Champions League
Erstes Millionenspiel – ausgerechnet jetzt verkompliziert sich für den FC Basel alles

Die Partie des FC Basel gegen Paok Thessaloniki ist mit die bedeutendste der Saison. Doch vor dem schwierigen Spiel verkompliziert sich die Lage beim FCB weiter. Rechtsverteidiger Silvan Widmer fällt wegen einer Magendarmgrippe aus. Linksfuss Raoul Petretta wird ihn wohl auf der rechten Abwehrseite ersetzen.

Céline Feller
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Rückschlag für den neuen FCB-Verteidiger Silvan Widmer
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Silvan Widmer
Nächster Rückschlag für Silvan Widmer - nach der Niederlage gegen St. Gallen das Forfait für die Champions-League-Qualifikation
Silvan Widmer, Jonas Omlin, FC Basel.
Silvan Widmer im Nati-Dress.

Rückschlag für den neuen FCB-Verteidiger Silvan Widmer

KEYSTONE/TI-PRESS/ALESSANDRO CRINARI

Überlebenswichtig. Als das bezeichnet Marco Streller die Champions League für den FC Basel. Ein grosses Wort, das Druck aufsetzt. Insbesondere angesichts dessen, dass der Weg des FCB in die Champions League weit ist. Sehr weit. Zwei Qualifikations-Runden plus die Playoffs müssen die Basler überstehen, wenn sie ein achtes Mal in der Gruppenphase der Königsklasse stehen wollen.

Dass der FCB-Sportchef diesen Druck in Kauf nimmt und der Champions League solches Gewicht verleiht, hat zwei Gründe. Einerseits die finanziellen Reize. Alleine die Startprämie für die Gruppenphase beläuft sich auf mindestens 15,25 Millionen Euro (aufgrund des starken Koeffizienten, der neuerdings mithonoriert wird, könntenes bis über 31 Millionen werden). Geld, das der FCB einkalkuliert hat.

Schafft er «nur» den Sprung in die Europa League – von Besitzer Bernhard Burgener als Mindestziel deklariert –, würden nur vergleichsweise mickrige 2,92 Millionen Euro (plus Koeffizient-Millionen) in die Klubkassen fliessen.

Königsklasse als Argument bei Spielern

«Mit überlebenswichtig meine ich aber nicht nur den finanziellen Aspekt», sagt Streller und deutet auf den zweiten, fast noch wichtigeren Faktor hin: die Königsklasse als Argument bei den Spielern. Denn finanziell wäre der Gang in die Europa League zu verkraften. Alleine seit Beginn dieses Jahres hat der FCB durch lukrative Verkäufe unter anderem von Manuel Akanji und Mohamed Elyounoussi ein Transferplus von rund 60 Millionen Euro erwirtschaftet.

Raphael Wicky (links) und Marco Streller sind sich der Tragweite des Spiels gegen Paok Thessaloniki bewusst.   

Raphael Wicky (links) und Marco Streller sind sich der Tragweite des Spiels gegen Paok Thessaloniki bewusst.   

GEORGIOS KEFALAS

Ermöglicht wurden diese Ablösen wiederum durch die Champions League und die historisch starken Auftritte dort. «Es geht aber vor allem um unseren Ruf und darum, wie man Spieler zum FCB locken kann. Da ist die Champions League ein riesiges Argument», führt Streller aus. Gerade die FCB-Neuzugänge Aldo Kalulu und Silvan Widmer hätten diverse andere Optionen gehabt, wurden jedoch mitunter mit dem Argument Königsklasse überzeugt.

Garantie oder Europa-League-Quali

Der erste Schritt in ebendiese Königsklasse ist das Auswärtsspiel bei Paok Thessaloniki. Und er ist gleich der bedeutendste. Kann sich der FCB nämlich eine gute Ausgangslage für das Rückspiel vom nächsten Mittwoch (1. August) schaffen, ist er schon ganz nahe dran, das vorgegebene Minimalziel zu erreichen. Denn: Übersteht der FCB diese Quali-Runde, steht er bereits sicher in der Gruppenphase der Europa League und hat darüber hinaus weiterhin die Chance, sich für die Gruppenphase der Champions League zu qualifizieren. Diese Garantie, sicher europäisch spielen zu können, ist es, was den Duellen gegen Paok eine immense Bedeutung gibt.

