Fussball
Dieses Trio aus Neapel kämpft in der Nati um zwei Plätze

Gökhan Inler, Valon Behrami und Blerim Dzemaili – einer der drei Napoli-Klubkollegen bleibt im Nationalteam aussen vor. Vieles deutet darauf hin, dass Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld auf Inler und Behrami setzt. Dzemaili bleibt die Ersatzbank.

Etienne Wuillemin, Jona
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Das Camp in der Nationalmannschaft beginnt für Blerim Dzemaili mit einer Enttäuschung. Nein, sie ist nicht sportlicher Natur, aber doch nicht ganz unwichtig. Ein Freund hätte ihm die Staffeln 4 & 5 von «Two and a half men» mitbringen sollen. Doch irgendetwas ging schief in der Kommunikation und Organisation. Also muss sich Dzemaili noch ein wenig gedulden.

Geduld ist das richtige Stichwort. Denn auch sportlich befindet sich Dzemaili in der Nationalmannschaft in einer schwierigen Situation. Im zweiten Training des Camps vor den beiden WM-Qualifikations-Spielen gegen Slowenien (Freitag) und Albanien (Dienstag), der ersten taktischen Einheit, lässt Trainer Ottmar Hitzfeld bereits durchblicken, mit welcher Formation er spielen wird (siehe Box). Dzemaili gehört nicht dazu. Auf der Position im defensiven Mittelfeld setzt Hitzfeld auf Gökhan Inler und Valon Behrami.

Der Profiteur: Trainer Hitzfeld

Das aussergewöhnliche an der Konstellation ist, dass Inler, Dzemaili und Behrami alle beim SSC Neapel in der Serie A spielen. Sie sind also sowohl im Klub wie auch in der Nationalmannschaft direkte Konkurrenten. «Drei für zwei», fasst Dzemaili die Ausgangslage zusammen. «Es kommt schon selten genug vor, dass drei Nationalspieler im selben Verein spielen», sagt Dzemaili, «aber auch noch auf derselben Position – das ist speziell.»

Inler und Dzemaili sind soeben in ihre zweite Saison am Vesuv gestiegen. Sie wechselten im Sommer 2011 von Udinese respektive Parma nach Neapel. Behrami ist ihnen in diesem Sommer gefolgt. «Ich habe mit Inler lange über Neapel gesprochen», sagt Behrami. Inlers Worte haben ihn überzeugt. Und dazu jene von Trainer Walter Mazzarri, der Behramis Vielseitigkeit schätzt.

Der erste Profiteur dieser Dreiecks-Konstellation ist Ottmar Hitzfeld. «Wir spielen Woche für Woche zusammen – ich bin überzeugt, für die Nationalmannschaft ergeben sich daraus Vorteile», sagt Captain Inler.

Die Kritik: Andere Regeln im Klub

Die Rolle des dritten Rades am Wagen trägt derzeit Dzemaili. Und das hat seine Gründe. Der 27-Jährige war in seinen letzten Länderspielen nicht fähig, seine gewohnte Leistung zu zeigen. «Es stimmt, bei Napoli habe ich zuletzt besser gespielt.» Die Ursache sieht Dzemaili darin, dass er die Gewohnheiten seiner Mitspieler im Klub viel besser verinnerlicht hat. «In der Nationalmannschaft muss man sich in kurzer Zeit finden. Da muss ich mich verbessern.»

Ganz sachte weist Dzemaili im Gespräch aber auf die Unterschiede zwischen Nationalteam und Verein hin. «In Neapel wird mit offeneren Karten gespielt», sagt er, «niemand ist unantastbar. Wir haben alle drei denselben Status.» Die Hierarchie im Nationalteam sei klarer.

Der Start: «Sensationell»

In den ersten zwei Partien (3:0 gegen Palermo, 2:1 gegen Fiorentina) durfte Behrami zwei Mal von Anfang spielen. Einmal mit Inler, einmal mit Dzemaili. Diesem gelang am letzten Sonntag aber ein Tor. Nicht nur deshalb holte er sich von den italienischen Zeitungen Lob ab. «In der Tat – mein Saisonstart war sensationell», sagt Dzemaili. Weil Napoli auch in diesem Jahr im Europacup engagiert ist, kommen alle drei Schweizer so oder so auf genügend Einsätze.

Nun, ist es ausgeschlossen, dass alle drei Napoli-Schweizer in der Nationalmannschaft gemeinsam auf dem Platz stehen? «Nein!», betonen sowohl Inler als auch Dzemaili. Letzterer sähe sich für diesen Fall in der Rolle des Spielgestalters. Allein, im Moment besetzt diese Position Granit Xhaka. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich daran etwas ändert.