Frauenfussball

Ein 1:1 gegen Belgien reicht – Schweizer Frauen Nati in der WM-Barrage eine Runde weiter

Die Schweizer Frauen Nati hat die erste Hürde in der WM-Barrage gemeistert. Nun wartet Holland.

Die Schweiz erkämpft sich im Rückspiel gegen Belgien ein 1:1-Remis und zieht damit in den Barrage-Final ein. Die letzte Hürde auf dem Weg zur WM in Frankreich ist allerdings niemand Geringerer als Europameister Holland.

Martina Voss-Tecklenburg schritt auf die vierte Offizielle zu, streckte ihr zwei Finger entgegen und sagte energisch: «The second time!» – das zweite Mal. Was die Trainerin der Schweiz meinte, waren zwei Rempler gegen Ramona Bachmann, die nicht geahndet worden waren. Kurz darauf lag Bachmann wieder am Boden, diesmal erhielt sie den Foulpfiff zugesprochen und leitete damit jene Aktion ein, die wegweisend sein sollte. Lara Dickenmann zirkelte den folgenden Freistoss in die Mitte, eine Belgierin klärte per Kopf nur ungenügend und Géraldine Reuteler verwertete den Abpraller per Volley sehenswert ins Netz.

Der 1:0-Führungstreffer in der 23. Minute war damit eine Zentralschweizer Co-Produktion der Luzernerinnen Bachmann und Dickenmann sowie der Nidwaldnerin Reuteler. Und es war jene Aktion, welche die Schweizerinnen weiter auf die Teilnahme an der WM in 2019 in Frankreich hoffen lässt. Am Ende genügte dieser eine Treffer nämlich zum Weiterkommen. Den Belgierinnen gelang in Biel zwar noch das 1:1, nach dem 2:2 im Hinspiel schieden sie aber aufgrund der Auswärtstoreregel aus.

Eine Zitterpartie

Bis der Erfolg in trockenen Tüchern war, mussten die Gastgeberinnen allerdings leiden. Denn eigentlich hätten sie bereits früher alles klar machen können, ja müssen. Belgien stellte zur Pause in der Verteidigung auf eine Dreierkette um, erhöhte in der Vorwärtsbewegung das Risiko, was allerdings nicht zu eigener Torgefahr, sondern vor allem zu Schweizer Kontern führte. Ramona Bachmann, die 27-jährige Chelsea-Spielerin aus Malters, sorgte mit ihrem explosiven Antritt regelmässig für Unruhe im gegnerischen Defensivverbund. Doch so schön ihre Tempodribblings anzusehen waren, so kritisch muss festgehalten werden, dass sie mit ihren Möglichkeiten zu fahrlässig umging.

Vielleicht vermisste sie auf dem Platz ihre Lebenspartnerin Alisha Lehmann, der sie in Belgien beide Tore aufgelegt hatte, die gestern aber kurz vor dem Anpfiff wegen einer allergischen Reaktion auf ein Antibiotikum passen musste. Und so geschah, was bei einer so knappen Führung immer passieren kann. Der Kontrahent schöpfte dank seiner ersten, wirklich gefährlichen Offensivszene neuen Mut: Bei einer hohen Flanke in den Strafraum griffen weder Goalie Gaëlle Thalmann, noch eine Abwehrspielerin ein. Tine De Caigny bedankte sich und spedierte den Ball in der 77. Minute mit einem Kopfball über die Linie.

«Wir haben es versäumt, das 2:0 zu machen, obwohl wir grossartige Möglichkeiten dazu gehabt hätten. So haben wir nochmals viel Nerven und Energie aufwenden müssen», fand Nationaltrainerin Voss-Tecklenburg nach Spielschluss. Ihr, der 50-jährigen Deutschen, war anzumerken, wie sehr sie gelitten hatte. Wäre die Schweiz ausgeschieden, hätte sie sich nach sechs Jahren und acht Monaten vom Schweizer Nationalteam verabschieden müssen. Nächstes Jahr wird sie das Coaching von Deutschlands Frauenauswahl übernehmen. Die nun sichtlich ermüdeten Belgierinnen waren letztlich aber nicht mehr in der Lage zuzulegen.

18-jährige Gut verteidigt überragend

Die Schweiz verdiente sich das Weiterkommen mit einer gut organisierten, solidarischen und aggressiven Abwehrleistung. Herausragend war dabei die erst 18-jährige Malin Gut, die in ihrem zweiten A-Länderspiel kaum einen Zweikampf und auch keinen Ball verlor. Sie und die 19-jährige Reuteler ragten aus dem Kollektiv heraus und stehen für die guten Perspektiven, die der Schweizer Frauenfussball weiterhin hat. «Das macht mich stolz», hielt Voss-Tecklenburg fest.

So richtig stolz dürfte sie indes erst sein, wenn sie mit der Schweiz nach der WM 2015 und der EM 2017 noch die Qualifikation für eine dritte Endrunde schafft. Der Gegner im November im Barrage-Final ist allerdings kein Geringerer als Europameister Holland. «Sie sind der Topfavorit», sagte Voss-Tecklenburg. «Aber wir sind da, nehmen die Herausforderung an und werden nicht kampflos aufgeben.»

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