Es ist kein Geheimnis, dass Fussballer in ihrer Wortwahl zur Übertreibung neigen. Gerade in Momenten, wenn der Abpfiff des Schiedsrichters noch durchs Stadion hallt und sie sich bereits vor den Journalisten erklären.

Vor diesen Hintergrund sind die Aussagen von Marco Streller zu stellen, die er nach dem 2:4 in Bern und nach dem 1:0 gegen Vaduz machte. Trotzdem: Innert einer Woche zwei Brandreden des FCB-Captains, die zweite gar nach einem Sieg – das lässt aufhorchen. Es wirkte, als verspüre Streller den Drang, Klartext zu reden. Alarm zu schlagen, die Teamkollegen via Medien wachzurütteln.

Waren es nach dem YB-Spiel Sätze wie «Wir sollten uns schämen» oder «Jeder sollte seine Einstellung hinterfragen», die aufhorchen liessen, sagte Streller am Samstag in Anlehnung an die Reaktion des Publikums: «Wäre ich auf der Tribüne gesessen, hätte ich wohl auch gepfiffen.» Die zweite Halbzeit sei genauso schlecht gewesen wie gegen YB, alles andere als die drei Punkte sei zum Vergessen. Er spüre Unsicherheit in der Mannschaft. Das Selbstvertrauen fehle an allen Ecken und Enden. «Mit einer Leistung wie gegen Vaduz werden wir am Samstag gegen Thun nicht gewinnen.» Und schon gar nicht drei Tage später im Champions-League-Rückspiel in Porto.

Ratlosigkeit?

Mit seiner trotz Heimsieg miesen Laune bewies der Captain einmal mehr, dass allein die drei Punkte den eigenen Ansprüchen nicht genügen. Erinnerungen an die vergangene Saison kamen auf, als das Publikum mit Pfiffen und die Spieler hinter vorgehaltener das teils müde Gekicke rügten – trotz Erfolg. Irgendetwas stimmt nicht im Team, das nach der gemäss mehreren Spielern «besten Wintervorbereitung seit Jahren» voller Optimismus ins neue Fussballjahr startete. «Sechs, sieben Spieler, ich inklusive, sind nicht gut drauf», sagte Streller. Konkrete Gründe konnte er keine nennen, ratlos schlich er in die Kabine.

Sorgen um den sechsten Meistertitel muss sich der Captain trotz Formkrise keine machen. Sowohl das zweitplatzierte YB, bei dem einige Spieler nach dem 4:2 gegen Basel zur Aufholjagd bliesen, als auch der Tabellendritte FC Zürich holten am Wochenende nur einen Punkt. Was zur Folge hat, dass Rot-Blau den Vorsprung auf sieben bzw. acht Punkte ausbauen konnte.

Tschechische Vaterfreuden

Egal, wohin die aktuelle Saison den FC Basel noch führen wird: Goalie Tomas Vaclik hat die Krönung bereits hinter sich. Der 25-Jährige ist in der Nacht auf Sonntag stolzer Vater einer Tochter geworden. Sie heisse Nicole und sei wie Mutter Martina wohlauf, twitterte Vaclik kurz nach Mitternacht aus dem Kreisssaal. Wegen der Geburt verpasste der Tscheche die Partie gegen Vaduz – und die anschliessende Brandrede des Captains.