Raphael Wicky, Sie haben vergangenen Freitag nach dem Spiel Ihre Mannschaft angezählt, sprachen davon, dass die Leistung beim 0:5 gegen Feyenoord peinlich und nicht FCB-würdig war. Sollte das ein Signal sein?

Raphael Wicky: Nein, es sollte kein Signal an irgendjemanden sein. Es war in fünf Wochen Vorbereitung ein schlechter Tag mit zwei negativen Testresultaten. Jenes am Morgen gegen Aarau (1:4; d.Red.) kann man beiseitelegen, jenes am Abend hingegen kam überraschend. Meine Aussagen waren eine Emotion nach dem Match.

Das sollte keine Alarmierung sein. Aber es war nicht mehr und nicht weniger als ein Empfinden. Wir waren schlicht nicht gut und so ein Spiel kann und will ich nicht schönreden. Man muss aber auch nicht immer alles nur schwarz sehen. Wir haben das zusammen angeschaut, haben eine Videoanalyse gemacht und haben jetzt sehr gut angefangen in dieser Woche.

Also ist das Feuer noch da?

Das Feuer ist absolut noch da. Keiner hat gerne verloren. Es war wichtig, dass wir miteinander geredet haben. Die Spieler wissen, was sie besser machen müssen.

Es hat wie schon im Winter viele Abgänge gegeben. Es gingen Leadership und Persönlichkeiten verloren. War der Eingriff nicht erneut zu gross?

Natürlich war es der Wunsch, die Mannschaft zusammenzuhalten. Aber ich bin sehr zufrieden, dass doch ein Grossteil zusammengeblieben ist. Die Achse der Mannschaft war ab dem Winter da – wie Valentin Stocker und Fabian Frei.

Hinzu kommen auf dieser Achse Spieler wie Marek Suchy, Luca Zuffi, Ricky van Wolfswinkel und Albian Ajeti, die alle wissen, wie wir spielen wollen. Und weil dieser Grossteil seit einem halben Jahr da ist, ist auch eine Hierarchie da. Natürlich haben wir Persönlichkeit verloren, aber mit Silvan Widmer und auch mit Martin Hansen welche dazugewonnen.

Hat der Druck auf Sie im Vergleich zur vergangenen Saison zugenommen?

Ich finde nicht, dass mein Druck grösser ist als vor einem Jahr. Ich hatte vor einem Jahr die Chance, ein unglaubliches Erbe anzutreten mit einem Klub, der eine unglaubliche Geschichte hat. Der Druck fühlte sich vergangenes Jahr nicht kleiner an.

Ich will gute Arbeit leisten mit meinem Staff und habe Vertrauen, dass wir das können. Und ich bin auch sicher, dass die Mannschaft das kann. Wir haben vergangene Saison Dinge geliefert, die gross sind und aus denen wir Selbstvertrauen nehmen können.

Spüren Sie den Rückhalt vonseiten der Vereinsleitung?

Ich spüre sehr grossen Rückhalt. Die Saison hat noch nicht einmal angefangen. Und wenn dem nicht so wäre, dass man hinter mir stehen würde, dann hätte man Ende vergangene Saison zusammensitzen und sagen können: Es geht nicht weiter.

Aber das war nicht so. Marco Streller weiss, wie ich arbeite, wir haben einen guten Austausch und dementsprechend spüre ich den Rückhalt und kann mich auf die kommenden Wochen und Monate fokussieren.

Aufgezeichnet: cfe