FC Aarau in der Krise
FCA-Verwaltungsrat: «In der Winterpause muss etwas Kreatives passieren»

René Herzog spricht über das neue Stadion und die sportliche Krise des Vereins Fussball. Wie es weitergehen soll, weiss keiner so genau.

Ruedi Kuhn
Merken
Drucken
Teilen

Solothurner Zeitung

René Herzog, wann spielt der FC Aarau im neuen Stadion Torfeld Süd?

René Herzog: Läuft es optimal, haben wir Ende 2011 eine Baubewilligung. Die Bauzeit dauert zwei Jahre. In diesem Fall wäre das Stadion 2014 bezugsbereit.

Und wenn es nicht optimal läuft?

Wenn jene Personen, die in den Verfahren Bau- und Nutzungsordnung, Gestaltungsplanänderung und Baugesuch Einsprache erhoben haben alle Rechtsmittel ausschöpfen, wird das Projekt um mindestens zwei Jahre verzögert.

Nun hat der FC Aarau nach dem Abstieg aus der Super League sogar in der zweithöchsten Spielklasse grosse Probleme: Welche Konsequenzen hat das fürs Stadion?

In sportlicher Hinsicht geht es in einer ersten Phase darum, sich in der Challenge League zu behaupten. Spätestens in der Saison 2012/13 muss unser Ziel der Wiederaufstieg sein.

Schön und gut, momentan steckt der FC Aarau aber in einer Krise und ist der 1. Liga viel näher als der Super League.

Die Probleme beunruhigen mich sehr. Mit dem Einbau von vielen jungen Spielern und einem Trainer, der in der letzten Saison noch das Team Aargau U21 gecoacht hat, ist man ein sehr grosses Risiko eingegangen. Diese Konstellation hat dazu geführt, dass der FC Aarau in einer schwierigen Situation steckt.

Ist es im Hinblick auf das neue Stadion entscheidend, ob der FC Aarau in der Super oder in der Challenge League spielt?

Mit dem Finanzierungskonzept der Stadt Aarau als Grundlage hat das neue Stadion auch in der Challenge League eine Berechtigung. Es ist für uns möglich, in der zweithöchsten Spielklasse ein ausgeglichenes Budget zu haben.

Die Kosten für die Miete des Stadions betragen jährlich rund 500000 Franken. In diesem Betrag enthalten sind auch Aufwendungen für Unterhalt, Versicherungen, Verwaltung und Reservefonds. Diese Kosten sind mit jenen des FC St.Gallen nicht zu vergleichen. Bei den Ostschweizern war viel mehr Fremdkapital mit im Spiel.

Das Stadionprojekt ist in der Challenge League also nicht gefährdet.

Nein. Eine halbe Million Franken an Mietkosten kann der FC Aarau auch in der Challenge League aufbringen. Mit Veranstaltungen ausserhalb des Fussballs generieren wir zusätzliche Einnahmen, sodass dieser Betrag für den FCA noch kleiner wird.

Es darf jedoch nicht sein, dass der Verein in dieser Spielklasse in der hinteren Tabellenregion spielt, ja sogar Gefahr läuft, in den Amateurfussball abzudriften.

Sprechen wir Klartext: In der 1. Liga hat das Stadionprojekt keine Chance.

Nein. Im Amateurbereich hat das Projekt auf Dauer keine Chance. Der Fussball in der Schweiz lebt heute extrem vom Mäzenatentum. Rein theoretisch wäre dadurch eine Saison im Amateurbereich wohl möglich. In dieser Zeit müssten die Weichen aber sofort wieder in Richtung Aufstieg gestellt werden. An ein solches Szenario will ich nicht denken.

Vielleicht werden Sie bald dazu gezwungen...

Das hoffe ich nicht. Es nützt nichts, den Teufel an die Wand zu malen. Der FC Aarau hat eine grosse Stärke: Er ist in finanzieller Hinsicht breit abgestützt und kann seit mehr als zwanzig Jahren auf die Sponsorengruppe Club 100 zählen, der viele kleinere und mittlere Unternehmen repräsentiert. Klar ist: Wenn der FC Aarau den Status der breiten Verankerung behalten will, dann muss er auf dem Spielfeld Unterhaltung bieten. Ist das wie im Moment nicht der Fall, kommen diese Sponsoren nicht mehr ins Brügglifeld. Dann geht langsam, aber sicher die Identifika-
tion mit dem Verein verloren.

FCA-Trainer Ranko Jakovljevic will trotz acht sieglosen Spielen in der Meisterschaft nichts von einer Abstiegsgefahr wissen: Schätzt er die sportliche Situation mit dieser Aussage nicht völlig falsch ein?

Ich teile seine Meinung nicht und sehe den Ernst der Situation. Während der Winterpause muss etwas Kreatives und Nachhaltiges passieren. Wenn nicht, laufen wir Gefahr, im Frühling gegen den Abstieg kämpfen zu müssen.

Was sagen Sie zur bevorstehenden Reduktion der Challenge League von 16 auf 10 Teams?

Ich kann das nicht verstehen. Was die Budgets betrifft, sind viele Klubs jetzt schon knapp an Geldern. Die Reduktion wird zu einem grossen Aufrüsten führen. Mir ist es schleierhaft, wie diese Vereine die finanziellen Mittel beschaffen wollen.

Der FC Aarau spielt am nächsten Sonntag im Brügglifeld gegen Kriens: Nach einer weiteren Niederlage drohen massive Ausschreitungen von Fans. Haben Sie Angst davor?

Obwohl mir momentan der Spass am Fussball fehlt, werde ich im Stadion sein und die Mannschaft unterstützen. Ich erwarte eine Reaktion der Spieler. Ich verstehe die Enttäuschung der Fans, appelliere aber dringlichst an sie, dass sie den Fairnessgedanken hochhalten und das positive Image des FC Aarau nicht gefährden. Dieses Image ist für den FCA überlebenswichtig bei der Rekrutierung von neuen Sponsoren.