Fussball
Er ist in die Schweiz zurückgekehrt, um vorwärtszukommen

Schon einmal hinterliess Carlos Alberto Alves Garcia – oder kurz Carlitos – seine Spuren in der Super League. Der portugiesische Flügel spielte beim FC Sion und beim FC Basel. Seit einigen Wochen ist er zurück im Wallis.

Walter Kielmann
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Carlitos fühlt sich wohl im Wallis: Schon einmal empfahl er sich beim FC Sion für den FC Basel.keystone

Carlitos fühlt sich wohl im Wallis: Schon einmal empfahl er sich beim FC Sion für den FC Basel.keystone

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In diesem Sommer wäre Carlitos beinahe in Vergessenheit geraten, wieder einmal: Schon vor neun Jahren bei Benfica Lissabon galt er als ewiges Talent, das den Durchbruch wohl nicht schaffen würde: Vielleicht etwas unterschätzt, vielleicht aber auch einfach nicht gut genug. Über die Rolle als Lückenbüsser kam er jedenfalls nicht hinaus.

Ein Lückenbüsser, der dann eben ausgeliehen wurde. Erst ein Jahr nach Setubal und dann ein weiteres Jahr – einfach irgendwo hin, Hauptsache weg von Benfica. Der damalige Manager des FC Sion, Paolo Urfer, berichtete im Jahr 2006 seinem Boss Christian Constantin vom portugiesischen Flügel – aber weil CC nicht investieren wollte, entstand ein kompliziertes Ausleih-Geschäft mit Kaufoption, diversen Fristen und Zahlung in Raten. Im Wallis wurde Carlitos aber glücklich, denn er spielte regelmässig – und regelmässig gut.

Nach nur einem Jahr bei Fendant und Raclette schlug der FC Basel zu und steckte den Wirbelwind mit dem starken linken Fuss in ein rot-blaues Trikot. Für den FCB war es der vielleicht schwierigste Transfer der letzten Jahre, denn Sion, das während der Saison die Kaufoption nicht zog, wollte ihn plötzlich doch definitiv. Carlitos und Basel sassen in der Zwickmühle zwischen Sion, Benfica und sogar Vitoria Setubal, das sich beim vorangegangenen Ausleihgeschäft einen Prozentsatz an den Transfers gesichert hatte. Alle wollten Geld sehen. Derweil stand die Saison vor der Tür und Carlitos absolvierte die Vorbereitung bei Benfica, obwohl man ihn dort gar nicht wollte. Erst sehr spät wurden sich alle Parteien doch noch einig.

Nach drei erfolgreichen Jahren mit vier Titeln am Rheinknie folgten zwei grauenvolle Saisons bei Hannover in der Bundesliga. Gleich zu Beginn der Saison riss das Kreuzband. Die Rehabilitation des Portugiesen lief reibungslos, beinahe zu gut, denn bereits 168 Tage nach dem Eingriff stand Carlitos wieder auf dem Rasen. Doch er freute sich zu früh. Zehn Wochen lang ging alles gut, dann musste der Flügel noch einmal unters Messer. Und bei dieser zweiten Knie-Operation gab es Komplikationen. Erst knapp ein Jahr später kam Carlitos zum Comeback. Zwei kleine Teileinsätze hatte er noch erhalten, doch nach zwei schwierigen Jahren wurde Carlitos aussortiert und sein auslaufender Vertrag nicht verlängert. «Es war enorm enttäuschend, denn ich wusste nicht recht, ob ich gescheitert war oder ob mir schlicht die Qualität für die ganz grossen Ligen fehlt», sagt er rückblickend.

Nach zwei langen Jahren ohne Spielrhythmus und Leistungsausweis blieb dem Unglücklichen einzig die Rückkehr nach Portugal. GD Estoril griff zu und Carlitos bedankte sich für das Vertrauen als Stammspieler in der Primeira Liga und mit starken Auftritten in der Europa League. Und Carlitos wusste auch, dass Christian Constantin immer bereit ist, Leistung zu honorieren.

Im Alter von 31 Jahren kehrte Carlitos nun also zurück ins Wallis und wagt noch einmal einen Anlauf, einen Schritt nach vorne zu machen: «Es ist super, wieder zurück zu sein. Es hat sich zwar viel verändert, aber ich habe den Eindruck, es ist besser geworden. Vor allem die Mannschaft hat einen ganz anderen Charakter.»

Viel Vorfreude hat Carlitos natürlich auch auf das Wiedersehen mit dem FCB. «Ich weiss gar nicht, wie viele Spieler ich da überhaupt noch kenne, aber natürlich ist es etwas Besonderes für mich. Die Fans sind ja noch die gleichen», sagt der Rückkehrer. Und tatsächlich: Heute sind ausser Behrang Safari, Marco Streller und Fabian Frei keine ehemaligen Mitspieler mehr dabei – denn Beg Ferati trägt inzwischen ja auch Rot und Weiss.