Gedankenspiel

Er macht es mit dem FCZ vor: Wäre Ludovic Magnin der bessere Nationaltrainer?

Ludovic Magnin dirigiert den FCZ mit Lust und Leidenschaft.

Ludovic Magnin dirigiert den FCZ mit Lust und Leidenschaft.

Am vergangenen Donnerstag hat es Ludovic Magnin gezeigt. Die Schweiz gewinnt die grossen Spiele nicht, der FC Zürich schon – ein polemisches Gedankenspiel.

Der Februar 2018 neigte sich dem Ende zu, als Ludovic Magnin den FC Zürich als Trainer übernahm. Bei der Präsentation sagte er auch diesen einen Satz: «Ich bin ein Mann für die grossen Spiele.»

Entscheidend war die Tonalität, und darum darf dieser Satz nicht missverstanden werden. Magnin meinte es nicht grossspurig. Es war eher die klar formulierte Erwartung an sich selbst und ein leises Versprechen an die FCZ-Familie. Der Klub sollte wieder vermehrt positive Schlagzeilen schreiben.

Die Bilanz acht Monate später ist eindrücklich. Magnin hat dem FCZ ein paar grosse Abende beschert. Da war zuerst der Cup-Halbfinal gegen GC (2:1) nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt. Da war vor allem der Sieg im Cupfinal gegen YB (2:1). Und da ist jetzt auch dieser Triumph über Bayer Leverkusen (3:2), der dritte Sieg im dritten Spiel der Europa League.

Das bedeutet nun nicht, dass Magnin, 39 Jahre alt, gleich schon in den Himmel gelobt werden müsste. Schliesslich gibt es auch noch den Alltag in der Super League, und da war und ist nicht jeder Auftritt eine Offenbarung.

Aber eines gilt es festzuhalten: Magnin schafft es, in besonderen Momenten besondere Leistungen aus seinem Team herauszukitzeln. Nie war das offensichtlicher als im Cupfinal. Und genau daran erinnerte der FCZ auch am vergangenen Donnerstag.

Jahre der Pflichterfüllung

Es bringt uns zu einer interessanten und hochpolemischen Frage: Wo bräuchte der Schweizer Fussball am dringendsten einen Trainer, der es schafft, dass sein Team in besonderen Momenten über sich hinauswächst? Richtig, bei der Nationalmannschaft.

Das Schweizer Team hat unter Vladimir Petkovic Jahre hinter sich, in denen die Pflichtaufgaben immer souverän bewältigt wurden. EM-Qualifikation, danach den Achtelfinal erreicht. WM-Qualifikation, danach den Achtelfinal erreicht. Alles gut.

Ludovic Magnin ist überzeugt: «Ich bin ein Mann für die grossen Spiele.»

Ludovic Magnin ist überzeugt: «Ich bin ein Mann für die grossen Spiele.»

Doch dann, in den grossen Spielen, ist Petkovic zweimal gescheitert. Zunächst mit einigem Pech und Unvermögen (Penaltyschiessen gegen Polen). Dann, zwei Jahre später, aber wegen erschreckender Lethargie (0:1 gegen Schweden).

Man fragt sich also ganz still und leise: Wie hätte die Kabine wohl gebebt, wie hätte der Rasen wohl gebrannt, wenn Ludo statt Vlado die Schweizer Nationalmannschaft auf ihre Achtelfinals eingestellt hätte? Und überdies stellt man sich vor, wie das so wäre, wenn ein Nationaltrainer das Schweizer Team voller Begeisterung und Lust repräsentieren würde.

Es sind Fragen, denen sich auch der Schweizer Fussballverband durchaus widmen darf.

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