Auf dem Trainingsgelände Ciudad von Real Madrid in Valdebebas sorgte Zinédine Zidane höchstpersönlich am Donnerstag um 13.13 Uhr für den Paukenschlag: Fünf Tage nach dem historischen 3:1-Triumph im Finale der Champions League gegen den FC Liverpool verkündete der französische Erfolgstrainer bei den Königlichen völlig überraschend seinen Abschied.

Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Scheinwerferlicht von mehreren Dutzend Kameras und vor rund 100 Medienvertretern gab er zu Tränen gerührt nach 878 Tagen als Real-Coach seinen Ausstieg bekannt.

Zidane übernahm des Traineramt bei Real Madrid im Januar 2016 und führte die "Königlichen" zu drei Champions-League-Titeln in Folge. Zudem wurde Real Madrid unter ihm im letzten Jahr erstmals seit 2012 spanischer Meister. In dieser Saison wurden die Madrilenen mit 16 Punkten Rückstand auf Meister FC Barcelona nur Dritte.

Von Juni 2014 bis Anfang 2016 hatte Zidane Real Madrids Nachwuchsteam betreut. In der Saison 2013/14 war der französische Weltmeister von 1998 beim Fanionteam Assistenztrainer von Carlo Ancelotti.

Schon als Spieler legte Zidane eine herausragende Karriere hin und war ein Weltstar. Aufgewachsen im Arbeiterviertel von Marseille führte er Frankreich zum Welt- und Europameistertitel und wurde dreimal als Weltfussballer des Jahres ausgezeichnet.

Die Pressekonferenz mit Zinédine Zidane

Zidane: «Ich habe beschlossen, nicht weiter zu machen»

Zidane in einer Erklärung: «Dieses Team muss weiter gewinnen und braucht eine Veränderung. Ich liebe den Klub und den Präsidenten, aber ich habe beschlossen, nicht weiter zu machen.»

Und weiter meint Zidane: «Ich werde dem Klub immer eng verbunden sein. Aber die Entscheidung macht für mich viel Sinn. Es ist der Moment für mich, etwas zu verändern – und für die Spieler. Ich denke, es ist die richtige Entscheidung. Aber ich verstehe die Reaktionen und möchte mich bei den Fans bedanken. Als Spieler und Trainer haben sie mich immer respektiert, selbst wenn es mal nicht lief.»

Nicht unumstritten

Zidane, der in seiner Freizeit am liebsten als Bootsführer über die Meere schippert, war trotz seine vielen Erfolge in Madrid nie unumstritten, befand sich sozusagen immer in stürmischen Gewässern.

Vor allem in der abgelaufenen Spielzeit musste sich der einst geniale Mittelfeldstratege viel Kritik in den Medien gefallen lassen, hatte er doch vor allem national nicht die erwünschten Ziele erreicht. Und dennoch: Die Champions League war aber erneut Zidanes Terrain.

Zidane kündigte an, dass er zunächst ein Jahr pausieren und ein wenig Abstand vom Fussball nehmen wolle. "Real Madrid hat mir alles gegeben und ich werde ihn immer unterstützen und nahe verfolgen. Diese Entscheidung mag für viele keinen Sinn ergeben, für mich aber schon. Ich muss mich bei allen bedanken. Den Fans, den Mitarbeitern, den Spielern, allen", so Zidane, ehe er um 13.38 unter dem tosenden Applaus der Anwesenden zumindest für längere Zeit "adios" und "au revoir" sagte. (sda/sid/sha)