Für gewöhnlich steht Michael Lang bei der Schweizer Nati nicht im Fokus. Er ist hinter Captain Stephan Lichtsteiner meist nur Ersatz. Auch an der laufenden WM durfte der Verteidiger des FC Basel sein Können erst wenige Minuten zeigen. Und doch war es Lang, dem die Schlagzeilen gestern gehörten. Nicht, weil er an der Pressekonferenz auf Fragen von Journalisten aus dem Land des nächsten Gegners, Costa Rica, souverän auf Spanisch antwortete, sondern weil Lang beim FCB vor dem Absprung steht. Ziel: Borussia Mönchengladbach.

Am Freitagabend brachte der in Köln ansässige «Express» dieses Gerücht in Umlauf. Gestern meldete der «Kicker», die Verhandlungen seien bereits so weit fortgeschritten, dass der Transfer eigentlich kaum mehr scheitern könne. Seitens des FCB will man sich zu einem möglichen Abgang des Vize-Captains nicht äussern. Dafür hat das der Spieler im Nachgang an die Pressekonferenz der Schweizer Nati selber getan: «Gerüchte gibt es immer. Aber es ist schon so, dass gewisse Vereine vor und während der WM angefragt haben.»

Er versuche, sich so wenig wie möglich damit zu beschäftigen, sein Fokus liege ganz alleine auf dem morgigen dritten Gruppenspiel. Aber: «Man kann auch nicht immer alles nach hinten schieben und sagen, ich treffe meine Entscheidung erst irgendwann im August. Das lässt nicht jeder Verein mit sich machen. Darum werden früher oder später Entscheidungen getroffen.»

Die überragende Quote

Da auch Besiktas Istanbul ein Angebot abgegeben haben soll, wurde Lang nach seinen Präferenzen gefragt: Süden oder Norden? «Vom Leben her zieht es mich definitiv in den Süden, dort würde es mir besser gefallen. Wo aber meine Liga sein wird, wird sich zeigen. Da kann man nicht zu fest auf das Leben gehen. Sondern man muss, wenn man den Schritt macht, schauen, wo es passt, wo man sich noch einmal weiterentwickeln und noch einmal eine neue Herausforderung suchen kann.»

Dass Interesse an Lang besteht, ist weder neu noch überraschend. In der vergangenen Saison glänzte er mit für einen Aussenverteidiger überragenden zehn Toren und sieben Assists. Hinzu kommen seine Führungsqualitäten, seine kaum existente Verletzungsanfälligkeit sowie sein vorbildlicher, professioneller Lebensstil. Lang ist ein Musterprofi. Mit seiner starken Meinung ist er neben dem Platz mannschaftintern, aber auch in der Öffentlichkeit eine wichtige und gern gesehene Person.

Der menschliche Verlust

Dies macht auch deutlich, wie hart dieser kaum mehr abzuwendende Verlust für den FCB wäre. Die kolportierten drei Millionen Franken Ablöse wären ein schwacher Trost. Ihn sportlich zu ersetzen, dürfte schwer genug werden. Menschlich aber wird es eine noch grössere Herausforderung sein. Lang ist ein nicht zu unterschätzendes Bindeglied zwischen Jung und Alt.

Steine wird man ihm dennoch nicht in den Weg legen. Denn Lang hegt nicht erst seit gestern den Wunsch, ins Ausland zu wechseln – betonte aber auch stets, nicht zu gehen, nur um gegangen zu sein. Um den FCB zu verlassen, müsse ein grosser Klub kommen. Deshalb hat er schon einige Angebote abgelehnt.

Gladbach und der exzellente Ruf

Bei Gladbach aber ist er offenbar schwach geworden. Eine Vertragsverlängerung beim FCB (Laufzeit noch bis 2019) hat er vorerst ausgeschlagen. Auch er weiss, dass es mit 27 Jahren vielleicht eine der letzten Chancen für einen attraktiven Auslandtransfer ist. Gladbach ist zwar keiner der absoluten Top-Vereine Europas, aber einer, der normalerweise um die internationalen Plätze in der Bundesliga mitspielt und in der Schweiz einen exzellenten Ruf geniesst.

Mit Granit Xhaka (mittlerweile bei Arsenal), Yann Sommer, Nico Elvedi und Denis Zakaria machten einige seiner Nati-Kollegen bereits sehr gute Erfahrungen bei den Fohlen. Mit Abstrichen trifft dies auch auf Josip Drmic zu.

Gladbach-Sportchef Max Eberl gilt ausserdem als grosser Fan des Schweizer Fussballs und pflegt mit Lang-Berater Franco Moretti ein gutes Verhältnis. Mit ihm fädelte er bereits die Transfers Sommers und Elvedis ein. Es stellt sich also nicht die Frage ob, sondern wann Michael Lang der 30. FCB-Spieler sein wird, der in den letzten 18 Jahren in die Bundesliga gewechselt ist.