Fussball

Ex-FCB-Spieler Cedric Itten und sein Knie aus Glas

Am 23. September riss sich Cedric Itten nach eniem Foul von Fabio Daprelà sein Kreuz- und Innenband.

Am 23. September riss sich Cedric Itten nach eniem Foul von Fabio Daprelà sein Kreuz- und Innenband.

St.-Gallen-Spieler Cedric Itten kann im Duell gegen seinen Jugendverein FC Basel nur zuschauen. So kämpft er sich nach seiner schweren Verletzung zurück.

Cedric Itten steht im Bauch des Joggeli. Er strahlt. Die ganze Aufmerksamkeit gehört ihm. Dem Basler im Dress des FC St. Gallen, der mit seinen beiden Toren eben seinen Ex-Klub, den FCB, abgeschossen hat. Jenen Klub, bei dem er die Nachwuchsstufen erfolgreich durchlaufen, bei den Profis aber nie einen Stammplatz erobern konnte. Der Klub, der ihn in vergangene Saison erst kurzfristig aus Luzern zurückgeholt hat, um ihn vier Monate später nach St. Gallen abzugeben, weil man plötzlich doch keine Verwendung mehr für ihn hatte.

Fast genau ein Jahr ist es her seit seinem Doppelpack am 17. Februar 2018. Es war ein Jahr, das für den 22-jährigen so intensiv und turbulent war wie noch keines zuvor. Am 23. September reisst er sich nach einem brutalen Foul von Fabio Daprelà das Kreuz- und das Innenband.

Keine Lust auf Risiko

Wenn sein FC St. Gallen also am Samstag in Basel gastiert, kann
Itten nur zuschauen. «Die Spiele so zu verfolgen ist nicht einfach. Ich will unbedingt wieder spielen», sagt er, als wir ihn am Telefon erreichen. Itten geht es mittlerweile wieder sehr gut. Seine Reha verläuft besser als erwartet, er ist seinem Plan gar voraus. Abgesehen von Vollsprints, Volleys und Richtungswechseln kann er viereinhalb Monate nach seiner Verletzung fast alles wieder machen. «Ich könnte es gar riskieren, jetzt schon ins Mannschaftstraining einzusteigen.» Es ist ein Risiko, das er aber trotz aller Sehnsucht nicht eingehen will, «weil es mit 22 keinen Sinn macht, so etwas zu tun.» Stattdessen hält er sich an den Ursprungsplan: sechs Monate Pause und erst Anfang April wieder mittrainieren.

Dass Itten damit so gut umgehen kann, hängt auch damit zusammen, dass er seine momentane Situation als Chance versteht. «In der Jugend oder in Zeiten, in denen ich mit dem FCB Champions League gespielt habe, hatte ich alle drei Tage ein Spiel und kaum Zeit, im athletischen Bereich zu arbeiten. Daher will ich die Zeit jetzt nutzen, um im Bereich Kraft und Schnellkraft einen grossen Fortschritt zu machen.» Dafür investiert er viel. Er verbringt mehr Zeit im Stadion als die restliche Mannschaft. Anfangs belief sich die Therapie-Zeit täglich auf bis zu acht Stunden, mittlerweile ist es weniger geworden.

Keine Klage gegen Daprelà

Rückschläge gab es auf dem Weg zurück von seiner ersten grossen Verletzung keine. Einfach war es dennoch nicht. «Insbesondere der erste Monat war hart.» Er konnte sich aufgrund des Innenbandrisses kaum bewegen. Schlafen war ausschliesslich auf dem Rücken möglich, die Schmerzen waren durchgehend. «Es hat sich angefühlt, als wäre mein Knie aus Glas.» Wie dieses Glas in seine Einzelteile zersprungen ist, hat er sich nur ein einziges Mal angeschaut. Er wollte verstehen, wie das möglich war, welche Bewegung er damals gemacht hat. «Dieser Anblick hat mich durchgeschüttelt.» Deshalb hat er es bei einem Mal belassen.

Cedric Itten hat sich nie Gedanken gemacht, Fabio Daprelà zu verklagen. Dieser habe sich zwar bei ihm gemeldet. Ein kurzer Austausch war da, aber «gross drauf eingehen wollte ich nicht.» Der stetige Blick zurück, sagt er, brauche lediglich Energie. Deshalb fragt er sich auch nicht mehr, wieso es ausgerechnet dann passieren musste, als er in der Form seines Lebens war. Stattdessen liegt Ittens Fokus voll und ganz auf der Reha. Auf seinen täglichen zwei Blöcken, die mal auf Kraft, mal auf Ausdauer ausgelegt sind. In der Sommervorbereitung will er dann wieder voll dabei sein und angreifen. «Aber wenn alles gut läuft, bringt es auch nichts, zu bremsen.» Schliesslich will er lieber gestern als morgen wieder im Bauch eines Stadions stehen und als strahlender Matchwinner Auskunft geben.

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