Schweizer Cup
FCB-Sportchef nach Cup-Aus: «Ich fand uns schwach. YB nicht überragend» ++ Streller stellt sich in Frage

Der FC Basel hat mit dem Ausscheiden aus dem Cup das erste Saisonziel verfehlt. Mit einer Leistung, die erschreckend schwach war. Nach diesem schwer zu verkraftenden Abend stellt sich FCB-Sportchef Marco Streller den Medien.

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Die Sorgen waren schon weniger bei FC Basel und dessen Sportchef Marco Streller.

Die Sorgen waren schon weniger bei FC Basel und dessen Sportchef Marco Streller.

Keystone

Marco Streller, gab es irgendetwas, das Ihnen im gestrigen Spiel Mut gemacht hat?

Marco Streller: Ja, die erste Halbzeit. Wir haben gewusst, dass YB physisch und athletisch sehr stark ist. Das haben sie auch wieder eindrücklich unter Beweis gestellt. Nicht nur im offensiven Drittel, sondern auch im zentralen Mittelfeld. Dass wir da zumindest in der ersten Halbzeit dagegen halten konnten, das macht mir Mut. Nicht unsere Spieler waren die ersten die am Boden waren, sondern Berner.

Sie haben selber gesagt, dieses Spiel könnte vorentscheidenden Charakter für die Meisterschaft haben.

Darauf bin ich vor allem von den Medien angesprochen worden. Gestern ging es nicht um Punkte, sondern um einen Finalteilnahme. Klar, das Momentum war vor dem Spiel bei YB und das ist es auch jetzt noch. Es tut weh, aus dem Cup ausgeschieden zu sein, aber das Spiel hat, denke ich, im Nachhinein keine Relevanz mehr.

Die Berner Spieler und ihr Staff feiern den Sieg gegen den FC Basel.
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Enttäuschte Basler Spieler Geoffroy Serey Die, Luca Zuffi, Michael Lang und Samuele Campo.
YB's Roger Assale vergibt gegen Basels Goalie Tomas Vaclik.
YB's Miralem Sulejmani kämpft um dem Ball gegen Basels Leo Lacroix.
Zweikampf zwischen YB's Guillaume Hoarau und Basels Marek Suchy.
Cup-Halbfinal FC Basel - YB 27.02.2018
Basels Goalie Tomas Vaclik lässt den Ball zum 2:0 passieren.
Die YB Spieler Sekou Sanogo, Miralem Sulejmani, Torschütze Guillaume Hoarau und Christian Fassnacht, jubeln nach dem 1:0.
YB's Guillaume Hoarau schiesst den Penalty zum 1:0: Basels Michael Lang und Leo Lacroix, sowie YB's Christian Fassnacht schauen zu.
YB's Guillaume Hoarau erzielt das Tor zum 1:0 mittels Penalty gegen Basels Torhüter Tomas Vaclik.
YB's Roger Assale im Kampf mit Basels Taulant Xhaka und Basels Geoffroy Serey Die.
YB's Guillaume Hoarau jubelt nach seinem Tor zum 1:0 mit Christian Fassnacht und auf seinen Schultern, Miralem Sulejmani.
Basels Trainer Raphael Wicky und YB Cheftrainer Adi Hütter.
YB's Roger Assale im Kampf mit Basels Taulant Xhaka und Basels Geoffroy Serey Die.
Schiedsrichter Stefan Klossner zeigt Basels Taulant Xhaka die gelbe Karte.
Basel's Ersatzspieler decken sich zu.
YB's Kasim Adams Nuhu kämpft um dem Ball gegen Basels Valentin Stocker.
YB's Djibril Sow kommt vor den Baslern Valentin Stocker, Dimitri Oberlin und Michael Lang zu Fall.
Basels Dimitri Oberlin reibt sich an YB's Sekou Sanogo.
Basels Geoffroy Serey Die im Kampf mit YB's Sekou Sanogo.

Die Berner Spieler und ihr Staff feiern den Sieg gegen den FC Basel.

PETER SCHNEIDER

Kann man jetzt von einer Krise reden?

Die Situation ist selbstverständlich schwierig. Wir sind in einer ähnlichen Situation wie in der Vorrunde. Die Mannschaft hatte sich damals noch nicht ganz gefunden und das ist jetzt auch so. Das das zu diesem Zeitpunkt der Saison so ist, ist aber eine neue Situation für viele. Die Runden werden weniger. Aber, und das macht mir ebenfalls Mut: Wir haben schon einmal aus einer Krise raus gefunden. Und das relativ schnell. Da musste ich innert Wochenfrist erklären, wie man in die Krise rutschte und dann wie man gegen Benfica 5:0 gewinnen kann.

Damals zog man eben genau aus diesen Spielen in der Champions League die Power für die Liga. Woher soll dieser Effekt jetzt kommen?

Wir haben ja noch ein Champions-League-Spiel (lacht). Nein, Spass bei Seite. Man muss auch sehen dass da die Erwartungen tief waren und wir nur gewinnen konnten. Aber wir wissen auch jetzt, dass die Mannschaft die Situation kehren kann. Ich glaube an unsere Mannschaft. Wir wissen was in dieser Mannschaft steckt, welche gute Spieler wir haben und dass wir das Spielen nicht verlernt haben. Ich habe ein Gefühl, das mich beruhigt. Sowie eines, das mir sagt, dass diese Meisterschaft noch nicht entschieden ist. Und auf mein Gefühl kann ich mich meistens verlassen.

