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FCA-Schmid: «Würden bis vor das Sportgericht gehen»

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FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid und Geschäftsführer Robert Kamer sprechen im az-Interview über die Konsequenzen der Millionenklage und weshalb sie die Beratungsfirma nicht verstehen können.

Herr Schmid, das Bundesgerichtsurteil steht fest: Der Verein FC Aarau 1902 muss der MTO 2,5 Millionen bezahlen. Was sind die Auswirkungen auf die FC Aarau AG und die Lizenzvergabe?

Alfred Schmid: Rein finanzielle Auswirkungen darf das keine haben, weil wir die Lizenzunterlagen nicht mehr konsolidiert eingegeben haben. Wir haben mit dem Verein FC Aarau 1902 nichts mehr zu tun. Wir sind ganz klar der Meinung, dass das Gerichtsurteil keine Folgen für uns haben wird. Wir würden das nicht verstehen, wenn die Liga uns Auflagen auferlegen würde, die negative Folgen für die FC Aarau AG hätten.

Herr Kamer, bereits vorgängig fiel der Entscheid des Obergerichts, dass der Verein 1,8 Millionen bezahlen müsse. Wurde dieser Entscheid bei der Lizenzeingabe beigelegt?

Robert Kamer: Das haben wir nicht beigelegt, weil wir uns auf den Standpunkt stellen, dass es nach den letzten Trennungen von den Geschäftsaktivitäten zwischen der AG und dem Verein nicht Gegenstand des Dossiers ist.

Aber in der Vergangenheit haben Sie das gemacht?

Kamer: Genau, bis und mit letztes Jahr, haben wir das so gemacht. Der Status vom letzten Jahr war noch das Urteil des Bezirksgerichts, das anders gelautet hat.

Schmid: Dort haben wir Recht bekommen.

Wieso wurden die Unterlagen jetzt nicht mehr konsolidiert eingegeben?

Kamer: Die letzten Mannschaften, bis U13 und U14, sind per 1. Juli 2010 in die FC Aarau AG übergetreten.

Hat man dieses Jahr auf die konsolidierte Eingabe auch deshalb verzichtet, weil man befürchtete, dass die Forderungen der MTO Konsequenzen haben könnten?

Kamer: Nein, als wir das gemacht haben, war der Stand noch das Bezirksgerichtsurteil, das ja zugunsten des Vereins ausgefallen war. Dort musste man noch nicht befürchten, dass das Urteil vor dem Bundesgericht in eine andere Richtung kippen könnte.

Schmid: Hauptgrund war, dass die guten Junioren von Grossklubs abgeworben wurden. Der Verein konnte diese nicht halten. In der FC Aarau AG haben wir damit begonnen, diese Talente unter Vertrag zu nehmen, damit sie kein «Freiwild» mehr sind. Bei vielen anderen Klubs ist das heute auch so, dass die Vereinsanhängsel alle in die AG integriert worden sind. Es ist die Zukunft des Fussballs, dass man nur noch eine Aktiengesellschaft hat – dies ist auch ein klarer Wunsch der Liga.

Das Lizenzhandbuch der Swiss Football League schreibt vor, dass der AG verbundene Dritte wie der vorangegangene Verein in den Lizenzantrag einbezogen werden müssten.

Kamer: Einerseits will ich festhalten, dass es sich um ein Handbuch und nicht um ein Reglement handelt. Aus juristischer Sicht ist ein Handbuch eine Empfehlung und kein von den zuständigen Organen zugelassenes Reglement. Andererseits kann man das wohl tatsächlich unterschiedlich interpretieren. Aus unserer Sicht ist es natürlich völlig unlogisch, wenn der Verein FC Aarau 1902 konsolidierungspflichtig sein soll, aber das Team Aargau ist es nicht. Das macht für uns überhaupt keinen Sinn.

