Meisterduell
FC Basel gegen den FC Zürich - oder das Spiel des Jahres

Heute Abend kommt es zum Duell FCZ gegen den FCB. Wer diese Partie gewinnt, könnte den Meisterschaftskampf für sich entscheiden. Lesen Sie hier, was den Ausschlag in diesem Duell geben wird.

Francois Schmid-Bechtel
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Torhüterduell

FC Zürich: Das Ziel sei erst erreicht, wenn Guatelli italienischer Nationalgoalie sei. Gesagt hat dies Präsident Ancillo Canepa. Davon ist Guatelli so weit entfernt wie der FC Entfelden vom Schweizer-Meister-Titel. Guatelli sitzt nur noch auf der Bank, weil er bei Hasslis Abschiedsparty den Zapfenstreich verpasste. Ein Schuft, wer vermutet, der Italiener habe den FCZ-Verantwortlichen in die Karten gespielt. Leoni erbte die Nummer 1. Ein Glücksfall. Denn Leoni spielt so stark wie in der Meistersaison 2008/09. Wohl auch, weil er seine Ausland-Pläne nicht ad acta gelegt hat. Gut möglich, dass der FCZ mit einer neuen Nummer 1 in die nächste Saison steigen wird. Ob diese David Da Costa (FC Thun) heissen wird, ist bis jetzt noch Spekulation.

FC Basel: Der FCB hat ein heikles Thema souverän gelöst. Da ist Costanzo, der mit Abstand teuerste, aber auch einer der besten drei Torhüter des Landes. Und da ist Sommer, das wohl grösste Schweizer Goalietalent seit Benaglio. Sommer, letzte Saison bei GC noch Stammkraft, hat die Rolle des Stellvertreters übernommen. Intern wurde schon letztes Jahr geregelt, dass der zum Saisonende auslaufende Vertrag mit Costanzo nicht verlängert würde und man künftig auf Sommer setzen werde. Ein cleverer Zug. So hat man den Argentinier bei Laune gehalten und ihm die Möglichkeit geboten, sich für einen neuen Arbeitgeber zu empfehlen. Und Sommer wurde die schöne Perspektive eröffnet, ab nächster Saison die Nummer 1 zu werden.

Fazit: FC Zürich 8 - FC Basel 9

Die Erfahrung

FC Zürich: Der FCZ hat zwar eine junge, aber keine unerfahrene Mannschaft. Und er verfügt mit Leoni, Béda, Texeira und Magnin insbesondere in der Defensive über viel Leadership. Natürlich fällt die Sperre gegen Captain Silvan Aegerter punkto Erfahrung ins Gewicht. Doch einer wie Oliver Buff, der wohl für Aegerter spielen wird, hat mit dem gewonnenen U17-WM-Final vor eineinhalb Jahren bereits eine erste Reifeprüfung abgelegt.

FC Basel: Keine Super-League-Mannschaft ist routinierter als die Bebbi. Costanzo, Huggel, Yapi, Frei, Streller - alles gestandene Männer, die schon viele solcher Spiele bestritten haben wie den heutigen Showdown. Kommt dazu, dass der Meister im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert wurde. Vor allem die Schaltzentrale mit Huggel und Yapi, den beiden Taktgebern, ist punkto Erfahrung gegenüber jener der Zürcher im Vorteil.

Fazit: FC Zürich 7 - FC Basel 9

Die Defensive

FC Zürich: Texeira und Béda bilden das beste Innenverteidiger-Duo der Liga. Linksverteidiger Magnin hat mit Ausnahme der Partie gegen St. Gallen eine anständige Rückrunde gespielt. Trotzdem muss man sich beim FCZ fragen, wie lange man den teuren Magnin dem aufstrebenden Rodriguez vorziehen will. Rechts hat Urs Fischer die Wahl zwischen Philippe Koch und Florian Stahel.

FC Basel: Die Achillesferse beim FCB. Meist reicht ein hoher Ball zwischen die beiden Innenverteidiger, um Basel in Verlegenheit zu bringen. Abraham ist zwar schnell, zweikampf- und spielstark. Doch er hat sich auch in der dritten Saison nicht als Abwehrchef etabliert. Sein junger Partner Dragovic ist ein Versprechen für die Zukunft, aber noch nicht mehr. Vielleicht spielt heute ja Beg Ferati, der gegen Bellinzona überzeugte. Mit Safari hat der FCB den stärksten Linksverteidiger der Liga. Rechts hat sich Steinhöfer als edler Kämpfer etabliert.

