Der Blick von Valentin Stocker verrät grösste Zufriedenheit. Er steht am Flughafen von Oslo. Direkt vor einem Fast-Food-Corner. Direkt neben Fabian Schär. Und dann sagt Stocker: «Schaut her, wegen euren Fragen kann Schär die verdiente Pizza gar nicht mehr kaufen.» Stocker lacht.

Der Neid der Stürmer

Fabian Schär erlebt aufregende Tage derzeit. Sein Aufstieg im Schnelldurchlauf geht so: Wechsel von Wil zu Basel. Sofort Stammspieler unter Murat Yakin. Europa-League-Halbfinalist. Erstes Länderspiel im August gegen Brasilien. Alles innert zehn Monaten. Verrückter? Nicht möglich!

Es geht! Nach dem ersten Länderspiel das erste Pflicht-Länderspiel gegen Island. Ein erstes Tor im Schweizer Dress. Erste Glanzlichter als Meister des punktgenauen, langen Balls. Erste Nervosität, ein unnötiges Gegentor. Mittendrin im späten Kollaps vom 4:1 zum 4:4. Noch aufregender? Wirklich nicht!

Es geht! Erster Gegenwind in der Presse. Gespräche mit Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. Erstes Länderspiel auswärts. Erstes Kopftor! Wieder ein schlimmer Ballverlust. Zweites Kopftor! Matchwinner. Die Nati-Bilanz: Drei Treffer in 225 Minuten. «Als Stürmer könnte man neidisch werden», sagt Stocker.

Vom TV-Zuschauer zum Titular

Zurück in Zürich findet der Interview-Marathon für Schär auch dann noch kein Ende, als seine Kollegen Stocker und Torhüter Sommer längst bereit für die Rückfahrt wären. Immer wieder muss sich der Doppel-Torschütze vom Dienstag erklären.

«Noch vor nicht allzu langer Zeit», so erzählt er, «fieberte ich mit der Schweiz vor dem Fernseher mit.» Dazu wird es in Zukunft gewiss nicht mehr kommen – es sei denn, Schär sei einmal verletzt. Seine Spielweise ist eine Bereicherung. Schär erinnert an Murat Yakin und Patrick Müller, die beiden kreativsten Schweizer Innenverteidiger des letzten Jahrzehnts.

Was passiert mit Djourou?

Schärs Partner der letzten beiden Spiele, Steve von Bergen, lobt: «Die Schweiz wird noch viel Freude an Fabian haben.» Sollte Johan Djourou nun bei Hamburg nach seiner Verletzung einen Stammplatz besetzen, könnte es im Hinblick auf die WM zu einem interessanten Dreikampf kommen.

Roger Bigger ist Präsident des FC Wil. Er erinnert sich, wie er vor gut einem Jahr ein Testspiel des Schweizer Olympiateams gegen Senegal besuchte. Schär wurde eingewechselt. Bigger sagte zu seinen Kollegen: «In einem Jahr spielt er im A-Nationalteam.» Sie antworteten: «Du spinnst doch!»

Jetzt ist es Tatsache. Und die Spuren, die Schär bereits hinterlässt, sind beträchtlich. Dass sein Spiel noch nicht perfekt ist, ist nichts als normal für einen 21-Jährigen. «Er darf noch Fehler machen», sagt Hitzfeld. Sagt Bigger. Sagt von Bergen. Sagt auch Stocker.

Die Champions League vor Augen

Als sich Fabian Schär zum Schluss verabschiedet, blickt er bereits wieder voraus. Es wartet in der nächsten Woche das Spiel in der Champions League bei Chelsea. «José Mourinho ist einer meiner Lieblingstrainer. Ich mag die Art, wie seine Mannschaften Fussball spielen. Und freue mich, gegen ihn anzutreten.»

Und wie es wird? Das weiss niemand. Nur eines ist klar: Aufregender als das Spiel in Norwegen? Garantiert nicht!