Sieben YB-Tore, sieben verschiedene Berner Torschützen, siebter Sieg im siebten Spiel für den unangefochtenen Leader der Super League. Dazu Basel, den selbst ernannten ersten Rivalen auf den Meistertitel, auf Tabellenplatz sieben abgeschoben. Die Sieben ist ja bekanntlich eine magische Zahl.

Doch, um zu glauben, was sie da am gestrigen Nachmittag erlebt hatten, richteten die verzauberten YB-Fans im ausverkauften Stade de Suisse ihren Blick nach Abpfiff immer wieder fragend in Richtung Videoleinwand. 7:1 steht da gelb auf schwarz. Ein Erinnerungsfoto des historischen Moments soll das Unfassbare realer werden lassen.

90 Minuten vorher sollte es noch ein Spitzenspiel werden. Der Vizemeister aus Basel wollte Leader YB ein Bein stellen und den Vorsprung in der Tabelle verringern, die Meisterschaft wieder etwas spannender machen. Doch dazu kommt es nicht. YB demontiert den FCB. 30 Minuten lang kann Basel mithalten.

Unendliche Kraftreserven

30 Minuten lang sieht es so aus, als sei YB doch noch ein wenig müde von der Champions League unter der Woche. Doch dem ist nicht so. Im Gegenteil: Die Doppelbelastung scheint YB zu beflügeln. «Nichts kann uns ermüden. Wir haben unendliche Kraftreserven im Tank», erklärt YB-Verteidiger Loris Benito.

YB hat schnell gelernt. Am Mittwoch rannten die Berner gegen Manchester United noch ungestüm an und lagen zur Pause doch mit 0:2 zurück. Jetzt überlassen sie dem FC Basel in der Anfangsphase den Ball und schlagen in United-Manier zweimal eiskalt zu.

«Das was uns am Mittwoch gefehlt hat, wollten wir in der Super League besser machen. Wir wussten, dass die Entschlossenheit in beiden Strafräumen entscheidend sein wird», sagt YB-Trainer Gerardo Seoane nach dem Spiel. Und tatsächlich. Zwei Standards, bei denen der FC Basel zu wenig clever verteidigt, führen zu zwei Toren.

Erst trifft Christian Fassnacht (33.) nach einer Sulejmani-Ecke per Kopf zur Führung. Dann trägt sich Miralem Sulejmani (42.) per direktem Freistoss auch noch selber in die Torschützenliste ein. Unglücksrabe beim FC Basel ist bei beiden Treffern Fabian Frei, der Fassnacht beim Corner zugeteilt ist und später den Freistoss unhaltbar ins Torwarteck abfälscht.

Genickbruch und Platzverweis

Der Basler Genickbruch folgt sieben – schon wieder sieben – Minuten nach der Pause. Wieder hält Basel nach einer Ecke körperlich nicht dagegen. Mohamed Camara schraubt seine 1.91 Meter in die Höhe und köpft ein. Schon vor einer Woche im Cup gegen Schaffhausen hatte der Neuzugang getroffen. Jetzt ist die Gegenwehr vollends gebrochen. Bei Basel wird geschimpft und gehadert, YB dagegen spielt seine Angriffe souverän runter.

Einen katastrophalen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung des bis dahin besten Baslers Geoffroy Serey Die verwertet Guillaume Hoarau zum 4:0 für YB. Zwei Minuten später brennen Basels Eder Balanta die Sicherungen durch. Eine Frust-Grätsche von hinten in die Beine von Nicolas Ngamaleu bestraft Schiedsrichter Fedayi San zurecht mit glatt Rot.

Zerfallserscheinungen

In Unterzahl ergibt sich der FCB seinem Schicksal. Statt Schadensbegrenzung zu betreiben, spielt Basel naiv auch zu zehnt weiter auf das YB-Tor. Zwar gelingt dem FCB aufgrund dieser Spielweise der Ehrentreffer durch Ricky van Wolfswinkel (75.). Doch auf der Gegenseite bekommt auch YB gegen das offene Basel drei weitere Treffer geschenkt.

Michel Aebischer (70.), Leonardo Bertone (80.) und Roger Assalé (89.) werden von der Rotblau-Defensive zum Toreschiessen geradezu eingeladen und nehmen dankbar an. Assalé darf sogar beinahe mit dem Ball über die Linie laufen.

Wenig später ist das 7:1 Tatsache. YB füllt die Rolle des Vorboten von Sturmtief Fabienne, das zu allem Übel anschliessend ebenfalls noch über Basel ziehen sollte, perfekt aus und fegt über den FCB hinweg. Der einstige Dominator Basel liegt nach der historischen 1:7-Klatsche am Boden und muss eingestehen, dass er YB momentan schlicht und einfach nicht gewachsen ist.