Schmid: Alle Spieler des Team Aargau haben Verträge bei der FC Aarau AG. Trotzdem ist es eine separate Organisation, die bisher nie konsolidierungspflichtig war. Das war gar nie ein Thema. Und dann müsste uns natürlich auch jemand erklären, wie der Fall Rrustemaj mit der gegenteiligen Begründung gegen den FCAarau entschieden werden konnte. (Anm. d. Red: Der 4:0-Sieg des FC Aarau gegen St. Gallen aus dem Jahr 2006 wurde nachträglich in eine Forfaitniederlage umgewandelt, weil Aarau den Goalie Astrit Rrustemaj einsetzte, der beim Verein und nicht bei der AG lizenziert war.)

Ist denn das Reglement der Lizenzierung nicht klar genug?

Kamer: Die Auflagen sind sehr streng und der Prozess ist sehr anspruchsvoll. Das Reglement wird immer strenger. Da werden Standards verlangt, die denjenigen riesiger Konzerne entsprechen.

Falls die Lizenzkommission entscheidet, dass die Eingabe konsolidiert angesehen werden muss, gibt es dann eine Möglichkeit, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen?

Schmid: Falls uns die Konsolidierung auferlegt werden sollte, werden wir das gerichtlich anfechten.

Wie weit können Sie da gehen?

Kamer: Bis vor das Sportgericht CAS in Lausanne. Wir würden das bis zu dieser letzten Instanz ziehen.

Schmid: Wir werden uns vehement dagegen wehren und alle erdenklichen Mittel einsetzen.

Der Streitpunkt mit der MTO ist folgender: Handelt es sich um einen Kauf- oder um einen Darlehensvertrag?

Kamer: Dass von unserer Seite niemand mehr dabei ist, der damals schon dabei war, macht die ganze Sache natürlich sehr viel schwieriger.

Schmid: Der damalige Drahtzieher Peter Kappeler ist gestorben. Deshalb ist das für uns sehr schwierig. Die FC Aarau AG war zudem zu keiner Zeit in den Prozess mit der MTO involviert, sondern nur die Vereinsverantwortlichen. Der Gerichtsprozess ging komplett an uns vorbei. Wir gehen deshalb davon aus, dass uns die Auswirkungen des Urteils nicht betreffen.

Während Ihrer Amtszeit fiel der Bezirksgerichtsentscheid. Da hätte der Verein 302000 Franken bezahlen müssen. Denken Sie im Nachhinein, dass es geschickter gewesen wäre, damals eine Einigung zu erzielen?

Schmid: Das hätte gar keinen Sinn gemacht. Wenn wir einverstanden gewesen wären, hätte die MTO das Urteil weitergezogen.

Falls der Verein diese 2,5 Millionen tatsächlich bezahlen muss, ist er pleite.

Schmid: Ausser, es fände sich jemand, der diese 2,5 Millionen auf den Tisch legen würde und die MTO so zufriedenstellen würde.

Die AG kann nicht helfen?

Schmid: Wir haben unsere verfügbaren Mittel bis anhin immer in die Mannschaft gesteckt und sind damit gerade so über die Runden gekommen. Wir verfügen sicher nicht über die Reserven, um dem Verein unter die Arme greifen zu können.

Was hätte es für Konsequenzen, wenn der Verein Konkurs anmelden müsste?

Schmid: Das NLB-Damenteam würde aufgelöst und müsste in der Amateurliga neu starten. Was will diese MTO, den Verein ausbluten lassen? Einen Verein in den Ruin treiben, nur um den Prozess zu gewinnen?

Aber Sie würden wohl auch nicht freiwillig auf zwei Millionen Franken verzichten.

Schmid: Nein, aber ich würde darauf achten, wie der Vertrag definiert ist. Ob es sich um einen Kaufvertrag oder einen Darlehensvertrag handelt. Der verstorbene Peter Kappeler sah das ganz anders. Die MTO hat Glück, dass er nicht mehr lebt, sonst würde vieles anders laufen. Denn Kappeler soll noch auf dem Sterbebett gesagt haben, dass gegenüber der MTO keine Rückzahlungspflicht bestehe.

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