Fabian Frei, im Sommer wollten Sie sich noch in der Bundesliga beweisen, jetzt sind sie zurück zum FC Basel gekommen. Was hat sich geändert?

Fabian Frei: Im Sommer kam in Mainz ein neuer Trainer, und ein neuer Trainer ist immer auch eine neuen Chance und ein Neustart. Ich wollte mir das anschauen. Jetzt hatte ich ein gutes halbes Jahr, habe mich super mit ihm verstanden.

Wieso sind Sie denn gegangen?

Ich hatte einfach das Gefühl, dass es nach meinem ersten Tor ein guter Moment war, aufzuhören (lacht). Spass bei Seite. Es wäre auch im Sommer okay für mich gewesen, zurückzukommen. Aber ich hatte den Gedanken, noch einmal anzugreifen. Klar war, dass ich in einem Alter zurückkommen möchte, in dem ich noch auf gutem Niveau Fussball spielen kann, und nicht nur, um die Karriere ausklingen zu lassen. Mit 29 kann mir niemand vorwerfen, zu alt oder nicht fit genug zu sein.

Also war ein Abenteuer in einer anderen Liga nie ein Thema?

Natürlich gibt es immer Momente, in denen du denkst: Das wär noch cool. Beispielsweise wenn du englischen Fussball am Fernsehen schaust. Aber du kannst nicht alles haben. Mit Basel und Mainz hatte ich zwei Vereine, die super zu mir gepasst haben und wo ich mich absolut wohl gefühlt habe. Und ich wusste immer, was ich an den jeweiligen Orten habe und habe dies auch immer sehr geschätzt. Bei Mainz habe ich einfach die Champions-League-Spiele mit dem FCB vermisst.

Wann hat sich bei Ihnen bemerkbar gemacht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist?

Da gibt es nicht nur einen Moment, das war ein Prozess. Ende November oder Anfang Dezember hatte ich dieses Gefühl langsam. Dann habe ich mit meiner Frau geredet und wusste schon, dass sie sehr glücklich wäre, wieder in die Schweiz zurück zu kehren, weil sie alle Freunde hier hat. Und auch für unsere Tochter ist es besser, die Grosseltern nur eine halbe Stunde und nicht vier Stunden weit weg zu haben. Deshalb war es am Ende eine klare Entscheidung für uns.

Wann wurde das Thema zwischen Ihnen und Marco Streller erstmals ernsthaft besprochen?

Witze haben wir ja immer wieder gemacht, in jeder Transferperiode. Er hat auch des Öfteren vorgefühlt. Dass ich im Sommer noch nicht kommen wollte, hat er absolut verstanden und akzeptiert.

Ist der Wechsel ein Schritt nach vorne für Sie?

Es ist so: Als ich damals zu Mainz gegangen bin, haben mich durchaus Leute gefragt, wieso ich von einem Champions-League-Verein zu Mainz wechsle. Aber man spielt nicht nur Champions League, sondern auch eine Meisterschaft. Und, ohne der Super League zu nahe treten zu wollen, die Bundesliga ist vom Erlebnis und der Qualität her schon etwas anderes.

Und man spielt nicht vier Mal gegen dasselbe Team …

… dass ich solche Sachen vor meinem Abgang zu Mainz gesagt habe, bereue ich, weil alles auf einen zurückkommt. Aber es ist die Wahrheit. Ich fände es super, hätte es in der Super League 18 Teams, die guten Fussball spielen können.

Denken Sie denn nicht, dass Ihnen das Erlebnis Bundesliga fehlen wird?

Was heisst fehlen? Wenn ich zusehe, wie Mainz in Dortmund spielt, dann denke ich wahrscheinlich schon: Da wär ich jetzt auch gerne. Meine Ex-Teamkollegen schauen dann dafür am Fernseher zu, wenn ich Champions League spiele, und denken wohl, dass ich alles richtig gemacht habe. Es wird sicher Momente des Vermissens geben, aber bereuen werde ich die Entscheidung nie.

Also freuen Sie sich am meisten auf die Königsklasse?

