Fussball

FC-Zürichs Gilles Yapi: «Ich war nie in einem besseren Team»

Supertechniker: Mit seiner Ballsicherheit bringt der Yvorer Gilles Yapi Stabilität ins Mittelfeld des FC Zürich.freshfocus

Supertechniker: Mit seiner Ballsicherheit bringt der Yvorer Gilles Yapi Stabilität ins Mittelfeld des FC Zürich.freshfocus

Der 32-jährige Spielmacher Gilles Yapi ist überzeugt davon, dass der FC Zürich Meister werden kann. Wieso der Ivorer davon überzeugt ist, dass die Zürcher technisch die besten sind, aber was es sonst noch braucht für den 1. Platz.

Ein kurzer Abendspaziergang nur und Gilles Yapi wäre schon am Arbeitsplatz. Dort, wo heute Abend das erste Spitzenspiel dieser Super-League-Saison über den Rasen geht. Yapi und Familie wohnen lediglich einen Steinwurf vom St. Jakob-Park entfernt. Ein Erbe seiner Zeit beim FC Basel. Bei diesem hat er von 2010 bis 2013 gespielt und drei Mal die Meisterschaft und einmal den Cup gewonnen. «Ich habe viele Freunde und Kontakte in Basel», sagt Yapi. Über die Enttäuschung, dass sein Vertrag nicht verlängert worden war, möchte er nicht sprechen.

Seine Frau und die drei Kinder haben weiter in Muttenz gewohnt, als ihr Ehemann und Vater zuletzt während eines Jahres in Dubai jobte. Und nach dem Abstieg mit dem Dubai Cultural Sports Club die Vereinigten Arabischen Emirate ohne bleibende Erinnerungen verliess. «Es hatte kaum Zuschauer und das Niveau war schlechter als jenes in der Challenge League», sagt Yapi. Weil er von Anfang an das Ziel hatte, ab Sommer 2014 wieder in der Schweiz zu spielen, tat er alles, um seine Form nicht zu verlieren und trainierte mehr als seine Mitspieler. «Das Verrückte war, dass ich hintereinander drei Schweizer Trainer hatte», sagt Yapi. Zuerst Martin Rueda, dann Umberto Barberis und schliesslich Junior Dos Santos, ein Brasilianer mit Schweizer Pass. «Es ist schwierig, dort Trainer zu sein», sagt Yapi, «man hat keine Freiheiten.» Im Klartext: Der Scheich macht die Aufstellung.

Nun ist Yapi froh, wieder bei seinen Liebsten zu sein und eine neue Liebe gefunden zu haben: den FC Zürich. Zwei Wochen lang hatte er beim FC Aarau mittrainiert, zwei Testspiele gegen Schaffhausen und den FC Zürich bestritten – und dann beim FCZ unterschrieben. «Ich verstehe, dass die Aarauer und Trainer Sven Christ sehr enttäuscht darüber waren», sagt Yapi. «Aber als der FCZ anfragte, da konnte ich nicht Nein sagen.» 32 Jahre alt ist der Ivorer. Mit den Zürchern kann er nun noch einmal im Europacup und um den Titel spielen sowie etwas mehr verdienen als beim FC Aarau. Man glaubt ihm, wenn er sagt, es tue ihm leid für Christ, der so viel für ihn getan und die Chance gegeben habe, in den Schweizer Fussball zurückzukehren.

Und so spielt Yapi heute Abend statt mit Aarau in St. Gallen um einen Platz im Mittelfeld der Tabelle mit dem FCZ in Basel um die Ranglistenspitze. «Als Heimklub ist der FCB Favorit», sagt Yapi. «Aber wir rechnen uns dennoch Chancen aus, drei Punkte zu holen.» Das Rezept: «Solidarisch kämpfen und konzentriert bleiben.»

Dass der FCZ mit vier Siegen in die neue Saison startete, sei schön, sagt Yapi. «Wir dürfen jetzt bloss nicht arrogant werden.» Er weiss, dass der FCZ nach einem solchen Beginn im Sommer 2006 ein Jahr später erneut Meister wurde. «Das können wir wiederholen», schickt Yapi eine Kampfansage nach Basel. «Wir haben die Qualität dazu.» Um noch einen draufzusetzen: «Ich war in der Schweiz nie in einem besseren Team.» Aber, sagt Yapi, um den Titel zu holen, reiche es nicht, nur technisch die Besten zu sein. Wir brauchen einen tollen Teamgeist und das Glück, von weiteren Verletzungen verschont zu bleiben. Selber sieht er seine Rolle klar definiert. «Mit meiner Erfahrung muss ich der sehr offensiv eingestellten Mannschaft defensive Stabilität geben.»

Mit 18 Jahren Captain

Fast die Hälfte seines Lebens ist Yapi Profi gewesen. Nachdem er in der Akademie von Jean-Marc Guillou in Abidjan zusammen mit heutigen Superstars wie Yaya Touré, Gervinho, Boka und Romaric eine mehrjährige Ausbildung erhalten hatte, schaffte er den Sprung in die Equipe von ASEC Mimosas. Unter Trainer Michel Decastel wurde er beim Rekordmeister der Elfenbeinküste gar mit 18 Jahren Captain. Mit 19 ging er nach Belgien und war mittendrin in einer verrückten Geschichte. Weil Beveren einen Vertrag mit Guillou hatte und dieser jedes Jahr fünf Talente nach Flandern lieferte, kamen von 25 Kadermitgliedern deren 18 aus der Elfenbeinküste. «Einmal standen in einem Meisterschaftsspiel zehn Ivorer gemeinsam auf dem Platz», sagt Yapi. Das damalige Reglement erlaubte solches. «Anfangs waren die Leute skeptisch. Doch wir waren erfolgreich, kamen in den Cupfinal, spielten im Uefa-Cup und in der kleinen Stadt herrschte eine Superstimmung.»

Danach spielte Yapi in Nantes in Frankreich und wurde für die WM 2006 in Deutschland aufgeboten. Im Spiel der Elfenbeinküste gegen Holland kam er als Joker zum Einsatz. «Das war der schönste Moment meiner Karriere», sagt Yapi. Er unterschrieb danach für drei Jahre bei YB und begann, in der Schweiz Wurzeln zu schlagen. Diese sind inzwischen so tief, dass Yapi sich vorstellen kann, auch nach seiner Zeit als Fussballer hier zu leben.

Um dann Trainer zu werden? «Nein, eher nicht», sagt Yapi. «Ich möchte für Gott leben und für ihn arbeiten. Wenn ich spüre, dass er mich ruft, dann werde ich Pfarrer.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1