FC Basel
FCB gegen Videoton: Der ungarische Fussball sollte nicht unterschätzt werden

Alessandro Iandoli hebt im Interview den Warnfinger. «Der ungarische Fussball wird unterschätzt», sagt der 28-Jährige. Am 12.August hat der Basler im Trikot des 20-fachen Meisters Ujpest sein Debüt in der höchsten ungarischen Liga gegeben.

Markus Brütsch
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Alessandro Iandoli (links im Dress von Ujpest) spielt in dieser Saison in der höchsten ungarischen Liga.

Alessandro Iandoli (links im Dress von Ujpest) spielt in dieser Saison in der höchsten ungarischen Liga.

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Seither hat er in allen neun Partien als Linksverteidiger durchgespielt. Ausgeliehen vom belgischen Verein St.Truiden, für den er in der letzten Saison in der Jupiler League unbestrittener Stammspieler war. Nach dem Abstieg hat ihn der belgische Trainer Jos Daerden zu Ujpest nach Budapest geholt.

Hat Sie FCB-Trainer Murat Yakin schon um Tipps für die Partie in Székesfehérvár gegen Videoton gebeten?

Alessandro Iandoli: Nein, er wird nicht wissen, dass ich seit gut zwei Monaten in Ungarn engagiert bin. Vor fünf Jahren habe ich bei Concordia aber tatsächlich eine Saison lang unter Yakin gespielt.

Was können Sie ihm über Ungarns Tabellensiebten Videoton sagen?

Ich habe das Spiel meines neuen Klubs Ujpest gegen Videoton von der Tribüne aus gesehen, weil ich noch nicht spielberechtigt gewesen bin. Vorder Partie wurde mir gesagt, Videotonsei ein Topteam. Nach dem Spiel habe ich die Spieler gefragt, was daran ein Topteam sein soll. Videoton hatte keinen guten Eindruck auf mich gemacht. Sie haben dann gesagt, es hätten neun Stammspieler gefehlt, weil sich Videoton voll auf die Qualifikationsspiele für die Europa League konzentriere.

Wie das? Das Kerngeschäft ist doch immer die Meisterschaft.

Der FC Videoton wollte sich wieder einmal europäisch positionieren. Er hat es geschafft und gegen Slovan Bratislava, Gent und Trabzonspor drei Vorrunden überstanden und erstmals die Gruppenphase der Europa League erreicht.

Nach der 0:3-Niederlage in Genk hat Videoton dann Sporting Lissabon 3:0 weggeputzt. Wie ist das möglich? Videoton hat nur einen einzigen Spieler im Kader der ungarischen Nationalmannschaft.

Die internationalen Ergebnisse beweisen, dass Qualität vorhanden ist. Die Mannschaft ist sehr kompakt. Sie schiesst nicht so viele Tore, kassiert aber auch nur wenige. Ihre Stärke ist das schnelle Umschalten von der Defensive auf die Offensive. Sie ist eine Kontermannschaft und trägt die Handschrift von Paulo Sousa, der früher mal bei Dortmund gespielt hat und seit gut einem Jahr Trainer von Videoton ist. Er richtet sein Augenmerk auf die Abwehrarbeit. Vor zwei Jahren ist Videoton Meister geworden, in der letzten Saison Zweiter.

Gibt es herausragende Spieler?

Nein, selbst wenn fünfzehn Ausländer im Kader stehen. Die Stärke von Videoton ist eindeutig das Kollektiv. Der FC Basel ist aufgrund der besseren Einzelspieler und der grösseren internationalen Erfahrung zwar der Favorit, aber ich glaube nicht, dass das Spiel für ihn in Ungarn zum Selbstläufer wird.

Apropos Ungarn: Wie sehr gefällt es Ihnen als Profi in diesem Land?

Eigentlich gut, ich bekomme auch gute Kritiken. Leider läuft es für Ujpest aber nicht besonders gut; wir stehen nur auf dem neunten Platz. Ich habe aber nicht aufgehört, von einem Engagement in der Super League zu träumen. Ich würde gerne all jenen, die nicht an mich geglaubt haben, zeigen, dass aus dem ewigen Talent ein seriöser Profi geworden ist. Ich hoffe jetzt, dass vielleicht mein neuer Berater Orazio Ferranti einen Transfer in die Schweiz einfädeln kann.