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Durchzogene WM-Testspiele: Die personellen Fragezeichen bleiben

Die Schweizer Nationalspieler haben gegen Jamaika und Peru die Erwartungen erfüllt. Jetzt warten andere Aufgaben. Keystone

Die Schweizer Nationalspieler haben gegen Jamaika und Peru die Erwartungen erfüllt. Jetzt warten andere Aufgaben. Keystone

Die Schweizer Nati hat gegen Jamaika und Peru die Erwartungen erfüllt. Doch sie haben noch viel Luft nach oben. Die Siege sollten sie nicht überbewerten. Jetzt warten andere Aufgaben.

Ein 2:2 gegen Kroatien Anfang März, ein 1:0 gegen Jamaika und ein 2:0 gegen Peru: Das sind andere Voraussetzungen, um ein grosses Turnier in Angriff zu nehmen, als vor vier Jahren.

Damals hatte die SFV-Auswahl mit blutleeren Auftritten gegen Uruguay (1:3) und Costa Rica (0:1) für Verwunderung gesorgt, die Wogen glätteten sich wenige Tage vor dem Flug nach Südafrika mit dem 1:1 gegen Italien dann immerhin etwas.

Von Unruhen ist diesmal nicht einmal im Ansatz die Rede. 2014 kann Trainer Ottmar Hitzfeld nach dem ersten Teil der WM-Vorbereitung eine positive Bilanz ziehen: «Es war wichtig, dass wir trotz intensiver Trainingseinheiten zwei Spiele gegen Gegner gewinnen konnten, die ähnlich spielen wie Ecuador und Honduras.»

In Weggis wurde in den letzten anderthalb Wochen die konditionelle Basis für die WM 2014 gelegt, die beiden Testspiele in Luzern sollten der Standortbestimmung und Feinabstimmung auf dem Platz dienen.

Eine Erkenntnis ist die, dass bei den Feldspielern noch Luft nach oben vorhanden ist. «Wir sind noch nicht bei 100 Prozent», sagte Admir Mehmedi.

Das sei aber auch nicht das Ziel gewesen, betonten die Spieler und der Trainer. «Wir haben noch Arbeit vor uns. Aber es war wieder ein Schritt vorwärts», fand Stephan Lichtsteiner.

Gute physische Verfassung

Positiv zu bewerten ist die physische Verfassung des Schweizer Teams. Gegen Peru erhielt die Mannschaft einen Vorgeschmack darauf, was sie in der Auftaktpartie gegen Ecuador erwartet.

Dem harten Einsteigen der Peruaner hielten gerade die in Italien engagierten Spieler (Gökhan Inler, Valon Behrami, Stephan Lichtsteiner) ebenso engagiert dagegen.

Später kam erneut zum Tragen, dass die Schweiz über Kondition und Geduld verfügt. Sie erspielte sich ihre besten Chancen in der Schlussphase und entschied die Partie wie schon gegen Jamaika dann, als der Gegner müder und unkonzentrierter wurde.

Immer wieder hatte die Schweizer Delegation während des Trainingslagers in Weggis die Wichtigkeit des Ballbesitzes betont. Den Ball zu halten anstatt ihm hinterherzujagen werde in Brasilien bei den ungewohnten klimatischen Verhältnissen gerade gegen Ecuador und im womöglich entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen Honduras zum nicht zu unterschätzenden Faktor. In den beiden Tests in Luzern kamen die Schweizer auf hohe Werte. Insofern erfüllten sie diesbezüglich die Erwartungen zur Zufriedenheit aller Beteiligten.

Bälle früher abfangen

Bis zum ersten WM-Spiel am 15.  Juni in Brasilia bleibt der Mannschaft noch Zeit, um an der Justierung, an den Details, zu arbeiten. Ein Manko nannte Lichtsteiner, der mit dem 1:0 gegen Peru für den Durchbruch gesorgt hatte.

«Wir sind zu weit auseinander gestanden. Zwischen Abwehr und Sturm hatte es zu viel Platz», sagte der Rechtsverteidiger.

«Der Gegner konnte nach zweiten Bällen jeweils seine Konter starten.» Das gelte es in Brasilien bei 30 Grad zu vermeiden, um nicht jedes Mal 80 Meter nach vorne und dann wieder 80 Meter zurücksprinten zu müssen. «Diese Bälle müssen wir früher abfangen.»

Ein Fragezeichen ist auch nach den Testspielen hinter zwei personellen Angelegenheiten anzubringen: Welchen Einfluss nimmt der fragile körperliche Zustand auf die Leistungen von Fabian Schär?

Der FCB-Spieler hatte Knieprobleme, fiel für längere Zeit aus. Später kam noch eine Verletzung am Fuss dazu.

Schär griff so erst spät wieder ins Geschehen beim FC Basel ein. Ein weiteres Fragezeichen ist auch Granit Xhaka.

Wird er tatsächlich auch weiterhin die Rolle als zentraler offensiver Mittelfeldspieler einnehmen?

Im Fall von Schär war vor allem in der ersten Halbzeit gegen Peru nicht zu übersehen, dass der Basler Innenverteidiger den einen oder anderen Fehlpass und Stellungsfehler verzeichnete.

Das mag auf Unsicherheit nach seinen Knieproblemen im Lauf der abgelaufenen Saison zurückzuführen sein. In den Tests blieben sie unbestraft, an der WM könnten ähnliche Aussetzer aber gravierende Folgen haben.

Shaqiri wohl in der Startelf

Bleiben alle Spieler von Verletzungen verschont, so dürfte die Startaufstellung gegen Ecuador fast identisch sein mit jener gegen Peru.

Zu rechnen ist natürlich wieder mit Xherdan Shaqiri, der am Dienstag zunächst noch geschont wurde. In der Startformation hat es daher wohl keinen Platz für Admir Mehmedi, auch wenn sich dieser als so etwas wie der Gewinner der ersten Phase der WM-Vorbereitung sehen kann.

Kein anderer Spieler darf sich ähnlich grosse Hoffnungen machen, in den fast geschlossenen Kreis der Stammspieler einzudringen.

«Ich habe in den letzten zehn Tagen einen klaren Schritt vorwärts gemacht», sagte der Zürcher in Diensten des SC Freiburg. «Ich denke, ich konnte dem Trainer zeigen, dass ich parat bin – egal, ob ich links oder zentral spiele.»

Am Freitag findet im Stadion Letzigrund in Zürich das letzte öffentliche Training der Schweizer Nationalmannschaft statt. Anschliessend werden Shaqiri, Lichtsteiner und Co. spätabends nach Brasilien fliegen.

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