Analyse

«Es hät richtig chlöpft und tätscht» – endlich ist die Super-League wieder spannend

Hoch emotional: Basel gegen GC.

Hoch emotional: Basel gegen GC.

In seiner Analyse zur Vorrunde in der Fussball-Super-League schreibt Markus Brütsch: «Die Super League hat viele Facetten, sie hat einen gewissen Charme und ist besser, als viele meinen.»

Wahrscheinlich hat Matthias Hüppi am Sonntagabend gesagt: «Es hät nomol so richtig chlöpft und tätscht.» Fünf Tore allein hat der neue Präsident des FC St. Gallen beim 3:2 gegen Sion gesehen. Aber auch in den anderen Partien hat es «gräblet», haben die Klubs eine Woche vor Heiligabend ein Feuerwerk gezündet: 5:1, 4:2, 2:1 und 2:0. Die Super League hat ihren Ruf bestätigt, eine der torreichsten in Europa zu sein. Wer den Fussball vor allem wegen der Tore und des anschliessenden Jubels liebt, ist in der Schweizer Fussball-Liga gut aufgehoben.

In dieser Saison sind es auch jene, welche Spannung mögen. In Deutschland (Bayern 11 Punkte Vorsprung), Frankreich (Paris, 9), Spanien (Barcelona, 6) und England (Manchester City, 11) sind Vorentscheidungen gefallen, in der Schweiz aber liefern sich die Young Boys und Serienmeister Basel ein heisses Duell, das im nächsten Jahr in einen Hitchcockfinal münden könnte. Zu einer Finalissima wie 2010 kommt es aber nicht, das vierte und letzte Duell findet am drittletzten Spieltag statt.

Dahinter balgen sich mit zehn und mehr Punkten Abstand die übrigen acht Klubs um die Europacupplätze oder kämpfen gegen den Abstieg. Noch nie seit Einführung der Super League 2003 hat der Tabellenletzte an Weihnachten so viele Punkte (17) auf dem Konto gehabt wie in dieser Spielzeit. Dass dieser FC Sion heisst, ist angesichts der guten Einzelspieler eine Überraschung, wenn man sich aber anschaut, wie konzeptlos Christian Constantin den Verein führt, entbehrt die Klassierung nicht der Logik. Nun will der nach den Fusstritten gegen Teleclub-Experte Rolf Fringer weiterhin gesperrte Präsident seine Mannschaft mit einem Militärcamp auf Vordermann bringen. Zwar nicht in Guyana, aber auch Frankreich macht daraus nicht mehr als eine Schnapsidee. Die Walliser mit ihrem realitätsfremden spanischen Trainer Gabri werden im Frühjahr Mühe haben, den Klassenerhalt zu schaffen, wenn sie den Abstiegskampf nicht annehmen und meinen, mit Tiki-Taka-Fussball à la Barcelona könnten sie die Liga aufmischen.

Diesen Lernprozess hat Lausanne mit Fabio Celestini bereits hinter sich, andere Kandidaten wie Thun und Lugano wissen, was es heisst, gegen die Relegation zu fighten.

Ausser YB und Basel sind alle Vereine inkonstant. Sie sind wahre Wundertüten und können, wie Thun, gegen den Leader YB gewinnen, um eine Woche später gegen Lugano zu verlieren. Das hat zwar den Vorteil, dass praktisch in jedem Spiel alles möglich ist, der Zuschauer nie weiss, was ihn erwartet; ein Faktor, der zum Reiz des Fussballs gehört. Aber natürlich spricht dies nicht für die Stabilität und letztendlich auch nicht für die Qualität dieser Mannschaften. Dies hängt aber zumindest zum Teil mit den vielen jungen Spielern zusammen, die eingesetzt werden (müssen). Die Schweiz ist nach wie vor eine klassische Ausbildungsliga und wird dies auch immer bleiben. Dass sie gut ausbildet, ist unbestritten, dies zeigen die unzähligen Transfers von jungen Schweizern vor allem in die Bundesliga. Schon im Winter könnte mit dem Basler Abwehrtalent Manuel Akanji ein Nächster diesen Weg gehen.

Auslandtransfers sind Segen und Fluch für den Klub-Fussball

Wenn die 30 besten Schweizer im Ausland spielen, hat dies natürlich Folgen für das Super-League-Niveau. Bekäme jeder Verein nur schon drei dieser Legionäre zugeteilt, wäre sein Leistungspotenzial deutlich besser. Umso höher ist einzuschätzen, was der FC Basel auf europäischer Ebene seit vielen Jahren vollbringt. Wie er in dieser Champions-League-Gruppenphase mit vier Siegen für Furore gesorgt hat, ist phänomenal. Die anderen Europacup-Vertreter aber verdienen kein Lob. Vor allem von YB hätte erwartet werden dürfen, dass es sich in einer mässig starken Gruppe durchsetzt. Lugano war so so, la la, der FC Sion und der FC Luzern traten aber bedenklich schwach auf. Es ist unverständlich, wie schnell Klubs, die mit allen Mitteln den internationalen Wettbewerb ansteuern, die Lust an diesem verlieren, sobald sie ihn erreicht haben und sich nur noch über die angeblich so riesige Belastung beklagen.

Die Schweizer Super League hat viele Facetten, sie hat einen gewissen Charme und ist besser, als viele meinen, die vor dem TV nur internationalen Fussball konsumieren. Klar: Sie hat schon noch Luft nach oben. Dennoch dürfen wir uns schon jetzt auf die Rückrunde freuen.

markus.bruetsch@azmedien.ch

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