(überlegt lange) Ich freue mich allgemein auf diese Rückrunde. Ich will im Sommer wieder auf den Barfi, ganz einfach. Ich weiss, dass wir viel Arbeit vor uns haben weil YB einen guten Job gemacht hat. Und ganz allgemein freue ich mich, wieder im Joggeli zu spielen und mit den alten Kollegen wieder Spass auf dem Platz zu haben.

Hat sich viel geändert in Basel?

Ich habe nicht das Gefühl, dass sich grundlegend etwas geändert hat. Trotz des grossen Umbruchs im Sommer. Aber Pipi (Marco Streller, Anm. d. Red.)) ist von der Philosophie her  und im Umgang mit Menschen nicht gross anders als Bernhard (Heusler) oder Gege (Heitz). Es ist nach wie vor eine relativ grosse Familie, bei der alles ehr professionell abläuft, der Mensch jedoch im Vordergrund steht. Unter solchen Bedingungen spiele ich auch besseren Fussball das war auch in Mainz so. Dahingehend sind sich die beiden Vereine relativ ähnlich. Ich weiss nicht, ob ich mich bei jedem anderen Bundesligisten so schnell so gut eingewöhnt hätte.

Was ist das wichtigste Learning, das so von Ihrer Mainzer Zeit mitnehmen?

Ich musste mich an die deutsche Mentalität gewöhnen. Da ist alles etwas, ich will nicht sagen verbissener, aber in diese Richtung. Jeder rennt und kämpft etwas mehr als hier. Man muss immer ans Limit, sonst reicht es nicht. Das habe ich gelernt und das hat mich fussballerisch weiter gebracht.

Würden Sie sagen, Sie haben es in Mainz geschafft, sich durchzusetzen?

Natürlich hätte es besser laufen können. Aber wenn einer schreibt, ich hätte mich nicht durchgesetzt, dann frage ich mich: Was hast du denn erwartet? Dass wir mit Mainz Meister werden? Dass ich Torschützenkönig werde in der Bundesliga? Ich war zweieinhalb Jahre da und habe trotz Verletzungen, die mich ein halbes Jahr gekostet haben, über 60 Pflichtspiele gemacht. Das ist ein Zeichen, dass  beide Trainer auf mich gesetzt haben und mich gut genug fanden.

Fabian Frei für Mainz im Einsatz.

Fabian Frei für Mainz im Einsatz.

Sie haben also Ihre Erwartungen erfüllt?

Im Grossen und Ganzen ja. Jeder will fünf, sechs Spiele mehr machen. Auch das Tor hätte früher kommen können. Aber ich habe eine tolle Zeit erlebt, viele neue, tolle Menschen kennengelernt. Das hat für mich Priorität. Nicht, ob wir jetzt Sechster, Achter oder Zehnter wurden. Das ist doch am Ende egal. Im heutigen Fussball wird man zwar immer an Punkten und Statistiken gemessen, aber ich ticke das etwas anders. Ich bin ein Mensch und irgendwann ist meine Karriere fertig. Wenn ich dann 20 neue Freunde habe aus meiner Zeit im Fussball, ist das doch wunderbar. Wie viele Punkte ich geholt habe, weiss ich in fünf Jahren nicht mehr. Andere wollen das Maximum an Prämien raus holen, ich habe aber andere Werte.

Hätten Sie sich ohne ein Tor unvollendet gefühlt?

Ja, das ist so. Es stimmt, dass mich das echt genervt hat, dass da eine Null war. Mit einem Tor ist es einfach angenehmer. Und in seiner letzten Aktion in der Bundesliga ein Tor zu schiessen, das hat noch selten einer gemacht.

Wussten Sie da schon, dass es Ihre letzte Aktion sein wird?

Ich wusste, dass es möglich ist, aber definitiv war es da noch nicht. Mit Pipi hatte ich schon geredet aber ich wusste nicht wie bereit Mainz ist. Es hätte sein können, dass sie sagen sie brauchen mich. Das haben sie zwar auch gesagt, aber sie haben mich auch verstanden.

In Basel kommen Sie in ein Team, das funktioniert und dem es sportlich läuft. Wo sehen Sie Ihre Rolle? Im Winter zu einem Team zu stossen, ist bekanntlich auch nicht ganz einfach.

