Er hätte auf eine kritische Frage warten können, die garantiert gekommen wäre. Aber Marcel Koller greift vor und sagt von sich aus: «Ich nehme diese Niederlage auf meine Kappe.» Einsichtige Worte des Trainers des FC Basel nach der Heimniederlage gegen St. Gallen. 1:2 verliert der FCB gegen die Ostschweizer. Wie schon zu Beginn der letzten Saison. Nach dem starken Auftritt in Sion und der Beinahe-Sensation in Eindhoven mag es überraschen, dass der FCB so blutleer, uninspiriert und träge auftritt. Beim Blick aufs Matchblatt aber erklärt sich vieles.

Saisondebüts statt Stammkräfte

Gleich sieben Wechsel nimmt Koller vor im Vergleich zum PSV-Hinspiel vom Dienstag. Valentin Stocker, Silvan Widmer und Eder Balanta stehen nicht einmal im Aufgebot. Fabian Frei und Ricky van Wolfswinkel kommen nur von der Bank, Albian Ajeti und Luca Zuffi sitzen 90 Minuten auf der Bank. Stattdessen setzt Koller beispielsweise mit Samuele Campo, Blas Riveros und Edon Zhegrova auf Spieler, die ihr Saisondebüt geben. Und wechselt ausserdem nach zwei Spielen im 4-1-4-1 wieder auf das altbewährte 4-2-3-1.

In der Summe sind es zu viele Umstellungen. Zu viele Spieler, die nicht im Rhythmus sind. Zu viele Spieler, die auf ungewohnten Positionen spielen müssen. Zu viele Abstimmungsprobleme ob der zu grossen Rotation. Ob diese in dieser so frühen Phase der Saison überhaupt nötig ist, ist ebenfalls eine Frage.

Doppelbelastung erzwingt Wechsel

«Wir haben viele Wechsel gemacht, weil wir zweigleisig fahren müssen und am Dienstag ein intensives Laufspiel hatten», erklärt sich Koller. «Anscheinend war es aber der eine oder andere Wechsel zu viel.» Die zahlreichen Wechsel machen noch deutlicher, wie stark dem PSV-Rückspiel von morgen alles untergeordnet wird.

Dass der grosse Umbau gleich so nach hinten losgeht, überrascht den Trainer: «Ich habe gedacht, dass wir schon weiter sind. Von der Positionierung her, von den Abläufen her. Da dachte ich, dass wir mehr Sicherheit haben.» Schliesslich hätten alle diese Spieler schon einmal Super League gespielt und gezeigt, dass sie mithalten könnten, so Koller weiter.

Die Highlights im Video:

Super League, Saison 2018/19, Runde 2, FC Basel - FC St. Gallen, Matchhighlights

    

Nur: An diesem Abend kann das Gros des Teams alles andere als mithalten. Da sind die Stellungsprobleme eines Blas Riveros, der sich vor dem 0:1 Cedric Ittens nicht gut anstellt. Er klärt den Ball dem Ex-Basler so vor die Füsse, dass der das Tor nicht mehr verfehlen kann. Da sind die Ballverluste eines Samuele Campo, welche zu viele Gegenangriffe auslösen. Da ist eine Nicht-Präsenz eines Afimico Pululu und eines Kevin Bua. Und da ist die noch nicht ganz funktionierende Abstimmung in der Abwehr. Es sind individuelle Defizite, aber nicht nur. In der Summe kommt in diesem Spiel von der ganzen Mannschaft viel zu wenig. Zu wenig Robustheit, zu wenig Cleverness, zu wenig Aggressivität, zu wenig Spielwitz, zu wenig Effizienz.

PSV tut es dem FCB zumindest gleich

Immerhin feiert Kemal Ademi mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich seine FCB-Torpremiere. Ein verdientes Tor. Nach Abpfiff ist dies aber auch die Niederlage. Zwar ist der Penalty-Pfiff in der 80. Minute strittig – Eray Cömert beteuert, Jérémy Guillemenot nicht berührt zu haben – aber das Tor Ademis ist ebenfalls streitbar, weil Bua zuvor den Ball mit der Hand berührte. So steht am Ende eine 1:2-Niederlage, die schmerzt, weil sie nicht nötig gewesen wäre. «So etwas darf zu Hause nicht passieren», sagt Cömert und lässt die Rotationen nicht als Ausrede gelten. Und es ist eine Niederlage, die im Hinblick auf morgen nicht gerade Selbstvertrauen gibt.

Für den FCB gibt es aber immerhin den Trost, dass auch PSV die Hauptprobe verpatzt hat. Ebenfalls kräftig durchrotiert verliert Eindhoven den Supercup gegen Ajax mit 0:2. Hinzu kommt, dass Koller morgen erneut rotieren wird. Dann aber hoffentlich zum Sieg. Denn den braucht der FCB, um weiterzukommen.

Die Noten zum Spiel: