Europa League

Europa-League-Auftakt unter schlechtem Stern

Selbst eine konsequent umgesetzte Maskenpflicht im Stadion konnte Trainer Gerardo Seoane und die Young Boys nicht vor dem Entscheid der Kantonsregierung bewahren

Selbst eine konsequent umgesetzte Maskenpflicht im Stadion konnte Trainer Gerardo Seoane und die Young Boys nicht vor dem Entscheid der Kantonsregierung bewahren

YB startet heute gegen die AS Roma in die Gruppenphase der Europa League. Im Vorfeld absorbieren politische Entscheide die Berner Kräfte. Ein guter Start wäre für die Fussball-Schweiz aber wichtig.

Anfang Monat mutete rund um das Wankdorf alles so schön an wie ein Panorama-Foto der Berner Alpen. Erstmals seit Monaten fand in Bern ein Fussballspiel vor einem veritablen Publikum statt, den 1:0-Sieg des Meisters und Cupsiegers gegen Aufsteiger Vaduz verfolgten 11'660 Zuschauer live im Stadion. Und selbst der europäische Fussballverband UEFA stellte für die Europacup-Wettbewerbe eine Öffnung für Zuschauer in Aussicht. Dann zogen am Sonntag erneut dichte Wolken am Horizont der Young Boys auf, die den Klub und sein gesamtes Umfeld grossflächig einnahmen.

Die Berner Kantonsregierung limitierte Grossveranstaltungen auf maximal 1000 Besucher, nur eine Stunde nachdem der Bund in seiner Pressekonferenz von einem solchen Einschnitt abgesehen hatte. Für die Berner Profiklubs ein überraschender und ebenso schwerer Schlag. Statt den ersten Höhepunkt der jungen Fussball-Saison vor fast 10'000 Zuschauern auszutragen, kehrt bei Meister und Cupsieger YB die Tristesse auf die Ränge zurück. Den Europa-League-Auftakt gegen die AS Roma werden nur 600 Fans vor Ort verfolgen können.

Unterstützung könnte die dominierende Kraft des Schweizer Fussballs im Europacup derweil dringend benötigen. Dies gilt nicht nur für die Auftakt-Partie gegen die Roma, den vermeintlich härtesten Brocken der Gruppe. Die Römer, 2018 bis ins Halbfinal der Champions League vorgestossen, lassen sich den Sieg in Gruppe A kaum streitig machen. Hinter der Roma wird YB als eines von drei Teams um den 2. Rang kämpfen, ein Kampf auf Augenhöhe.

Weder der rumänische Meister Cluj noch CSKA Sofia sind den Young Boys überlegen. Die Chancen des Teams von Gerardo Seoane stehen gut, die K.o.-Phase des Europacups zu erreichen. Sofern innerhalb der Mannschaft der Fokus auf den sportlichen Herausforderungen bleibt. Sportchef Spycher sagte gegenüber Keystone-SDA, der Entscheid der Kantonsregierung sei auch in der YB-Garderobe ein grosses Thema gewesen.

Die Nebenschauplätze in Bern sind für den gesamten Schweizer Fussball keine guten Nachrichten. Schliesslich ist YB als einziges Schweizer Team im Europacup vertreten - und damit einzige Hoffnung im Ringen um Punkte im wichtigen UEFA-Länder-Ranking. Mit einer starken Europa-League-Kampagne in der Vorsaison hielt der FC Basel die Schweiz auf dem 17. Platz der Fünfjahreswertung. Ab der Saison 2021/22 erhält so immerhin der Meister noch die Chance, sich für die Champions League zu qualifizieren. Für die restlichen Schweizer Teams heisst die Zukunft nicht mehr Europa League, sondern Conference League.

Selbst dieses Privileg droht der Schweiz abhanden zu kommen, sollte sie im UEFA-Koeffizient weiter abrutschen. Mit Griechenland, Kroatien, Tschechien und Israel sind die direkt hinter der Schweiz klassierten Nationen mit mindestens zwei Teams im Europacup vertreten. Die Wolken in Bern, sie drohen sich über die Fussball-Schweiz zu legen.

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