FC Basel

«Es tut mir unendlich leid» – FC Basel-Captain Matías Delgado beendet seine Karriere

Der FC Basel verliert seinen Captain Matias Delgado. Der Argentinier tritt per sofort zurück.

«Matí, mein Freund, was ist los? Ist das wirklich wahr?», ruft einer der Fans, die kurz vor 19 Uhr in den Presseraum strömen. Sie können nicht fassen, was an diesem Sonntag geschieht. Matías Delgado, Captain des FC Basel, hört auf?

Ja. Denn er kann, er will nicht mehr. Obwohl Delgado seinen Vertrag erst im Februar um ein Jahr verlängert hat, musste er sich eingestehen, dass die Motivation nicht mehr da ist. Und so sitzt er nach diesem 3:1-Sieg im Spiel gegen Luzern, dem er aus privaten Gründen fernblieb, wie es vonseiten des FCB zuerst hiess, zusammen mit Sportchef Marco Streller und Trainer Raphael Wicky vor der Presse und erklärt sich.

«Matí, mein Freund, was ist los?» Die Fans singen: «Delgado olé, Delgado olé, Delgado olé!» Und Delgado kann nicht mehr.
Die Emotionen übermannen den Captain, die Tränen brechen aus ihm heraus, es schüttelt ihn. Nie konnte er verstehen, warum ihn alle so lieben in Basel. Und jetzt diese Hommage der FCB-Fans.

Die Muttenzerkurve stürmt die Pressekonferenz, bei der FCB-Captain Delgado seinen Rücktritt bekannt gibt.

Die Muttenzerkurve stürmt die Pressekonferenz, bei der FCB-Captain Delgado seinen Rücktritt bekannt gibt.

Auch Roger Federer bedankt sich bei Delgado.

Am Rand des Raumes steht seine Frau Laura Rossi, die Schwester von Julio Hernán Rossi, seine grosse Liebe. Auch die gemeinsamen Kinder sind da, Nicolas (11), Dolores (9) und Victoria (4). Sie alle kämpfen mit den Gefühlen. Ihr Vater, ihr Vorbild, heult in den Armen von Sportchef Streller. Irgendwann hebt er den Daumen und sagt dann: «Das ist alles ein bisschen zu viel, all die Zuneigung, die mir hier zuteilwird. Ich weiss gar nicht, ob ich die verdient habe.» 

Eine grosse Lücke

In Basel hat Delgado Kultstatus. Obwohl er nicht Basler ist, verehren sie ihn, als wäre er einer der ihren. Als er gestern gegen Luzern nicht im Aufgebot steht, machen rasch Gerüchte die Runde. Zu diesem Zeitpunkt weiss aber selbst das Team nicht, dass es seinen Captain verliert.

Matías Delgado erklärt seinen Rücktritt (auf Spanisch)

Matías Delgado erklärt seinen Rücktritt (auf Spanisch).

Am Samstagnachmittag bat Delgado Trainer und Sportchef zum Gespräch, unterbreitet ihnen, dass er nicht mehr kann, dass Schluss ist. Marco Streller: «Er wird eine grosse Lücke hinterlassen. Trotzdem habe ich nie versucht, ihn umzustimmen, weil ich sah, wie erleichtert, wie glücklich er war, als er uns seine Entscheidung mitgeteilt hat.» Und weil Streller aus eigener Erfahrung weiss, dass man diesen Moment des Rücktritts nicht wirklich planen kann. Auch er hatte seinen Vertrag verlängert, ehe er wenig später merkte, dass das Feuer weg ist.

Der Entscheid von Delgado ist gereift, wie er sagt. Er hat seinen Vertrag diesen Winter verlängert, nachdem er 2016 sein wohl bestes Jahr beim FCB erlebte. «Die Jahre nach meiner Rückkehr 2013 von Abu Dhabi zum FC Basel waren die glücklichsten meiner Karriere.» Der Entscheid, den Vertrag zu verlängern, war auch einer für Ex-Präsident Bernhard Heusler und Ex-Sportchef Georg Heitz. «Sie haben es möglich gemacht, dass ich noch einmal auf höchstem europäischem Niveau spielen konnte.» Und es war ein Entscheid für seinen Sohn Nicolas, der im FCB-Nachwuchs spielt und unbedingt wollte, dass sein Vater weitermacht. Und es war ein Entscheid für die Fans. Er wollte sie nicht enttäuschen und musste doch merken: «Ich kann nicht mehr!»

Und so sitzt er jetzt also da, streicht sich über die Wangen, richtet den Blick zu Boden und schnieft. «Ich liebe diesen Klub, diese Stadt. Aber ich fühle mich nicht mehr 100 Prozent fit, kann dem Klub so nicht mehr helfen. Es tut mir unendlich leid.» Er flüstert es fast ins Mikrofon. Auf der Stirn perlt der Schweiss. Es war ein langer, ein «sehr harter» Prozess, bis er es endlich sagen konnte: Schluss, aus, vorbei. Bevor er die Öffentlichkeit informierte, sprach er zum Team.

Die Fans singen noch lange seinen Namen. Delgado sagt: «Ihr habt mich immer glücklich gemacht. Es gibt kein schöneres Gefühl, als so verabschiedet zu werden. Danke von Herzen.» Dann geht er.

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