Sportlich kann ich überall spielen. Auch im Tor, wenn auch nicht gut (lacht). Nein im Ernst: Ich lasse es auf mich zukommen. Ich habe mit Raphi (Wicky) geredet und weiss genau, was er von mir erwartet, egal, ob auf der Sechs, der Acht oder der Zehn. Ich will das tun, was ich gut kann. Ich will der Mannschaft helfen, viele Bälle haben, eine hohe Passquote und zwischendurch ein Tor erzielen. Auf welcher Position ist mir egal. Das ist am Ende sowieso nur Kreuz auf einem Stück Papier.

Ist das wirklich so?

Ja. Schlussendlich kannst du einem Serey Die nicht sagen, dass er auf der Sechs bleiben soll. Der rennt einfach umher. Und genau so wenig kann man von mir erwarten, dass ich auf dem ganzen Platz das Pressing auslöse. Mein Spielstil ändert sich nicht, wenn ich nun etwas offensiver oder defensiver spiele. Ich will einfach auf dem Platz sein. Wo auch immer.

Und das am liebsten in jedem Spiel.

Absolut. Ich habe auch das Gefühl, dass ich besser werde, je mehr Spiele ich mache. Ich bin nicht der, der ein Wochenende Pause braucht, das bringt mich aus dem Rhythmus. Ich stehe am liebsten jeden dritten Tag auf dem Platz.

Wo sehen Sie sich neben dem Platz?

Ich will ein Leader sein. Das sage ich nicht nur, sondern ich will wirklich vorne weg laufen. Ich will den Jungen zeigen, was man erreichen kann, wenn man hart arbeitet, diszipliniert und stets freundlich ist. Spass gehört natürlich auch immer dazu. Wo ich mich dann genau einfinde, wie schwer oder einfach das wird, werden wir sehen. Ich glaube aber, ohne mich zu etwas Besonderem zu machen, dass ich nicht der allerschwierigste Typ und einfach zu integrieren bin. Ich kann mich auch gut unterordnen. Ich war früher einfach froh, mit Pipi und Beni (Huggel) zwei zu haben, zu denen ich immer gehen konnte und die es gut mir meinten. So will ich auch sein.

Ist das der Unterschied zum Fabian, der vor zweieinhalb Jahren gegangen ist?

Auch ja. Vorher war ich der Fabi, der fast immer in Basel gewesen ist und dort einen guten Job gemacht hat. Jetzt bin ich der, der in der Bundesliga gespielt hat, Erfahrungen aufweisen kann und dort bestanden hat. Daher glaube ich schon auch, dass dies den Jungen einen anderen Eindruck vermittelt als vorher.

Fabian Frei konnte viele Erfahrungen sammeln.

Fabian Frei konnte viele Erfahrungen sammeln.

Begegnen Ihnen die Leute jetzt schon anders?

Respekt war sowieso immer da. Aber ich habe schon das Gefühl, dass mein Gesicht bekannter geworden ist. Auch beim Anschauen von Wohnungen ist mir das aufgefallen. Vielleicht ändert sich das jetzt alles, wenn Vali (Stocker) kommt. Das wäre mir noch so recht.

Haben Sie ihm das gesagt?

Natürlich! Er weiss das aber auch. Ich bin dann schon der ältere Transfer und er im Fokus.

Wussten Sie wirklich nicht, dass er ebenfalls in diesem Winter zurück kommt?

Was heisst nicht gewusst? Ich wusste zum Zeitpunkt meines Transfers einfach nicht, wie weit es bei ihm schon fortgeschritten war. Als ich unterschrieben habe hatte ich keine Kenntnis davon, dass er mit Pipi auch schon darüber geredet hat. Total überrascht hat es mich aber dennoch nicht. Dass es jetzt so ist freut mich sehr, weil wir uns immer super verstanden haben, er mein Trauzeuge war und er auch gut kicken kann.

Im Jassen ist er auch begabt, er war jahrelang ihr Partner. Auf was freuen Sie sich mehr: Auf das Fussball spielen oder das Jassen mit ihm?

Auf das Fussball spielen, auf jeden Fall. Es ist Ewigkeiten her seit dem letzten Mal. In der Nati haben wir uns immer verfehlt.

Auch wenn er der neuere Zugang ist, werden auch Ihre Leistungen unter die Lupe genommen werden. Wie viel Eingewöhnungszeit geben Sie sich?

