Fussball
Diese Frau hilft den müden Ghanaer mit Elektroschocks auf die Beine

Elektromagnetismus und eine Salbe aus Pferdeplazenten soll die Ghanaer an der Fussball-WM eine Runde weiter bringen. Die Wunderheilerin hat im Lager der müden Afrikaner viel zu tun...

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Daniel Theweleit

Am Mittwoch ist eine Art Wunderheilerin im Spielerparadies Sun City eingetroffen. Die Serbin Marijana Kovacevic behandelt malade Fussballerbeine mit Elektromagnetismus und verwendet eine Salbe, die aus Pferdeplazenten hergestellt wird. Im Quartier der ghanaischen Fussballer gibt es viel zu tun für so eine Spezialistin. Denn vor dem Viertelfinal der Ghanaer gegen Uruguay gilt es, die schmerzenden Muskeln von Kevin-Prince Boateng, Asamoah Gyan und Hans Sarpei wieder in Gang zu setzen.

«Ob es reichen wird, weiss ich noch nicht genau», sagt Sarpei zwar, erst am Spieltag werde das entschieden. Aber die Chancen stehen gut. Rafael Benitez, der ehemalige Trainer des FC Liverpool, war so begeistert von den Erfolgen der Ärztin, dass er sie fest anstellen wollte. Nun liegt das Schicksal Ghanas in den Händen von Frau Kovacevic.

marijana kovacevic marijana kovacevic

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Mit ihm tauchte ein ganzer Schwung der jungen Leute im Kader auf, die im Herbst U-20-Weltmeister geworden sind, und plötzlich war Sarpei der Routinier zwischen lauter Teenagern. «Ich habe mich sehr wohl gefühlt in dieser Rolle», sagt er, «den jungen Spielern zu helfen, ihnen etwas beizubringen, und auch ausserhalb des Platzes bei Verhandlungen über Prämien und Ähnliches den Kopf hinzuhalten», das hat ihm gefallen. Der Afrika-Cup wurde zum Erfolg, erst im Finale unterlag Ghana Ägypten.

«Kevin ist supercool»

Sarpeis leiser Aufstieg in der Hierarchie ist eines der Erfolgsgeheimnisse der besten afrikanischen Mannschaft dieser WM. «Man sieht, dass er in einer Top-Liga spielt, er ist ein ganz wichtiger Mann für uns», sagt Trainer Milovan Rajevac. Der 33-jährige Aussenverteidiger ist ein Grossmeister der Gelassenheit, und als Kevin-Prince Boateng kurz vor der WM zur Mannschaft stiess, war Sarpei der Mann, der die Brücken baute. Die beiden in Deutschland aufgewachsenen Fussballer teilen ein Zimmer, hier wird Deutsch gesprochen, auch deshalb hat Boateng sich so schnell zurechtgefunden bei den Black Stars. Neben dem am Freitag gesperrten André Ayew ist Boateng der auffälligste Spieler der Westafrikaner. «Kevin ist supercool», sagt Sarpei, «und er ist extrem wichtig für unser Spiel.»

Es sind diese Jobs, deren Wert erst beim zweiten Blick sichtbar wird, die Sarpei liegen. In Leverkusen sass er in der abgelaufenen Saison meist auf der Bank «aber ich komme in den entscheidenden Phasen knapper Spiele rein, das zeigt mir schon, dass ich einen bestimmten Stellenwert habe», sagt er. «In solchen Phasen wechselt man niemanden ein, dem man nicht vertraut.» Er hilft dann knappe Führungen über die Zeit zu retten.

Die Leverkusener schätzen das und haben den Vertrag mit Sarpei bis 2012 verlängert. Aber vielleicht hat er mit seinen grundsoliden Leistungen bei dieser WM auch das Interesse anderer Klubs geweckt. «Jeder Spieler will natürlich spielen», sagt er zu einem möglichen Wechsel.

Allerdings ist Sarpei keiner dieser modernen Aussenverteidiger, die mit rasanten Vorstössen Offensivakzente setzen. Er spielt als Rechtsfuss auf der linken Seite, aber Dribblings nach innen und anschliessende Torschüsse gehören nicht zu seinem Repertoire. Sarpei dichtet seine Seite ab, schlägt ordentliche Pässe im Spielaufbau und strahlt dabei Ruhe und Sicherheit aus. Und er macht so gut wie keine Fehler.

In Ghana nennen sie ihn «The German», wegen seiner Zuverlässigkeit – und seinem Namen. Als die Eltern neu waren in Deutschland, hat ihnen ein älterer Herr geholfen, das neue Leben in der fremden Umgebung aufzubauen. Der freundliche Mann hiess Hans.

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