Lohn erhalte er in Zürich nicht, liess Kerschakow kürzlich in der russischen Presse verlauten. Er lebe von seinem in Sankt Petersburg verdientem Geld. Die Führungsriege des FCZ dementiert. Kerschakows Arbeitsvertrag mit dem FCZ beinhalte auch einen Lohn, lässt Capena verlauten. So oder so: Für den FC Zürich ist die russische Leihgabe in ihrer derzeitigen Form bares Geld wert.