Sportchef Streller und Trainer Raphael Wicky wählten unisono die Bezeichnung «extrem wichtig» und betonten, dass man sich der Tragweite bewusst sei. In der nächsten Quali-Runde würde der FCB auf Spartak Moskau treffen – dies hat die gestrige Auslosung ergeben. Aber auch bei einem allfälligen Ausscheiden gegen Paok hätte der FCB weiterhin Chancen, international zu spielen. Zwar nur noch in der Europa League, aber immerhin. In der dritten Quali-Runde für diesen Wettbewerb würde er auf den Sieger des Spiels FC Viitorul (Rumänien) gegen Vitesse Arnheim (Holland) treffen.

Ohne Silvan Widmer gegen Paok

Aber das ist noch weit weg. Jetzt zählt Paok. Das ohnehin schon schwierige Spiel im Hexenkessel Toumba und ohne Fans hat sich gestern noch verkompliziert. Denn wer am Flughafen auf Silvan Widmer wartete, tat dies vergebens. Der Rechtsverteidiger konnte nicht mitreisen. «Er hatte eine sehr schlechte Nacht, musste sich nach dem Essen am Sonntagabend erbrechen», erklärte ein konsternierter Wicky die Abwesenheit.

Mit seinem Transfer zum FC Basel winkt Nati-Verteidiger Silvan Widmer die erstmalige Teilnahme an der Champions League.
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Schon vereinzelt kam Silvan Widmer für die Schweizer Nati zum Einsatz. Die Konkurrenz auf seiner Position ist aber gross: Lichtsteiner und Lang stehen ihm vor der Sonne.
Silvan Widmer wechselt zum FC Basel
Silvan Widmer wurde bei Udinese zum kompletten Fussballer und hat sich in der Serie A durchgesetzt.
Silvan Widmer (r.) mit seiner Frau Céline. Die beiden sind kurz vor der WM auch noch zum ersten mal Eltern geworden.
Silvan Widmers letzter Verein: Udinese
Silvan Widmer (l.) erhofft sich womöglich mit dem Transfer zum FC Basel noch mehr in den Fokus von Nati-Trainer Vladimir Petkovic zu geraten.
Silvan Widmer durchlief auch die Nachwuchsstufen der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft.
Hier hat Silvan Widmer seine Karriere lanciert: Beim FC Aarau.

Mit seinem Transfer zum FC Basel winkt Nati-Verteidiger Silvan Widmer die erstmalige Teilnahme an der Champions League.

KEYSTONE

Der Ausfall Widmers ist jener, der das Team am schwersten trifft. Für ihn gibt es kein Back-up. Taulant Xhaka, der hätte einspringen können, ist verletzt und gar nicht mitgereist. Neftali Manzambi hat sich geweigert, als Rechtsverteidiger zu spielen, und weilt im Probetraining von Sporting Gijón. Und Nachwuchs-Rechtsverteidiger Alessandro Stabile ist in den Ferien, weil er im Sommer keine Pause hatte.

Petretta oder eine Dreierkette?

Bleibt also noch Raoul Petretta, der von links auf rechts wechseln könnte. Dies hat er bereits gegen St. Gallen und in einigen Testspielen getan. Überzeugen konnte der Linksfuss aber nie ganz. Dennoch sagt Wicky: «Raoul auf rechts zu bringen, ist die naheliegendste Möglichkeit.»

Raoul Petretta (vorne) wird aller Voraussicht nach den erkrankten Silvan Widmer im Spiel gegen Paok ersetzen.   

Raoul Petretta (vorne) wird aller Voraussicht nach den erkrankten Silvan Widmer im Spiel gegen Paok ersetzen.   

Keystone

Eine andere wäre die Umstellung auf eine Dreierkette. Die Optionen dazu hätte der FCB-Trainer allemal: Die Innenverteidiger Eder Balanta und Eray Cümart wären einsatzfähig. Und doch scheint die Variante mit Petretta realistischer. «Ich werde etwas basteln», sagt Wicky. Und kann nicht verbergen, dass er auf den Ausfall von Widmer gerne verzichtet hätte. Es ist nach der Niederlage gegen St. Gallen bereits der zweite Rückschlag der noch jungen Saison.

Voraussichtliche Aufstellungen

PAOK Saloniki – Basel

Saloniki. – Dienstag, 19.30 Uhr. – SR Madley (ENG).

PAOK Saloniki: Paschalakis; Leo Matos, Varela, Crespo, Vierinha; Cañas/Schachow, Mauricio; Leo Jaba, Pelkas, Warda; Prijovic.

Basel: Omlin; Petretta, Suchy, Frei, Riveros; Serey Die, Zuffi; Stocker/Oberlin, Kalulu, Bua; Ajeti.

Bemerkungen: Basel ohne Widmer (krank), Balanta, Campo, Kuzmanovic und Xhaka (alle verletzt).