Nicolas Unternährer ist einer von vier Physiotherapeuten, die für den FCB arbeiten. Auf Einladung des Trägervereins der Kulturwerkstatt berichtete er am Freitagabend erstmals öffentlich von seinem Job. Damit hat es der 41-Jährige, der in Laufenburg aufgewachsen ist und bis heute dort wohnt, weit gebracht.

Kurz und steil war die Karriere des Mannes, der 1999 die Physiotherapieschule im deutschen Bad Säckingen absolvierte und dann schnell im Profifussball Fuss fasste: 2004 FC Aarau, 2005 bis 2009 FC Zürich und seit sechs Jahren nun bei dem im Fricktal so populären Club.

200 festangestellte Mitarbeiter, mehr als 100 Millionen Franken-Umsatz und eine erste Mannschaft aus aller Herren Ländern – Unternährer hat mit seiner Anstellung in Basel schweizweit wohl den Zenit seiner Laufbahn erreicht.

Und dafür muss er auch Opfer bringen. Seine Frau und seine drei Kinder sehen ihn mitunter nur selten. Hotelaufenthalte, Auswärtsspiele, Trainingslager wie in diesem Jahr in Marbella – überall sind Unternährer und seine drei Kollegen mit von der Partie. Obwohl – das mit den vielen Hotelaufenthalten sei unter Trainer Murat Yakin noch schlimmer gewesen, erzählte der Laufenburger. Jetzt, mit Paulo Sousa, könne er mehr Zeit mit der Familie verbringen.

Aber – das nahmen die Zuhörer aus dem Vortrag mit: Mit dem FC Basel hat Unternährer eine Zweitfamilie, die ihn nicht minder fordert. Wie viele Stunden er mit ihr verbringt, vermochte er auf Nachfrage aus dem Publikum nicht einmal zu beziffern. Dafür gibt es einfach zu viele Unbekannte in seinem Job: Wer ist gerade verletzt und wie schwer? Wer kommt aus dem Heimaturlaub mit Übergewicht zurück? Wie viele müssen zur Doping-Kontrolle?

Und wer glaubte, der Job des Physiotherapeuten bestehe lediglich darin, am Boden liegende Spieler mit ein paar Handgriffen wieder aufstehen zu lassen, wurde auch eines Besseren belehrt. Spezialisten wie Unternährer sind nicht nur bei akuten Blessuren gefordert. Sie kümmern sich auch längerfristig um verletzte und angeschlagene Spieler. Sie machen diese konditionell und spielerisch wieder fit, kümmern sich um deren Ernährung und betreiben Prävention, auf dass schwere Verletzungen möglichst erst gar nicht entstehen. Allein herauszufinden, wo der Schuh drückt, ist in einer Multikulti-Mannschaft wie jener des FC Basel schon Herausforderung genug – bei dem Sprachengewirr.

Aber die Spieler, auch das hörte man aus Unternährers Worten heraus, schätzen ihre Physiotherapeuten, vertrauen sich ihnen mitunter eher an als dem Trainer, sehen in ihnen oft die Ersatzmami. Unternährer: «Ich sage zu den Spielern immer: Kommt lieber gleich zu mir, wenn eure Wehwehchen noch klein sind.» Dann können sie am schnellsten wieder spielen. Dann fallen sie für den Verein kein halbes Jahr aus.