Fussball

Ex-YB-Star Lulic: In Rom heissen die Babys jetzt so wie ich

Dreamteam mit Schweizer Vergangenheit: Vladimir Petkovic (l.) und Senad Lulic sorgen in Rom für Furore.key

Dreamteam mit Schweizer Vergangenheit: Vladimir Petkovic (l.) und Senad Lulic sorgen in Rom für Furore.key

Der ehemalige YB-Spieler Senad Lulic hat bei Lazio Rom sein Glück gefunden. Hier zählt er zu den Leistungsträgern. Das Siegtor im Cupfinal machte Lulic zum Helden. Mit FOlgen: Neugeborene Jungenin Rom werden oft Senad getauft

Klar wäre er gerne einmal an einem grossen Fussball-Turnier dabei. Und klar würde er gerne einmal Meister oder Cupsieger werden – oder beides, mit Lazio Rom, seinem aktuellen Klub. Das sagte Senad Lulic im letzten Sommer. Zwölf Monate später hat sich einer der Träume erfüllt. Am 26. Mai gewann Lazio den italienischen Cupfinal und liess so eine verpfuschte Meisterschaft vergessen. Dass der 1:0-Sieg ausgerechnet gegen den Stadtrivalen AS Roma zustande kam, freute die Lazio-Anhängerschaft doppelt. Und Lulic wurde zum meistgefeierten Akteur: Er war es, der auf dem Weg zu seinem ersten persönlichen Titel in der 71. Minute den Siegestreffer gleich selbst markierte.

Ein grosser Augenblick für den Mann, der das Fussball-Abc in Chur erlernt hatte. In die Bündner Kantonshauptstadt war er mit seinen Eltern 1998 aus dem ehemaligen Jugoslawien gekommen. Klein Lulic schloss sich Chur 97 an und schaffte mit erst 17 Jahren den Sprung ins 1.-Liga-Team. Da begann der rasante Aufstieg: 2006 wechselte Lulic in die Challenge League zu Bellinzona, dann in die Super League zu GC (zwei Jahre) und YB (ein Jahr).

Während seiner Zeit in Zürich wurde Lulic in die Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina berufen. «Ich hatte damals nicht die Qual der Wahl. Das Schweizer Nationalteam war kein Thema, weil ich den roten Pass erst erhielt, als ich bei YB war», sagt Lulic. Schliesslich klopfte Lazio Rom an, und auch in der italienischen Serie A fasste der inzwischen 27-Jährige schnell Fuss. Lulic zählt zu den Leistungsträgern im Team von Vladimir Petkovic, unter dem er schon bei Bellinzona und den Young Boys gespielt hatte.

Das Siegtor im Cupfinal machte Lulic zum Helden. «Das Spiel war an einem Sonntag», erzählt Lulic. «Als ich am nächsten Morgen das Fenster meiner Wohnung öffnete, standen unten vor dem Haus viele Lazio-Anhänger.» Lulic ging runter, und einige Fans küssten jenen Fuss, mit dem der bosnisch-schweizerische Doppelbürger wenige Stunden zuvor den Siegestreffer erzielt hatte. «Vielleicht dauert es Wochen, bis ich die Bedeutung dieses Treffers wirklich realisiere. Vielleicht Monate. Vielleicht Jahre», so Lulic. «Viele Menschen weinten vor Glück. Und nun erhalten sogar Neugeborene meinen Namen.»

Mit Bosnien nach Brasilien

Einige Ferientage verbrachte Lulic wie im letzten Jahr in Chur – in jener Stadt, in der er aufgewachsen ist. «Ich fühle mich hier immer noch sehr wohl», sagt er. Hier lebt seine Familie, hier hat er viele Freunde und Kollegen. Im nächsten Sommer fallen die Chur-Ferien aber möglicherweise aus. Denn als noch ungeschlagener Leader der Ausscheidungsgruppe G hat Bosnien-Herzegowina gute Chancen, sich für die WM-Endrunde 2014 in Brasilien zu qualifizieren, nachdem die Mannschaft in der letzten EM- und WM-Qualifikation jeweils in der Barrage scheiterte. Damit würde sich nach dem Cuperfolg Lulics zweiter Wunsch – die Teilnahme an einem grossen Turnier – erfüllen. Für die Fans jedenfalls ist die erstmalige WM-Teilnahme ihres Landes beschlossene Sache. Lulic: «Es ist verrückt. Viele Bosnier buchen in Brasilien schon Hotelzimmer.»

Anders Lulic: Er würde nie etwas erzwingen wollen. Es geschehe ohnehin, wie es geschehen müsse, meint er. «Hätte ich die Karriere geplant, hätte es bestimmt nicht geklappt.» Bevor er auf den Sport setzte, schloss er die Lehre als Automonteur erfolgreich ab. Er wollte es so. Den Wechsel ins Ausland tätigte er erst, als er sich dafür nach drei Super-League-Saisons reif genug fühlte. Das war vor zwei Jahren. 60 Serie-A- und sieben Cup-Partien sowie 21 Spiele in der Europa League hat der auf verschiedenen Positionen einsetzbare Lulic für Lazio bisher bestritten. Wenn er fehlte, dann wegen einer Verletzung oder Sperre.

Logisch, dass Lulic noch weitere Träume hat. «Warum sollten wir nicht einmal Meister werden?», fragt er. «Wir haben eine gute Mannschaft.» Bis 30. Juni 2017 steht Lulic bei Lazio unter Vertrag. Dass plötzlich ein noch grösserer Klub Lulic verpflichten will, ist aber nicht auszuschliessen. «In diesem Geschäft weiss man nie», sagt Lulic.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1