Schweizer Nati
Drei Erkenntnisse nach dem 1:1 gegen Brasilien – und die Frage: Sind unsere Stürmer gut genug?

Die Schweizer Nati startet mit einem Punktgewinn gegen Rekordweltmeister Brasilien in die WM. Wer die Sieger sind, wo es noch Baustellen gibt und was uns Sorgen bereitet: Drei Erkenntisse.

Etienne Wuillemin
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Grosse Freude bei den Nati-Fans nach dem 1:1 gegen Brasilien.

Grosse Freude bei den Nati-Fans nach dem 1:1 gegen Brasilien.

Keystone

1. Die Schweizer Abwehr: Weltklasse

Es gibt Fussballfans auf der ganzen Welt, die das Zustandekommen der Fifa-Weltrangliste wahlweise anzweifeln oder belächeln. "Die Schweiz auf Rang 6? Wie kann das nur sein." Das ist keine seltene Reaktion. Verstärkt noch, wenn Länder wie Spanien (10.) oder Frankreich (7.) hinter der Schweiz liegen. Doch an einem Abend wie jenem gegen Brasilien wird manchmal auch deutlich, warum die Schweiz über ein so gutes Ranking verfügt. Es ist längst für kein Team der Welt mehr einfach, gegen sie zu gewinnen. An der Schweizer Abwehr beissen sich auch die Weltbesten die Zähne aus. Das liegt an Sommer im Tor. Das liegt am Aussenverteidiger-Duo Lichtsteiner/Rodriguez. Das liegt an der guten Balance des gesamten Teams. Und nicht zuletzt an den Innenverteidigern Schär/Akanji. Der eine, Schär, hat die Gabe, im Nationalteam um Klassen besser zu sein als im Verein. Der andere, Akanji, hat das Talent, um irgendwann ein ganz Grosser zu werden.

Manchmal brauchts auch etwas Glück in der Abwehr.

Manchmal brauchts auch etwas Glück in der Abwehr.

Keystone

2. Ein halber Sieg für den Trainer

Vladimir Petkovic ist ein unerschrockener Mann. Als er vor dem Brasilien-Spiel ankündete, sein Team wolle den Sieg und nicht nur ein Remis, ("das ist ein halbes Resultat"), und auch eine Achtelfinal-Qualifikation mache noch nicht wirklich glücklich, da dachte man insgeheim auch: ganz schön mutig. Petkovic schritt voran - und sein Team folgte ihm. Das 1:1 ist wie ein Sieg für die Schweizer. Wertlos zwar, sollte die Bestätigung gegen Serbien und Costa Rica ausbleiben. Gut möglich aber auch, dass der Punkt genau jenes Ergebnis ist, dass die Tür zum Achtelfinal öffnet. Nach verrichteter Arbeit ist kein Ton des Überschwangs zu hören. "Pflicht erledigt - alles weitere folgt", das ist die Devise von Petkovic. Er hat es geschafft, dass sein Team endlich auch auf grösster Bühne und gegen einen der grössten Gegner beweist, genügend Widerstand entwickeln zu können. Im letzten Oktober in Portugal war das noch anders. Der Oktober ist weit weg.

Vladimir Petkovic stellte die Nati perfekt auf Brasilien ein.     

Vladimir Petkovic stellte die Nati perfekt auf Brasilien ein.     

Darko Vojinovic

3. Die kleinen Sorgen: Reichen diese Stürmer?

Brasilien hat Neymar, Gabriel Jesus, Willian, Coutinho. Und wenn diesen nichts gelingt, dann wartet eben Roberto Firmino auf der Auswechselbank. 1:1 hin, 1:1 her, es ist nicht ganz undenkbar, dass der Rekordweltmeister noch Fahrt aufnehmen wird, dass er seine Tore noch erzielen wird in diesem Turnier. Und die Schweiz? Hat Haris Seferovic, der viel kämpft und stets bemüht ist. Hat Josip Drmic und Mario Gavranovic, bei denen niemand so genau weiss, ob sie Seferovic ersetzen könnten. Bedeutet: Die Schweiz hat weiterhin ihre Probleme, zu Toren zu kommen. Zu Tormöglichkeiten gar. Das ist ein Grund zur Sorge. Gerade dann, wenn auch Xherdan Shaqiri blass bleiben sollte. Und Blerim Dzemaili nicht mehr Durchschlagskraft bei seinen Abschlüssen entwickelt. Die Schweiz wird darauf angewiesen sein, weiterhin so effizient zu sein wie gegen Brasilien.

Reichen die Stürmer für die WM?     

Reichen die Stürmer für die WM?     

Andrew Medichini

Zum Schluss noch dies: Dieses 1:1 gegen Brasilien sieht schön aus. Nur: Eine Niederlage der Schweiz am Freitag gegen Serbien - und die schöne Ausgangslage ist dahin. Es würde bedeuten: Um den Achtelfinal noch zu erreichen, müsste die Schweiz Brasilien hinter sich lassen. Es wäre so kompliziert, dass man dieses Szenario lieber vermeidet.

Weil es so schön war, hier noch einmal Zubers Tor: