Von Katerstimmung oder gar Nachwehen ob der langen Nacht, die im Morgengrauen endete, war bei den FCB-Exponenten keine Spur zu sehen. Aber es herrschte bei den Herren Bernhard Heusler und Heiko Vogel sowie Sportdirektor Georg Heitz auch keine überbordende Euphorie, denn trotz des Double-Gewinnes und der vorzüglichen Kampagne auf internationalem Parkett müssen sich die Klubverantwortlichen derzeit mit «Nebenschauplätzen» (Fall Dragovic) herumschlagen, die nicht bagatellisiert werden dürfen.

Erst nach 50 Minuten verkam das gestrige Meeting im Airport Basel zu dem, was der Grund der Einladung gewesen war: sportlicher Rückblick und Ausschau auf die Saison 2012/13.

«Ja, wir wollen David Degen»

Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit wird der Schweizer Meister heute Mittag offizialisieren, was Insider längst wissen. Der FCB möchte die Option für Philipp Degen einlösen – und der Spieler erklärte gestern weit nach Mitternacht: «Ich will meine Laufbahn beim FC Basel beenden. Dort, wo alles begonnen hat, soll es auch enden», so der Rechtsverteidiger. Und als er gefragt wurde, ob sein Zwillingsbruder David auch zum FCB zurückkehren wird, wurde er – trotz der ausgelassenen Stimmung im Stadtcasino – nachdenklich und der Lampenberger bekundete Mühe, seine Emotionen zurückzuhalten. «Ja, das wäre traumhaft und schön, zusammen mit dem Zwillingsbruder zu spielen.»

Die gleiche Frage – 14 Stunden später – an Sportdirektor und Vorstandsmitglied Heitz, ob David Degen für den FCB ein Thema ist, liess diesen ein wenig überlegen. Um dann klar zu sagen: «Ja, wir wollen David Degen.» Und weil sein bisheriger Arbeitgeber, der BSC Young Boys, den Oberbaselbieter nicht mehr will und trotz personeller Engpässe seit drei Runden auf die Tribüne verbannt hat, werden in der kommenden Spielzeit Degen I und Degen II den gleichen Brötchengeber haben.

Kein Substanzverlust

Dass mit dem Rücktritt von Benjamin Huggel und den Abgängen von David Abraham, Scott Chipperfield, Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka wichtige Spieler ersetzt werden müssen, ist keine neue Weisheit. Doch wenn die Konkurrenz glaubt, dass der FCB in der nächsten Saison schwächer wird, täuscht sie sich. Denn der FCB wird diese Vakanzen mit (ausländischen) Akteuren schliessen, die ausnahmslos frühere Nachwuchs-Auswahlspieler, Ex- oder gar aktuelle Nationalspieler sind.

«Der FCB ist ein guter Arbeitgeber», vermeldete mit berechtigtem Stolz Präsident Heusler. Und damit meinte er nicht nur die Entlöhnung, sondern «das Gesamtpaket FCB», der mittlerweile international Respekt erfährt.

Vogel will das Kader straffen

Dennoch sollen weiterhin Nachwuchsspieler ins Fanionteam integriert werden. Gestern unterschrieb der 20-jährige Mittelfeldspieler Simon Grether einen Profivertrag und wird zumindest die Vorbereitung mit der 1. Mannschaft mitmachen. Auch den torgefährliche Stjepan Vuleta, der auch im Fokus von ausländischen Vereinen steht, will der FCB an sich binden.

Cheftrainer Heiko Vogel gab zu verstehen, dass er das Kader quantitativ von 27 auf 25 Spieler straffen möchte. Aber an der Zielsetzung, der Verteidigung des DoubleS und das Erreichen der Gruppenspiele in der Uefa-Champions-League, wird sich nichts ändern.