Jahreskarten
Doch keine Preisänderungen: Der FCB schiesst ein Eigengoal

Der FC Basel gab am Freitag bekannt, dass er die Preise der Jahreskarten anpassen wird. Auf einen Schlag sollten Besitzer für gewisse Kategorien 46 Prozent mehr bezahlen. Dagegen wurde heftigst rebelliert. Mit Erfolg.

Benjamin Rosch
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Der FCB gründet eine Arbeitsgruppe zur Preispolitik. Vorerst bleibt aber alles beim Alten.

Der FCB gründet eine Arbeitsgruppe zur Preispolitik. Vorerst bleibt aber alles beim Alten.

Keystone

Dieser Brief erzürnte die FCB-Fans. Der FC Basel kündigte vergangenen Freitag seinen Fans an, die Preise für die Jahreskarten zu ändern. Viele Sektoren hätten von der Regelung profitiert. Zwei Publikumsgruppen aber hätten das Nachsehen gehabt.

In den Sektoren C3/C4 war ein happiger Aufschlag geplant: 840 Franken statt wie bis anhin 575 hätten die Fans für ihr Jahresabo blechen müssen, ein Preisanstieg von 46 Prozent. In der Muttenzerkurve wären dafür Vergünstigungen, etwa für Lehrlinge, weggefallen.

Der FCB – den Brief zeichneten Präsident Bernhard Heusler und Marketing-Chef Martin Blaser – hatte die neue Preispolitik mit Gerechtigkeit begründet: Ab 2017 hätten damit alle Jahreskarten-Besitzer von einem 33-Prozent-Rabatt profitiert.

Der Konjunktiv zeigt’s an: Daraus wird vorläufig nichts. Nachdem die FCB-Führung die Ankündigungen in den letzten Tagen nicht weiter kommentiert hat, stellte sich Heusler heute Montag den kritischen Fragen der hauseigenen Journalisten. Im Wortlaut sagte Heusler: «Aufgrund von sehr vielen auch sachlichen Kommentaren in beide Richtungen, sehr positiven, guten Meldungen, welche auch stattfinden sollen, ist uns bewusst geworden, dass wir es so nicht umsetzen wollen und können.» Man habe den Fehler erkannt, sagt Heusler, und man wolle diesen korrigieren. Das «fast zu hohe» Ziel, die Preisgerechtigkeit, sei so nicht zu erreichen, «das war nicht der richtige Weg».

Es ist die Reaktion auf eine Flut der Entrüstung, die diese Ankündigung ausgelöst hat. In Fanforen füllten sich die Seiten, in sozialen Netzwerken entlud sich der Ärger. Auch die bz erhielt Zusendungen von enttäuschten Fans: «Wir als Familie bleiben treue Anhänger des FCB, nicht aber Ihrer Preisgestaltung – wir mögen Ihren Überlegungen der Preisgestaltung bewusst nicht folgen und werden somit unsere Jahreskarten nicht erneuern», schreibt etwa ein Leser in einem an Heusler und Blaser adressierten Brief.

Der FCB ist eigentlich zu billig

Es ist klar: Mit dieser Preiserhöhung stiess der FCB einen treuen Teil seiner Anhänger vor den Kopf. Was den meisten Protestierenden aber nicht bewusst sein dürfte: Den Preis, den die Fans dort zahlen, orientiert sich längst nicht mehr am Handelsüblichen.

Besitzer eines Abos im C3/C4 bezahlen weniger, als ein Fan des FC Thun mit vergleichbarer Sicht auf das Spielgeschehen: diese zahlen nämlich 581 Franken. Von YB (630.-, auf dem Balkon gar 770.-), Sion (760.-) oder auch GC (650.-) ganz zu schweigen.

Die für gewöhnlich gut unterrichtete Website «Rotblauapp.ch» kommt indes zu einem anderen Grund, warum der FCB die Preise ändert. Dem Club winken dadurch deutlich höhere Einnahmen. «Gemäss unserer detaillierten Analyse übersteigen diese Mehreinnahmen gar die Millionengrenze, wenn die Preise für kommende Europa- oder Champions-League-Kampagnen ebenfalls angepasst werden», heisst es dort. Von Preiserhöhungen bei internationalen Spielen war offiziell noch keine Rede.

2017 wird sich also nichts mehr ändern. Dennoch will der FCB mittelfristig die Preispolitik anpassen: Im Interview kündigte Heusler an, dass eine Arbeitsgruppe gegründet werde, welche Mitte Jahr an die Mitglieder rapportieren werde.