Fünf WM-Spiele, fünf Siege, vierzehn Tore erzielt; Brasilien geschlagen, keine Verletzungssorgen, seit 24 Partien ungeschlagen und erstmals seit 1986 in einem Halbfinal: Die Perspektiven der Belgier sind glänzend. Wer will es ihnen da verargen, dass sie auf Tutti gehen? An Selbstverständnis fehlt es ohnehin nicht. Der brillante Offensivspieler Eden Hazard hatte schon vor der WM erklärt, dass es an der Zeit sei, etwas Grosses zu erreichen, und sich weit aus dem Fenster gelehnt: «Belgien kann Weltmeister werden.»

Jetzt, 450 Spielminuten später, sagt auch Teamkollege Kevin De Bruyne: «Natürlich wollen wir in den Final. Diese Chance erhält man nur einmal im Leben.»

Das Sahnehäubchen

Hazard und De Bruyne – es wäre den übrigen Belgiern unrecht getan, die beiden als Alleinverantwortliche für den Höhenflug hinzustellen. Man denke nur an den glänzenden Goalie Thibault Courtois oder den nicht zu bremsenden Stürmer Romelu Lukaku. Aber das fussballerische Sahnehäubchen der Belgier sind Hazard und De Bruyne schon. Der eine ist Wallone, der andere Flame und beide werden vom Katalanen Roberto Martinez unter einen Hut gebracht. Der Trainer schert sich nicht um die Befindlichkeiten der verschiedensprachigen Volksgruppen. «Ich spreche die Sprache des Fussballs», sagt er dazu.

Das tun auch Hazard und De Bruyne; vor allem auf dem Platz. Seit Martinez Hazard als Kompany-Stellvertreter fest zum Captain ernannt hat, blüht der 27-Jährige auf. Er ist derart voller Tatendrang, dass er es auch mal übertreibt. Wie zum Beispiel im WM-Testspiel gegen Costa Rica, als sich Mitspieler Carrasco einen weiten Ball erlief, Hazard angerannt kam und den Kollegen einfach wegschubste, um die Kugel selber zu übernehmen.

Die Kritiker sind verstummt

Doch Hazard ist der unbestrittene Chef des Teams und spielt derart gut, dass Wortspiele mit seinem Vornamen Hochkonjunktur haben: Eden spielt paradiesisch. Mitspieler Toby Alderweireld schwärmt: «Wir sehen den besten Eden aller Zeiten.» Courtois sagt: «Er ist auf dem Zenit seines Könnens.» Verstummt sind die Kritiker, wie der frühere Nationalgoalie Jean-Marie Pfaff, der geätzt hatte: «Eden dribbelt viel zu viel. Er spielt nur für sich.»

Hazard, der seit sechs Jahren für den FC Chelsea aufläuft, ist der Älteste von vier Brüdern. Thorgan (25) spielt bei Borussia Mönchengladbach, ist ebenfalls Nationalspieler und in Russland bisher in zwei Partien zum Einsatz gekommen. Kylian (22) hat zwei Jahre bei Ujpest in Ungarn gespielt und sucht nun ebenfalls bei Chelsea sein Glück. Ethan (15) schliesslich kickt im Nachwuchs von Turbize. «Es ist mein Traum, einmal mit allen drei im Nationalteam zu spielen», sagt Eden, der selbst Vater von drei Söhnen ist. Und im Vorfeld der Partie gegen Frankreich verraten hat, dass er in seiner Kindheit, vor allem bei der WM 1998, der Equipe Tricolore die Daumen gedrückt habe. «Damals schwärmten wir sogar mehr für Frankreich als für Belgien.»

Gleich nach Messi

Es gab Zeiten, da kamen sich Hazard und Kevin De Bruyne auf dem Rasen ins Gehege. Unter Martinez ist die Abstimmung besser. Selbst jetzt, nachdem er De Bruyne ins offensive Mittelfeld vorgezogen hat, passt es zwischen den beiden.

Auch De Bruyne war einmal bei Chelsea unter Vertrag gestanden, von Trainer José Mourinho aber verschmäht worden. Er zeigte in Bremen und Wolfsburg danach so gute Leistungen, dass ihn im August 2015 Manchester City für 55 Millionen Pfund mit einem Sechsjahresvertrag an sich band. Dessen Trainer Pep Guardiola sagte: «Lionel Messi steht über allen. Aber De Bruyne sitzt gleich am Nebentisch.»

Als in der letzten Saison Stoke City gegen ManCity 2:7 verlor, sagte Trainer Mark Hughes: «Für mich ist De Bruyne den restlichen Spielern der Premier League weit voraus.» Kein Wunder, nennen sie ihn in Belgien den «Weissen Pelé». Ihn und Hazard in einem Team zu haben, muss für einen Trainer wie Roberto Martinez das Paradies sein.