Challenge League
FCA-Trainer Bordoli: «Man darf momentan nicht zu viel erwarten»

Der FC Aarau will sich beim Aufstiegsfavoriten Wil für das magere 1:1 gegen Wohlen rehabilitieren. Gleichzeitig ruft Trainer Livio Bordoli dazu auf, Geduld mit der Mannschaft zu haben. Diese müsse sich erst noch von der Verlierermentalität befreien.

Ruedi Kuhn
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FCA-Trainer Livio Bordoli im Trainingslager im Breisgau

FCA-Trainer Livio Bordoli im Trainingslager im Breisgau

Dean Fuss

Reden wir nicht um den heissen Brei herum: Mit der gleichen Leistung wie beim 1:1 gegen Wohlen droht dem FC Aarau auf dem Kunstrasen beim Aufstiegsfavoriten Wil eine Klatsche. Der leidenschaftslose und spielerisch ungenügende Auftritt der Mannschaft von Trainer Livio Bordoli im Brügglifeld verärgerte einen Grossteil der 4981 Zuschauer. Momentan scheint es so, dass es vielen Spieler nicht nur an Klasse, sondern auch an Rasse fehlt.
Wo bleibt das innere Feuer? Wo bleibt das letzte Aufbäumen? Wo bleibt die Leidensfähigkeit? Und vor allem: Wo bleibt die Identifikation mit dem FC Aarau?

Eines steht fest: Am Samstag, 17.45 Uhr, sind die Spieler gefordert. Der Gegner Wil ist zumindest auf dem Papier um einiges stärker als Wohlen. Gefordert sind aber nicht nur die Spieler, gefordert ist auch der Trainer: Livio Bordoli! Schliesslich hat sich der Tessiner einen Platz unter den Top 5 als Saisonziel gesetzt. «Diese Vorgabe gilt immer noch», sagt Bordoli mit einem schelmischen Lächeln. «Und schauen Sie sich doch die Tabelle an. Der FC Aarau ist Vierter.»

Verärgert über die harte Kritik

Wo Bordoli Recht hat, da hat er Recht. Und dass er trotz des mässigen Starts in die Saison den Humor nicht verloren hat, ist erfreulich. Zurück zum Ernst der Lage: Bordoli nahm nach eigener Aussage mit Verwunderung, ja sogar einem Anflug von Ärger zur Kenntnis, dass die Kritik am FC Aarau nach dem Derby so hart, so schonungslos ausgefallen ist.

«Ich bin ja auch enttäuscht», sagt er. «Aber ich kann den Spielern keinen Vorwurf machen. Sie brauchen Zeit, um die Verlierermentalität der vergangenen Monate mit dem Abstieg als Tiefpunkt abzulegen. Man darf momentan nicht zu viel erwarten.» Bordoli war nach dem 1:0 überzeugt davon, dass Aarau den FC Wohlen schlagen wird.

Warum hat's nicht geklappt? «Nach unserem Tor machte sich bei den Spielern eine gewisse Angst vor dem Sieg breit», erklärt Bordoli. «Diese Angst löste eine Verkrampfung und eine Verunsicherung aus, die vom Gegner ausgenützt wurde.»

Die Negativschlagzeilen in den Medien lassen Bordoli kalt. «Ich bin nicht bereit, nach nur einem Spiel alles schwarz zu sehen», sagt er. «Wer eine erste Bilanz von mir haben will, der soll nach neun Spielen kommen. Dann ist ein Viertel der Meisterschaft vorbei. Und dann kann man sagen, ob die Erwartungen erfüllt wurden oder nicht.»

Änderungen in der Startformation sind zu erwarten

Ob der FC Aarau im zweiten Spiel in Wil die Erwartungen erfüllt, wird sich zeigen. Im Vergleich zum Spiel gegen Wohlen wird Bordoli mit Sicherheit die eine oder andere Änderung in der Startformation vornehmen.

Kim Jaggy hat nach dem Aus von Haiti im Gold Cup in den USA den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen und dürfte auf der linken Abwehrseite Bruno Martignoni ersetzen. Und dass die Arbeitsbewilligung für den brasilianischen Mittelfeldspieler Carlinhos endlich eingetroffen ist, freut Bordoli ganz besonders. «Während der Vorbereitung hat sich gezeigt, dass Carlinhos eine Teamstütze ist», sagt Bordoli. «Er ist in der Lage, der Mannschaft Stabilität, Sicherheit und Kreativität zu geben.»

Mal schauen, ob Carlinhos die Erwartungen des Trainers erfüllen kann. Mit Aufstiegsfavorit FC Wil, der seine erste Partie in Winterthur 2:1 gewonnen hat, ist der Gradmesser ziemlich hoch.

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