EM 2016
Englands Fluch bleibt bestehen: Wieder kein Sieg im Auftaktspiel

Erstes Spiel, erster Dämpfer für England. Roy Hodgson und seine Mannschaft fühlen sich nach dem 1:1 gegen Russland wie die Verlierer. Gewinnen zum EM-Auftakt scheint für die «Three Lions» ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Jonas Schneeberger
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Konsternation bei Walker nach dem Schlusspiff: England schafft es wieder nicht ein Auftaktspiel zu gewinnen.

Konsternation bei Walker nach dem Schlusspiff: England schafft es wieder nicht ein Auftaktspiel zu gewinnen.

Keystone

Es ist wie verhext bei den Engländern. Nach wie vor warten sie auf einen Auftaktsieg an einer EM-Endrunde. Auch 2016, beim neunten Anlauf, sollte es nicht klappen. Diesmal trotz einer guten Leistung und Führung bis zur 92. Minute.

Die tonnenschwere Last auf den Schultern der «Three Lions», sie war auch gegen Russland phasenweise greifbar. Die Engländer begannen furios, spielten starke 90 Minuten mit Chancen zuhauf. Sie waren den Russen über weite Strecken überlegen. Doch vor dem gegnerischen Tor schien eine höhere Macht auf sie einzuwirken. Der Reihe nach scheiterten sie aus aussichtsreichen Positionen, vor allem in der ersten Halbzeit, in der sie sich ein klares Chancenplus und 9:1 Torschüsse herausspielten.

England 1:0 Russland
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Russland jubelt, England am Boden
Die Russen jubeln über den 1:1-Treffer in der Nachspielzeit

England 1:0 Russland

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Zum Unvermögen mischte sich auch noch Pech, besonders in der 71. Minute, als Wayne Rooneys Schuss, von Russlands Goalie Igor Akinfejew in extremis abgelenkt, an den Pfosten tropfte. Wegen der Ineffizienz mussten die seit 1966 titellosen Engländer einige Male froh sein, nicht sogar in Rückstand geraten zu sein.

Bezeichnenderweise war es mit Eric Dier ein Akteur aus dem defensiven Mittelfeld, der den längst fälligen Führungstreffer dann doch fertigbrachte. Er versenkte einen Freistoss, bei dem sich Akinfejew verspekuliert hatte. Bezeichnend auch, dass in der Nachspielzeit doch noch der Ausgleich fiel.

Am Ende stand ein 1:1, und Englands Coach Roy Hodgson sagte: «Es fühlt sich wie eine Niederlage an. Das ist eine ganz bittere Pille, die wir zu schlucken haben.» Der Trainer der Engländer hätte es nicht sagen müssen, sein Äusseres sprach Bände.

«Das ist Fussball», floskelte Captain Wayne Rooney nach der Partie. Offensichtlich ist Fussball nicht nur ein Spiel, bei dem 22 Spieler hinter einem Ball nachjagen und am Ende immer Deutschland gewinnt, wie Englands Ex-Nationalstürmer Gary Lineker einst sagte. Fussball ist auch, wenn England sein EM-Eröffnungsspiel nicht gewinnt.

Für Hodgson, der sich bereits wieder erste Kritik wegen einiger Personalentscheide gefallen lassen muss, geht es nun darum, seine Equipe bis zum zweiten Spiel am Donnerstag gegen Wales aufzurichten. Es dürfte nicht allzu schwer sein, weil die Engländer gegen Russland auch viel Positives zeigten, sie nach wie vor alle Möglichkeiten besitzen, und das Weiterkommen in der Gruppe B mit Russland, Wales und der Slowakei keine allzu grosse Schwierigkeit sein dürfte. Und auf der Bank sass ja noch Jamie Vardy. Freier im Kopf als der Stürmer von Meister Leicester City kann an dieser EM kaum einer sein.