Loris Benito, Sie stehen nach einer rauschenden Meisterparty schon am frühen Sonntagnachmittag wieder für Interviews zur Verfügung. Wie lange haben Sie geschlafen?

Loris Benito: Weniger als zwei Stunden… Aber mit dem Feeling, Schweizer Meister zu sein, lässt es sich sehr gut wieder aufstehen.

YB stand eigentlich schon seit Wochen als Meister fest, wenn auch nicht mathematisch. Was für ein Gefühl ist es jetzt, den Titel ohne Wenn und Aber im Sack zu haben?

Ein schönes, auch wenn ich es noch nicht richtig einordnen kann. Das wird sich aber in den nächsten Tagen sicher ergeben. Dabei werden die vielen Gratulationen und Nachrichten helfen, um zu realisieren, dass wir etwas Grosses erreicht haben. Von Leuten, die man lange nicht mehr gesehen hat. Von solchen, mit denen man im Fussball einiges erlebt hat. Diese wissen um die Wichtigkeit dieses Meistertitels.

Was ging ihnen eigentlich durch den Kopf, als Luzern kurz nach der Pause in Führung ging?

Nicht besonders viel. Wir sind ja auch in anderen Spielen schon in Rückstand geraten. Wir sind ruhig geblieben. Wir kennen unsere Stärken und Qualitäten. Der Zeitpunkt des Gegentors war gut, wenn man es so ausdrücken will. So hatten wir noch genügend Zeit, um zu reagieren. Und wir machten dies gut. Ich war bis zum Schluss hundertprozentig davon überzeugt, dass wir das Spiel kehren. Ich habe keine Sekunde daran gezweifelt. Ich wusste, wenn wir in Richtung jener Seite spielen, wo unsere Hardcore-Fans sitzen, wird Luzern unserem Druck nicht standhalten können. Man sah, wie die Luzerner auf den Felgen liefen. 

YB-Benito: "Ein wahrgewordener Traum!"

YB-Benito: "Ein wahrgewordener Traum!"

Bierduschen, Feuerwerk und Party die ganze Nacht: So feierten YB-Fans und -Spieler den ersten Meistertitel nach 32 Jahren.

Was gibt es zu Penaltykiller Wölfli zu sagen?

Es gibt keinen Regisseur, der das Drehbuch besser hätte schreiben können. Ich mag es Marco unglaublich gönnen. Er hat sich dies total verdient. Wie auch Jean-Pierre Nsame, der das Siegtor schoss. Er hatte es in der Rückrunde nicht einfach, als er oft auf der Ersatzbank sass. Dabei war er in der Vorrunde ja unser bester Torschütze gewesen

Was bleibt von der Meisterfeier in Erinnerung?

Ein besonders schöner Moment war, als YB-Besitzer Hans-Ueli Rihs in der Kabine zu uns sprach.  Das war hoch emotional. Aber auch den Teamkollegen in die Augen zu schauen und in ihnen die Freude zu sehen, dass wir unser grosses Ziel erreicht haben. Wir haben so viel miteinander erlebt. Das schweisst unglaublich zusammen.

«Meischter, Schwiizermeischter»: Grosser Jubel bei den YB-Fans.

«Meischter, Schwiizermeischter»: Grosser Jubel bei den YB-Fans.

Gibt es am Tag nach der grossen Sause schon Gedanken, was nun noch folgen wird?

Ganz ehrlich: Einer der ersten Gedanken nach dem Erwachen am Sonntagmorgen galt dem  Cupfinal. Diesen wollen wir unbedingt gewinnen. Dann schreiben wir eine Geschichte, die so schnell nicht zu toppen sein wird. Ich habe gehört, es seien sechzig Jahre seit dem letzten Double vergangen. Wenn wir es geschafft haben, 32 lange Jahre des Wartens auf einen Meistertitel zu beenden, dann wird uns das auch mit den 60 Jahren aufs Double gelingen. Ich habe keinerlei Bedenken, es könnte bei uns nach dem Gewinn des Titels zu einem Spannungsabfall kommen.

Sie haben nun vier Titel im Palmarès, sind in Portugal und in der Schweiz Meister und Cupsieger geworden. Kann sich die Berner Euphorie mit jener um Benfica Lissabon vergleichen?

Der grosse Unterschied ist der, dass in Lissabon ein Titel immer erwartet wird. Hier in Bern haben alle nach diesem Erfolg gelechzt, und als er dann Tatsache war, ist es unglaublich schön gewesen.

Wie war es, oben von der Tribüne hinunter aufs jubelnde Menschenmeer zu schauen?

Es war der Wahnsinn. Man hat kein Stücklein des Rasens mehr gesehen, so dicht standen die Leute. Das sind Bilder, die ich mein Leben lang nie vergessen werde. Es war auch eine gute Idee, nach dem Spiel das Stadion zu öffnen, damit auch Fans von draussen noch an der Party teilhaben konnten. Nach der Feier im Stadion hat dann die Mannschaft gemeinsam mit den Familien und Freunden gefeiert. Wir hatten in einem Lokal einen Teil für uns und es machte jeder solange, wie er mochte. Ich würde aber sagen, achtzig Prozent der Mannschaft blieben bis zum bitteren Ende.