Als Kevin Kampl im Bauch des St. Jakob-Parks das Spiel des FC Red Bull Salzburg gegen den FC Basel analysiert, ist er im Zwiespalt.

«Eigentlich wollten wir unbedingt ein Auswärtstor schiessen», sagt Kampl. «Aber ganz so schlecht ist es auch wieder nicht, mit einem 0:0 heimzureisen.»

Dass die Salzburger erstmals nach 61 Partien kein Tor geschossen und ihre prunkvolle Offensive um den Spanier Jonatan Soriano, den Senegalesen Sadio Mané sowie den Slowenen Kampl leer ausgegangen war, hatte vor allem mit der guten Defensivarbeit der Basler zu tun gehabt.

So war es für einmal eher die auffallende Frisur Kampls, die dem Publikum in Erinnerung blieb, als dessen fussballerisches Können.

Zwar wird der 23-Jährige immer mal wieder gefragt, welchen Beruf sein Coiffeur denn habe oder singen die Fans «er hat die Haare schön», doch seine wachsende Bekanntheit ist in erster Linie seinen fussballerischen Fähigkeiten geschuldet.

Zu verdanken hat er diese einer umfassenden Ausbildung ab Kindsbeinen. Schon im zarten Alter von sechs Jahren war er den Scouts von Bayer Leverkusen ins Netz gegangen und vom VfB Solingen abgeworben worden.

Es war die Zeit, als seine Mutter als 45-Jährige extra noch den Fahrausweis erwarb, um den Kleinen ins Training nach Leverkusen zu chauffieren. Sie und ihr Mann waren noch vor Kevins Geburt aus Maribor nach Solingenausgewandert.

Dass Kampl früh wie ein Juwel funkelte, hatte viel mit seinen Torjägerqualitäten zu tun. «Einmal habe ich 180 Tore in einer Saison erzielt», sagt Kampl. Dies habe ihm dann sogar einen Besuch bei Günther Jauch in «Stern-TV» eingebracht.

«Die Jugendabteilung von Bayer ist etwas vom besten», sagt Kampl. Und lobt diesen Verein, obwohl es für ihn dort mit dem Erreichen der U23 nicht mehr weitergegangen war.

Als 20-Jähriger hatte der zum defensiven Mittelfeldspieler gewordene Kampl zwar einen Profivertrag erhalten, durfte unter Jupp Heynckes mittrainieren und einmal in der Europa League spielen, doch für einen Bundesligaeinsatz sollte es nicht reichen. Die Konkurrenz mit Rolfes, Vidal und Ballack war zu gross.

Erst beim VfL Osnabrück in der dritten Liga kam Kampl im Profifussball richtig an. Ein Jahr später verpflichtete ihn für 200 000 Euro der VfR Aalen – und Kampl zündete den Turbo.

Mit zwei Toren und drei Assists in den ersten vier Pflichtspielen sorgte er für Furore. Grund genug für den blamabel gegen Düdelingen aus der Champions-League-Qualifikation ausgeschiedenen FC Red Bull, Kampl aus dem eben erst angelaufenen Vertrag loszureissen.

Manager Ralf Rangnick überwies Ende August 2012 sagenhafte drei Millionen Euro und erntete Unverständnis: Drei Millionen für einen No-Name-Spieler – wie konnte man nur?

Doch Kampl strafte alle Lügen. Am wieselflinken, technisch starken und kreativen Flügelspieler lag es zuletzt, dass Red Bull in der tipp3-Bundesliga nur den zweiten Rang belegte und es im vergangenen Sommer im Duell mit Fenerbahce Istanbul erneut nicht schaffte, in die Königsklasse einzuziehen.

Nach gut einem Jahr hatte Kampl seinen Marktwert auf acht Millionen vervielfacht und Fenerbahce war scheinbar im Winter bereit, 13 Millionen für Sloweniens Fussballer des Jahres auf den Tisch zu legen.

«Salzburg ist das Beste, was mir passieren konnte», sagt Kampl, der den Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert hat. Hier könne er sich unter Trainer Roger Schmidt optimal entwickeln, um später dann einmal in eine grössere Liga zu wechseln. «Aber zuerst will ich jetzt endlich einmal einen Pokal in der Hand haben.» Am Sonntag dürfte es so weit sein. Ein Remis im Heimspiel gegen Wiener Neustadt reicht dazu.

Nationalspieler dagegen ist Kampl längst. Sehr zur Freude seines Vaters, der nach einer Fussamputation wegen Diabetes auf den Rollstuhl angewiesen ist. Josef Kampl hatte einmal gesagt, dass es ein Traum für ihn wäre, würde einer seiner drei Söhne dereinst für die slowenische Nationalmannschaft spielen.

Obwohl in Deutschland geboren und aufgewachsen, gab es daher für den jungen Kevin nur eines: Für Slowenien spielen. Er nahm sogar 18-stündige Busreisen in Kauf, um mit der Nachwuchsauswahl seiner Heimat aufzulaufen. Er gab dem DFB, der ihn ermunterte, einen deutschen Pass zu beantragen, einen Korb.

Und so spielte er auch im letzten Herbst in der WM-Qualifikation gegen die Schweiz, und wird dies auch im Oktober in der EM-Ausscheidung tun. Morgen geht es aber zuerst noch einmal gegen den Meister dieses Landes, den FC Basel. «Wir haben alles selber in der Hand. Es wird ein spannender Abend», sagt Kampl.