Als alles vorbei ist, da singen die beiden Fankurven einfach immer weiter. Hier die Basler, glücklich über einen rundum gelungenen Auftritt ihres FCB. Da die Berner, die in ihrer Meisterfreude das soeben erlittene 1:5 ihrer Young Boys einfach ignorieren. Noch einmal grüssen sie ihren Helden Marco Wölfli, mittels Spruchband und angelehnt an einen Song von Züri West: «Ä härzleche Applaus däm autä Goalie». Am Ende dieses Fussball-Nachmittags sind also alle irgendwie in guter Stimmung. Hier im kleinen Bild. Da im grossen Bild.

Man darf den Besuch des neuen Meisters beim alten durchaus unterschiedlich interpretieren. Manche mögen sich erste Zeichen erhoffen für die nächste Saison. Für die Mission Titelverteidigung oder Titel-Rückeroberung. Andere sehen maximal ein gewöhnliches Fussballspiel, weil es um nichts mehr geht. FCB-Trainer Raphael Wicky sagt beispielsweise: «Das war keine Kampfansage oder so etwas Ähnliches. Das Ziel ist klar: Wir wollen den Pokal zurückholen. Aber das hat nichts mit diesem Spiel zu tun.»

Als die 90 Minuten noch bevorstehen, überreicht Marek Suchy im Namen des
FC Basel Steve von Bergen Blumen. Als Gratulation für den gewonnenen Titel. Mehr als die Blumen lässt der FCB seinem Kontrahenten an diesem Nachmittag aber nicht. Im Gegenteil. Er überrollt ihn. Basel hätten gar mehr als fünf Tore gelingen können.

YB und der Spannungsabfall

Für YB musste sich dieses Spiel ziemlich komisch anfühlen. Es war, als wären die Berner gar nicht richtig auf dem Platz gestanden. Sie wirkten träge, gedanklich stets einen Schritt langsamer, verloren viele Zweikämpfe.

Als man sah, auf welche Art und Weise der sonst in dieser Saison überragende Nuhu nach wenigen Sekunden den Ball verlor, hinterhertrabte und nur noch zuschauen konnte, wie Elyounoussi seinen Slalomlauf mit dem 1:0 für den FCB abschloss, bekamen die Zuschauer eine erste Ahnung, wie sich das Spiel entwickeln könnte.

In allen Belangen unterlegen

YB-Trainer Adi Hütter gab sich im Anschluss aber versöhnlich mit seiner Mannschaft: «Ich denke, ich darf auch einmal meine Hand über die Mannschaft legen. Wir haben erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit verloren, nach 22 ungeschlagenen Spielen, wenn man die Vorbereitung mitzählt – das kann passieren.» Und er fügte an: «Wir waren in allen Belangen unterlegen.

Es war offensichtlich, dass die Spannung im Moment draussen ist.» Bei niemandem war das offensichtlicher als bei Nuhu. Nach 34 Minuten wechselte ihn Hütter aus.
Vom Spannungsabfall nach dem vollbrachten Meistertitel wurde auch der FC Basel letztes Jahr nicht verschont. Doch rechtzeitig für den Cupfinal gelang der Turnaround. Nun hoffen die Berner, dass ihnen dies ebenfalls gelingt. Etwas mehr als zwei Wochen (und ein Meisterumzug dazwischen) verbleiben bis zum Cupfinal am 27. Mai gegen den FCZ.

15 Tore in drei Spielen

Und der FCB? Er darf natürlich einige positive Aspekte aus diesem 5:1-Sieg gegen den Rivalen mitnehmen. Es war ein hervorragender Auftritt. Mit viel Tempo im Spiel. Die Kombinationen gelangen. Der Betrachter hatte stets das Gefühl, jeder weiss genau, was er tun muss und vor allem, was seine Nebenleute tun. «Für mich ist dieses Spiel einfach eine Bestätigung der guten Entwicklung in den letzten zwei Monaten», sagte Wicky. Aber er relativierte auch: «Wir werden uns nicht blenden lassen von den vielen Toren der letzten Wochen. Das wird nicht immer so bleiben.» 15 FCB-Tore fielen alleine in den letzten drei Partien.

Die Revanche des entthronten Meisters ist gestern geglückt. Aber wie wird das in der nächsten Saison sein? Findet der FCB zurück zur Dominanz? Vermag YB, eine zweite derart starke Saison anzuhängen? Gibt es ein echtes Duell bis zum Schluss? Einen Ausblick will noch niemand wagen. Etwas hingegen äussert Trainer Wicky in aller Deutlichkeit. «Ich wünsche mir, dass sich so wenig wie möglich ändert an diesem Kader.» Das ist mehr als verständlich. Denn es ist nicht erst seit gestern offensichtlich, dass es Wicky tatsächlich gelungen ist, sein Team nach der Krise im Winter wieder aufzurichten und in die richtige Spur zu manövrieren.