Natürlich wäre Djibril Sow vor einer Woche beim grossen Spiel in der Heimat gerne dabei gewesen. Bei der so wichtigen Playoff-Partie zur Champions League gegen die Young Boys in Bern. Doch nachdem Trainer André Schubert sein Aufgebot für den Trip in die Schweiz bekannt gegeben und Sows Name nicht auf der Liste gestanden war, hielt sich die Enttäuschung beim Schweizer in Grenzen.

«Ich habe ja gewusst, dass es eng wird, denn wir haben unglaublich viele gute Spieler im Kader», sagt Sow. So hat er sich den 3:1-Sieg der Borussen halt im Fernsehen angeschaut und ist sich sicher, dass sein Team im Rückspiel vor eigenem Publikum nichts mehr anbrennen lässt.

Djibril Sow

Djibril Sow

Dass er auch heute Abend höchstwahrscheinlich nicht mit den Gladbachern aufläuft, bereitet ihm keine Sorgen. Als er im Sommer 2015 im Alter von 18 Jahren nach Deutschland kam, da hatte er sich zum Ziel gesetzt, es ein Jahr später ins Kader der ersten Mannschaft zu schaffen. Und dies ist ihm gelungen. Am Wochenende hatte er jeweils mit der U23 in der Regionalliga gespielt, unter der Woche mit den Profis trainiert.

«Von der zweiten Mannschaft des FC Zürich direkt zu einem Bundesligateam zu kommen, war am Anfang schon eine Umstellung», erzählt Sow, «doch ich brauchte nicht lange, um mich einzuleben.» Er hatte mit dem FCZ bereits 20 Partien in der Promotion League absolviert und kannte sich im Männerfussball also aus. «Die Regionalliga ist physisch auf Challenge-League-Niveau, spielerisch entspricht sie der Promotion League», sagt Sow.

Keine Chance beim FCZ gesehen

In den ersten Wochen war noch Lucien Favre sein Trainer und dieser sagte: «Ich habe Djibril zuvor nicht gekannt, bin aber überrascht von seinen Qualitäten.» Die Mönchengladbacher Scouts hatten das Talent schon eine ganze Weile auf dem Radar gehabt. «Bei der U17-EM 2014 haben sie mich gesehen und dann ein Jahr lang beobachtet», sagt Sow.

Für eine Ablösesumme von 1,5 Millionen Euro ist er zur Borussia transferiert worden, und weil mit Nico Elvedi ein guter Freund den gleichen Weg ging, machte dies den Abschied von der Familie und vom Verein, bei dem er alle Juniorenstufen durchlaufen hatte, leichter. Da mit Dimitri Oberlin und Francisco Rodriguez noch zwei weitere junge Zürcher den Klub verliessen, stellte sich die Frage nach dem Warum. «Wir hatten das Gefühl, dass es beim FCZ für junge Spieler» eher schwierig ist, sagt Sow. Sie alle vermissten mit Ausnahme von Elvedi die Chance, in der ersten Mannschaft Fuss zu fassen.

Während Rodriguez bei Bielefeld um einen Platz kämpft, Oberlin in der österreichischen Bundesliga die Torjägerliste anführt und Elvedi bei der Borussia ein Stammspieler ist, sieht sich auch Sow auf einem guten Weg. «Ich bekomme viele positive Rückmeldungen von den Trainern. Man darf nicht vergessen, dass ich bei einem Topverein in Deutschland und erst 19 Jahre alt bin.»

Gute Vorbereitung

In den Vorbereitungsspielen hat er als offensiver Mittelfeldspieler drei Tore erzielt. «Es ist schon verrückt. Als ich noch klein war, bewunderte ich beim FCZ Raffael, und jetzt bekomme ich von diesem Spieler einen Assist zu einem Tor», sagt Sow. Von Trainer Schubert hat er Lob bekommen: «Djibril hat viele Fähigkeiten: Eine unheimliche Dynamik in seinem Spiel, wenn er mit dem Ball am Fuss beschleunigt oder Läufe in die Tiefe macht. Er ist auch im Abschluss cool.»

Seine Schnelligkeit hat Doppelbürger Sow – die Mutter ist Schweizerin, der Vater Senegalese − wohl von seinem afrikanischen Papa geerbt. Schubert hat aber auch gesagt: «Es gibt schon noch einige Dinge, an denen er arbeiten muss.»

Ein Aufgebot für die Nati

Das weiss auch der Youngster, der von Claude Ryf ein Aufgebot für die kommenden Länderspiele mit der Schweizer U20 gegen Polen erhalten hat. Dass der Borussia-Kader mittlerweile auch in der Breite eine unheimliche Qualität hat, stört Sow nicht. «Konkurrenz macht einen doch nur besser. Ich warte auf meine Chance und weiss, dass diese kommen wird.» Ende der letzten Saison stand er gegen Darmstadt immerhin schon mal im Bundesligaaufgebot. Nach dem Vorbild von Elvedi will sich auch Sow durchbeissen: «Eine Ausleihe ist im Moment kein Thema.» Elvedi macht ihm Mut: «Djibril ist nicht nur ein guter Freund, sondern auch ein guter Fussballer. Er hat viel Qualitäten, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er seinen Durchbruch schafft.»

Sow, der eine eigene Wohnung hat und die Freizeit mit Elvedi und anderen jungen Fohlen verbringt, schätzt es, dass mit Yann Sommer und Josip Drmic noch weitere Schweizer bei der Borussia engagiert sind. «Es ist schön, ab und zu mal wieder in der Muttersprache zu sprechen», sagt Sow.