Die holländische Fussball-Nationalmannschaft spielt am Sonntagabend zu Hause gegen Lettland in der EM-Qualifikation. Die Oranjes lassen ihrem Widersacher aus Osteuropa keine Chance und zerpflücken ihn gleich mit 6:0. 

Wirkliche Party-Stimmung kommt in der Amsterdam Arena nach dem Kantersieg aber nicht auf. Denn die holländische Mannschaft ist alles andere als in Feierlaune: Die Mannschaft wird nämlich von einem Rassismus-Skandal durchgeschüttelt.

Ein harmloses Selfie, erschreckende Reaktionen

Am Tag vor dem Spiel schiesst Leroy Fer, Mittelfeldspieler der Queens Park Rangers und der holländischen Nationalmannschaft, von sich und seinen holländischen Teamkollegen ein Selfie und stellt es kurz darauf via Facebook und Instagram ins Internet.

Es dauert nicht lange und in den Kommentarspalten häufen sich bereits haufenweise rassistische Äusserungen. Einigen Usern passt es nicht, dass auf dem Selfie lediglich Spieler mit dunkler Hautfarbe zu sehen sind.

Rassismus-Skandal in Holland

Die Kommentare der Facebook-User sind erschreckend und reichen von «FC Affe» über «Bananen shake» bis hin zu «Von den Ketten befreit und dann bekommt man das». Häufig werden die Spieler auch als «Zwarte Pieten» bezeichnet.

Die «Zwarte Pieten» sind in Holland ungefähr das, was bei uns die «Schmutzlis» sind. Sie helfen in Holland nicht dem «Samichlaus», sondern dem «Sinterklaas». Traditionellerweise bemalen sie ihre Haut ganz schwarz und heben ihre Lippen durch einen markanten, roten Lippenstift hervor.

Während die einen Facebook-User Leroy Fer und seine Kumpels auf dem Selfie als «9 Zwarte Pieten» oder als «Fussballpieten» bezeichnen, hält ein anderer fest: «Beinahe fünfter Dezember, dann kommen sie überall zum Vorschein.» Ein Weiterer fragt: «Wo ist der Mann mit der Bischofsmütze?»

Nationalspieler Leroy Fer ist ob diesen Reaktionen tief verletzt und hält gegenüber RTL fest: «Das tut mir unglaublich weh. Das kann so nicht mehr weitergehen.» Nach der Partie Holland gegen Lettland nimmt im holländischen Fernsehen auch Mannschafts-Captain Robin van Persie Stellung zu den Vorkommnissen.

«Ich bin sehr traurig darüber. Wir leben im Jahr 2014. Dass solche Menschen überhaupt noch einen Freibrief bekommen, um solch skurrile Sachen zu platzieren», so der holländische Stürmer enttäuscht. Was mit den Verantwortlichen geschehen soll, ist für Van Persie klar: «Es ist schon so oft passiert, aber es geschieht immer wieder. Man muss die Personen jetzt juristisch zur Rechenschaft ziehen, damit so etwas nie mehr geschieht.»

Werden die «Zwarte Pieten» abgeschafft?

Wie von Robin van Persie gewünscht, wird von der Staatsanwaltschaft nun überprüft, ob die Verfasser der Kommentare rechtlich belangt werden können. Wann es darauf eine Antwort geben wird, ist noch offen. Klar ist indes, dass die Diskussion rund um die Abschaffung der «Zwarte Pieten» neu aufflammen wird. 

Bereits letztes Jahr fanden rund um dieses Thema heftig und emotional geführte Debatten statt, als eine jamaikanische Professorin im Auftrag des UNHCHR (hohes Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte) meinte, der «Zwarte Piet» müsse abgeschafft werden. 

Der «Zwarte Piet» halte ein Stereotyp aufrecht, das Menschen mit dunkler Hautfarbe als zweitklassigen Bürger darstelle und Rassismus wecke, so die Professorin. Der rechtspopulistische Politiker Geert Wilders meinte darauf via Twitter: «Ich schlage vor wir behalten den «Zwarte Piet» und schaffen die Vereinten Nationen ab.»

Aussagen wie jene von Geert Wilders verkennen die Realität und rauben der Debatte die gebotene Ernsthaftigkeit: Das Thema Fremdenhass ist in Holland nach wie vor ein virulentes Problem und darf nicht unter den Teppich gewischt werden. Auch nicht mit der Rute des «Zwarte Piets».

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