Es muss von der ersten Sekunde im ersten Spiel an klappen. Sonst nerve ich mich.

Ist das nicht auch ein riesiger Druck, den Sie sich da machen?

Ich finde einfach, dass es das Ziel sein muss. Eine Eingewöhnungszeit zu brauchen ist eine Ausrede. Das will ich nicht. Für was brauchst du die? Du spielst ja Fussball. Und wenn ich dann schlecht spiele, sage ich das auch. Ich habe genügend Selbstvertrauen, um mich nicht mit einer Ausrede schützen zu müssen.

Haben Sie Angst, dass Ihre Rückkehr kein Erfolg wird? Es gibt ja diverse Beispiele, bei denen es so war.

Es gibt aber mehr positive als negative Beispiele. Sicher mache ich mir Gedanken. Bedenken aber habe ich nicht.

Wie gehen Sie mit Kritik um, sollte diese, wie es in Basel schnell passiert, aufkommen?

Wenn sie konstruktiv ist, habe ich kein Problem damit. Ich kritisiere andere ja auch wenn sie Fussball spielen. Und ich weiss auch, dass ich alles andere als fehlerlos bin. Aber man wird mir nie vorwerfen können, dass ich nicht alles gebe. Ich werde nie einen Fehlpass mit Absicht spielen. Da habe ich manchmal das Gefühl, dass das Verständnis fehlt, wenn dann sofort ein Raunen durchs Stadion geht. Wir sind aber alles Menschen. Und auch mit uns muss man manchmal ein bisschen geduldig sein.

Wie viel Geduld haben Sie denn?

Mit mir selber weniger als mit anderen. Ich gebe jedem Menschen gerne eine zweite oder dritte Chance. Meine Frau sagt manchmal, das müsste ich nicht. Daher ist es auch so: Wenn du es dir mit mir versaut hast, dann hast du echt etwas ganz Dummes gemacht.

Wann nerven Sie sich ab sich selbst?

Das kann nach dem ersten Fehlpass sein, aber auch erst nach dem fünften. Ich bin aber auch einfach ein Typ, der Probleme sieht, wo keine sind. Das nervt mich fast am meisten. Vor allem neben dem Platz. Wenn mir einer beispielsweise am Morgen in der Kabine die Hand nicht gibt, habe ich das Gefühl, er hätte ein Problem mit mir. Ich achte mich einfach extrem auf solche Dinge und mache mir viel zu viele Gedanken. Auch wenn einer seinen Teller nicht fertig isst, nervt mich das. Dann hol eben zwei Mal an einem Buffet statt die Hälfte liegen zu lassen. Und wenn ich nicht fertig esse, nervt es mich genauso.

Gestern Abend sind Marco Streller und Valentin Stocker im Trainingslager angekommen. Wie gut ist es eigentlich, wenn der Sportchef einer der besten Freunde ist?

Das sehen wir dann (lacht). Ich bin als 18-Jähriger in die erste Mannschaft gekommen und er ist damals mit 27 zurückgekommen. Ich hatte damals so viel Respekt vor ihm, als ich ihn kennenlernte. Als er aufgehört hat, hatte ich ebenso viel Respekt vor ihm. Und den habe ich auch jetzt noch. Daran ändert sich nichts. Er hat so viel für mich getan, das habe ich immer im Hinterkopf.  Er hat mich zum Beispiel sofort in die Jassgruppe aufgenommen. Natürlich ist es so, dass ich ihm eher mal einen Spruch reindrücke als ein anderer Spieler. Er macht dasselbe bei mir. Aber nur weil er mein Freund ist, verdiene ich jetzt nicht mehr oder so. Er ist mein Vorgesetzter und fertig. Mit Muri (Yakin) habe ich mich auch gut verstanden und er war mein Trainer. Ich bin nicht der Meinung, dass man daraus Profit schlagen sollte.

Die wichtigste Frage ist noch offen. Wer gewinnt das erste Jassduell? Team Stocker/Frei oder Team Streller und Partner?

(lacht) Ich weiss nicht, wer Pipis Partner sein wird. Aber ich würde schon sehr viel Geld auf Vali und mich wetten!