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Ein Trainer mit Optionen ohne Ende – wen soll FCZ-Trainer Ludovic Magnin aufstellen?

Hat Ludovic Magnin am Vortag inkognito die Pressekonferenz der Young Boys besucht? Wer ihn am Donnerstagmittag reden hört, könnte tatsächlich glauben, der Trainer des FC Zürich sei in Bern gewesen.

Markus Brütsch
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Wer soll spielen? Angesichts des breiten Kaders hat der FCZ-Trainer freie Wahl. Keystone

Wer soll spielen? Angesichts des breiten Kaders hat der FCZ-Trainer freie Wahl. Keystone

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Dort hatten die Verantwortlichen dezidiert darauf hingewiesen, wie entscheidend es nun sei, sich nach dem Gewinn der Meisterschaft nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern hart weiterzuarbeiten. «Unsere Situation ist gefährlich. Es ist schwierig, einen Titelgewinn zu verdauen», sagt nun auch Magnin. «Ich habe dem Team gesagt, dass es den Cupsieg vergessen müsse.»

Der Romand spricht dabei aus eigener Erfahrung, ist er doch als Spieler mit Bremen und Stuttgart Meister geworden. Er schmunzelt: «Ich selber hatte immer Mühe nach grossen Erfolgen.» Er hofft nun einfach, dass die Mannschaft seine Botschaft verstanden hat und am Sonntag den FC Thun nicht auf die leichte Schulter nimmt.

Die Warnung

«Wir sind gewarnt, haben wir doch im Februar zu Hause beim Rückrundenauftakt gegen die Thuner 2:4 verloren», sagt Magnin. Damals allerdings noch unter der Regie des später entlassenen Uli Forte.

Wenn Magnin auf sein Kader zu sprechen kommt, gerät er ziemlich ins Schwärmen. «Weil wir die Gruppenphase der Europa League bestreiten, haben wir unser Kader vergrössert», unterstreicht Magnin, dass der FCZ auch auf der internationalen Bühne sehr ambitioniert auftreten wird. Vorerst aber hat das gut dotierte Aufgebot den Vorteil, dass der Konkurrenzkampf gross ist.

Jeder muss seine Rolle akzeptieren

Auch, weil es noch keine Verletzungssorgen gibt. «Ich habe Optionen ohne Ende», jubelt Magnin, «sodass es sogar für mich schwierig wird, die Richtigen auszuwählen.» Er bescheinigt seinem Kader eine grosse Ausgeglichenheit. Es gebe keinen, der abfalle.

Magnin weiss um das Unruhepotenzial angesichts dieser Konstellation und bereitet die Spieler auf mögliche Härtefälle vor. «Jeder muss seine Rolle akzeptieren, auch wenn er einmal nicht so zum Zuge kommt, wie er möchte.»

Top 3 als Saisonziel

Was das Saisonziel betrifft, spricht der Trainer Klartext: «Wir wollen unter die Top 3 und fussballerisch einen Schritt nach vorne machen.» Der FCZ will sich nicht mit der Vormachtstellung des FCB und von YB abfinden. «Wir hatten 35 Punkte Rückstand auf den Meister. Das widerspiegelt das Stärkeverhältnis nicht.

Wir wollen die Differenz verkürzen», sagt Magnin. Welche der Neuverpflichtungen, ob Hakim Guenouche (von Nancy), Salim Khelifi (Eintracht Braunschweig), Hekuran Kryeziu (Luzern), Andreas Maxsø (Osmanlispor) oder Becir Omeragic (Servette U18), sich bereits einen Stammplatz erkämpft haben, wollte Magnin indes nicht verraten.

Kein Interesse an der WM

Sportchef Thomas Bickel sagt, es werde noch die eine oder andere Veränderung im Kader geben. «Wir wissen, wo es noch Bedarf gibt.» Präziser möchte er nicht werden. Er und Magnin sind aber zufrieden, wie sich der FCZ in den letzten Monaten entwickelt hat. «Beim Trainingsbeginn begrüssten wir dreizehn Spieler mit Jahrgang 1997 und jünger», sagt Bickel. An der Philosophie, auf Junge zu setzen, wird beim FCZ nicht gerüttelt. «Man muss aber die Kirche schon im Dorf lassen», warnt Magnin.

AZ

«Viele haben noch nie Erwachsenenfussball gespielt, sind noch nicht einmal für die U21 aufgelaufen. Diese Spieler müssen behutsam an den Profifussball herangeführt werden.» Auf die Frage, ob die vergangene WM eine Erkenntnis geliefert habe, die ihm bei der Arbeit mit dem FCZ weiterhelfen könnte, schlägt Magnin die Hände über dem Kopf zusammen. «Um Himmelswillen! Die WM hat mich nicht besonders interessiert. Das ist ein anderer Sport. K.-o.-Spiele und eine Meisterschaft sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Frankreich ist Weltmeister mit einem Mittelstürmer geworden, ohne dass dieser ein Tor erzielte. «Das ist nicht unsere Idee von Fussball.»

Magnin, wie er leibt und lebt.

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