FC Basel

Enttäuschte, aber gefasste Basler nach dem klaren Verdikt in Sevilla

Behrang Safari, Daniel Hoegh, Taulant Xhaka und Michael Lang (von links nach rechts) bedanken sich nach dem Abpfiff bei den mitgereisten Fans.

Behrang Safari, Daniel Hoegh, Taulant Xhaka und Michael Lang (von links nach rechts) bedanken sich nach dem Abpfiff bei den mitgereisten Fans.

Out im Achtelfinal – für den FCB platzte der Traum vom Final im eigenen Stadion im Stadion des Titelverteidigers. Die Akteure im rot-blauen Lager blicken zurück auf das 0:3 in Sevilla und auf die gesamte Europa-League-Kampagne.

Mit noch etwas zerzaustem Gesichtsausdruck schritt Renato Steffen eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff in Sevilla vor die Journalisten. Der Sturm, der da vor allem in der ersten Halbzeit über den Aargauer und seine Kollegen fegte, war doch heftig. «Man hat gesehen, was Sevilla für eine Spitzenmannschaft ist. Das war beeindruckend», so Steffen.

43 Minuten lang hielt der FCB dem grossen Druck, verstärkt vom Höllenlärm auf den Zuschauerrängen, stand. Doch dann zog der für seine 32 Jahre erstaunlich agile Jose Antonio Reyes davon und legte Gameiro das 2:0 auf. Eine Minute später dribbelte sich der ebenfalls überragende Michael Krohn-Dehli in den FCB-Strafraum, flankte und fand wiederum Gameiro, der zum 3:0 traf und so das Achtelfinal-Duell entschied.

Nach dem gestern Gezeigten muss man davon ausgehen, dass der FCB auch ohne diesen Doppelschlag ausgeschieden wäre – Sevilla hätte den Druck in der zweiten Halbzeit weiter sehr hoch gehalten, irgendwann wäre Rot-Blau eingebrochen. Doch unmittelbar nach dem Spiel wurmte die FCB-Akteure das Fehlerfestival von der 43. bis zur 44. Minute am allermeisten. «Damit habe ich gerade so richtig, richtig zu kämpfen», sagte Urs Fischer. Sevilla sei zuvor zwar schon die bessere Mannschaft gewesen, doch seine Spieler hätten die Angelegenheit gut im Griff gehabt und dem Gegner keine zwingenden Torchancen zugestanden. «Doch dann haben wir uns zwei Mal einfach – ich kanns nicht anders sagen – sehr dumm angestellt. Und das wird auf diesem Niveau einfach bestraft.»

0:3 statt 0:1 stand es also zur Pause – und Fischer musste sich in der Kabine zurücknehmen, um nicht seinem Frust vor der Mannschaft freien Lauf zu lassen. «Es war einige Minuten sehr ruhig im Raum. Einen solchen Schock muss man erst einmal verdauen. Ich wusste, wie die Jungs sich fühlen, da bringt es nichts, den Hammer rauszuholen und noch weiter auf sie einzuprügeln.» In der zweiten Halbzeit ging es für die Basler um Schadensbegrenzung – für Fischer aber keine nennenswerten 45 Minuten mehr. Renato Steffen: «Wir wollten unbedingt vermeiden, abgeschlachtet zu werden.» Immerhin dies gelang – auch weil Sevilla mehr als zwei Gänge zurückschaltete.

Das Ende einer speziellen Reise

Nach 14 Spielen also nahm die diesjährige Europacup-Reise des FCB ein jähes, aber erwartetes Ende. 14 Spiele, auf die «wir stolz sein können. Nach dem Schock mit dem Ausscheiden in den Champions League Playoffs gegen Maccabi haben wir uns gefangen und eine sehr gute Gruppenphase gespielt», sagt Fischer. Heraus stechen dabei sicher der Auswärtssieg in Florenz und der erstmalige Gewinn einer Europacup-Gruppe (vor Florenz, Belenenses und Posen).

Das emotionale Highlight folgte im Sechzehntelfinal-Rückspiel gegen St. Etienne, als der FCB in der 90. Minute das 1:1 kassierte und somit ausgeschieden war, zwei Minuten später aber durch Luca Zuffi zurückschlug und unter grossem Jubel doch noch die angepeilten Achtelfinals erreichte. Marc Janko sagt: «Wir können mit erhobenem Haupt zurückblicken. Mit Sevilla hatten wir nun einen Gegner, dem wir in einem Spiel wie heute nichts entgegenzusetzen haben.»

Auch der Präsident blickte zurück. Und Bernhard Heusler nahm wie alle Basler das Ausscheiden mit Fassung. «Gegen Sevilla waren wir letztlich chancenlos. Aber jedes der 14 Spiele auf unserer Reise durch Europa war speziell auf seine Art.» Mit den heutigen finanziellen Verhältnissen im Klubfussball sei es für einen im Klub wie den FC Basel bereits ein Privileg, in einer K.o.-Phase überhaupt dabei zu sein. «Das ist ein elitärer Zirkel. Und wir waren nun zum sechsten Mal in Folge dabei. Darauf dürfen wir stolz sein.»

Ob das Verpassen der Champions League die Bilanz trübt? «Ich bin hin- und hergerissen. Natürlich war es damals eine grosse Enttäuschung. Aber dann haben wir in der Europa League so tolle Erfahrungen gemacht und Erfolge gefeiert, dass ich heute sagen kann: Ich möchte das Erreichte in der Europa League nicht eintauschen dagegen, in der Champions League Gruppenphase dabeigewesen zu sein.»

Meistgesehen

Artboard 1