Fazit: FC Zürich 9 - FC Basel 7

Die Offensive

FC Zürich: Das Juwel Amine Chermiti (9 Tore in 1198 Minuten) sollte Trainer Fischer wieder zur Verfügung stehen. Doch der Tunesier ist nicht für die Startformation vorgesehen. Die Hoffnungen ruhen auf Admir Mehmedi und Alexandre Alphonse. Beide gelten zwar nicht als Skorer der gehobenen Klasse. Doch in der Hinterhand hat Fischer ja noch Chermiti und Nikci, der in den letzten sieben Partien drei Treffer geschossen hat.

FC Basel: Beim FCB ist das Spiel stark auf die Stürmer zugeschnitten. Die äusseren Mittelfeldspieler ziehen häufig in die Mitte, um selbst den Abschluss zu suchen oder den Aussenverteidigern Platz zu machen, die mit ihren Flanken Frei und Streller suchen. Frei ist das Nonplusultra. In diesem Jahr hat er in 13 Meisterschaftsspielen 12-mal getroffen. Streller hingegen scheint eine kleine Baisse durchzumachen. Vier Spiele lang hat er nicht mehr getroffen. Mit Chipperfield ist einer der wertvollsten Joker der Liga fraglich.

Fazit: FC Zürich 8 - FC Basel 9

Die Führung

FC Zürich: Urs Fischer wurde vor der Saison als einer jener Trainer gehandelt, die das Saisonende auf dem Sofa statt auf der Bank mitverfolgen werden. Doch Fischer hat sich etabliert. Fischer findet das Mittelmass zwischen Kumpel und Chef. Er ist einer dieser modernen Trainer, der sich als Mitglied eines Teams versteht und bereit ist, Kompetenzen abzugeben. Mit Bickel hat man einen Fuchs von einem Sportchef. Und mit Canepa einen Präsidenten, der nicht nur ein grosses Herz, sondern auch ein grosses Portemonnaie hat.

FC Basel: Ähnlich wie Fischer gilt Thorsten Fink teamfähig und steht den Spielern nahe. Während Fischer Meister werden darf, muss Fink Meister werden. Doch in der Vergangenheit hat er bewiesen, mit diesem Druck umgehen zu können. Nach aussen wirkt das Management des FCB (mit Ausnahme von Präsidentin Gigi Oeri) nicht ganz so emotional wie jenes des FCZ. Doch Fach- und Sozialkompetenz von Sportkoordinator Heitz und Vizepräsident Heusler sind unbestritten.

Fazit: FC Zürich 10 - FC Basel 10

Der Druck

FC Zürich: Nie war der Titelgewinn wertvoller als in dieser Saison. Denn erstmals ist der Meister direkt für die Champions League qualifiziert. Das garantiert Einnahmen von mindestens 20 bis 25 Millionen Franken. Der FCZ hat nach der letzten Teilnahme einen Nettogewinn von 7 Millionen ausgewiesen. Mit diesem Gewinn könnte man das Loch in der Kasse stopfen, das entstanden ist, weil man in dieser Saison europäisch nicht vertreten war. Trotzdem ist der Druck nicht so hoch wie in Basel.

FC Basel: Der Ligakrösus muss allein seines Status wegen in jeder Saison einen Titel holen. So zumindest lautet die Vorgabe. Der FCB hat in der Rechnung einen Aufwand von 56,9 Millionen Franken und einen Gewinn von 223 000 Franken ausgewiesen. Notabene inklusive Champions-League-Einnahmen. In der Vergangenheit war es jeweils so, dass Präsidentin Gigi Oeri das Loch gestopft hatte, das durch das Verpassen der Champions League entstanden ist. Für den FCB ist der Meistertitel auch aus einem anderen Grund Pflicht. Die Teilnahme in der Königsklasse ist ein wichtiges Argument bei Vertragsverhandlungen mit neuen oder bestehenden Spielern, die im Ausland begehrt sind.

Fazit: FC Zürich 8 - FC Basel 7

Der Marktwert

FC Zürich: Das Budget des FC Zürich beträgt nur etwa die Hälfte jenes des FC Basel. Entsprechend tiefer ist auch der Marktwert der Spieler. Dieser beträgt gemäss www.transfermarkt.ch 26,5 Millionen Franken. Wertvollster Spieler ist Stürmer Chermiti mit einem Marktwert von 3,1 Millionen. Doch für diesen Preis wird ihn Canepa bestimmt nie verkaufen.

FC Basel: 19 Spiele sind die Basler gegen die Zürcher mittlerweile ungeschlagen. Diese eindrückliche Bilanz macht Mut. Vorteile haben die Basler auch punkto Marktwert. Das Online-Portal von Transfermarkt schätzt das Team der Bebbi auf 49 Millionen Franken. Wertvollster Spieler ist Xherdan Shaqiri mit 9,3 Millionen Franken.

Fazit: FC Zürich 7 - FC Basel 9