Was sind jetzt die primären Ziele?

Wieder in die Spur zu finden und gewinnen können. Nicht die Meisterschaft an sich. Für uns ist es jetzt einfach wichtig, dass wir die Ruhe bewahren, hinter dem Team und dem Trainer stehen. Ausserdem muss man sich ein Momentum, und dass dieses wieder auf seine Seite kippt, erarbeiten. Dahin müssen wir wieder kommen, dass wir wieder Spiele gewinnen. Fertig Schluss. Im gestrigen Spiel hat sich der Eindruck noch einmal verstärkt, dass diese Mannschaft vieles verloren hat. Gerade das Spiel in der Offensive wirkte zusammenhangslos.
Das sehe ich auch so. Ich weiss aber auch als Ex-Spieler, dass vieles hätte anders laufen können in einigen Situationen. Dass Aktionen anders ausgespielt hätten werden können. Wir waren einfach schwächer, das muss man auch mal zugeben und anerkennen. YB hat diesen Final verdient.

Hatten Sie gestern irgendwann mal das Gefühl, dass das Momentum kippen kann?

Ich hatte zumindest das Gefühl, dass YB nicht so hoch gepresst hat wie sonst. Das ist meines Erachtens ein Zeichen von Respekt und auch der Vergangenheit geschuldet. Und: Ich fand uns gestern schwach. Nicht YB überragend. Sie haben uns nicht in Grund und Boden gespielt.

Die Probleme liegen vor allem in der Offensive.

Wenn man in vier von fünf Spielen nicht trifft, dann ist das so. Das liegt aber nicht an en Spielern, die haben bewiesen, dass sie Tore schiessen können. Wir müssen Lösungen finden, da sind aber alle verantwortlich. Wir waren zu weit auseinander, müssen zwischen den Linien näher zusammen sein. Aber wenn man mal in einer Spirale drin ist, dann fehlt die Leichtigkeit. Die hat YB im Moment.

Mit Michael Lang und Mohamed Elyounoussi befinden sich zudem zwei Schlüsselspieler in einer Formkrise.

Das mag sein. Sie hatten eine unglaubliche Form im Herbst. Aber wir sind der FC Basel und wir sollen fähig sein, auch wenn zwei Spieler nicht auf absoluten Topniveau spielen, das kompensieren zu können. Die Heimspiele musst du gewinnen, da lasse ich fehlende Topformen nicht als Ausrede gelten.

Wenn es nicht daran liegt, dann vielleicht eben doch daran, dass die Wechsel zu viele waren.

Bilanz ziehen wir im Sommer. Aber wir haben alles aus Überzeugung gemacht.

Aber man muss auch sagen: Léo Lacroix leistete sich gestern schon wieder einen groben Fehler. Valentin Stocker war schwach. Und Fabian Frei nur auf der Bank.

Ich glaube, dass das gegen Aussen nicht überzeugend wirkt. Ich fand Léo gestern einen der Stärksten, weil er Hoarau gut im Griff hatte. Bitter ist, dass von ihm im Moment jeder Fehler bestraft wird. Aber ich hänge es nicht ihm an, er macht das gut. Vali, das sehe ich wie viele andere auch, war gestern nicht gut. Aber in seinen ersten Spielen hatte er gute Ansätze. Aber wir lassen niemanden fallen.

Waren Sie ertaunt, dass Frei wieder nicht gespielt hat?

(Zögert). Nein, schauen Sie: Wir haben Fabi geholt, weil es wirtschaftlich interessant war und man ab und an etwas vorgreifen muss, wenn man weiss, dass im Sommer vielleicht der Eine oder Andere geht. Man muss aber auch sehen, dass Spieler wie er von euch Medien beispielsweise gefordert wurden und sogleich ganz oben in die Hierarchie-Pyramide gesetzt wurden. Ich finde es zu einfach, alles auf sie zu reduzieren. Ausserdem entscheidet der Trainer was die Aufstellung angeht und der hat meine Unterstützung.

Sie haben vor dem Spiel von einer Chance gesprochen, die Sie haben, um vor di Mannschaft zu stehen. Haben Sie die nun genutzt?

Ja, ich bin heute vor die Mannschaft getreten, weil Raphi Wicky und ich das als wichtig empfunden haben. Ich habe ihnen gesagt, dass sie ruhig bleiben sollen und dass wir da zusammen wieder raus kommen werden. Auch, dass sie unser vollstes Vertrauen haben. Das zu wissen macht es für einen Spieler auch einfacher. Ich weiss wie sie sich fühlen, dass die Beine in solchen Situationen nicht leichter werden. Das habe ich auch zum Ausdruck gebracht. Genauso, wie dass jetzt alles dem Fussball untergeordnet werden muss bis am Samstag.

Wie wichtig ist eine Reaktion am Samstag gegen den FCZ?

Die ist es nicht primär, weil wir gegen den FCZ spielen. Natürlich ist es ein Derby, das ist immer speziell. Und in der Hinrunde ist es das Spiel, das die Wende brachte. Das wäre eine schöne Geschichte. Aber egal, welcher Gegner es ist, wir müssen einfach gewinnen.

*Aufgezeichnet von: Céline Feller