Arbeitslose Fussballer
Die verzweifelte Suche: Das harte Los der vertragslosen Profis

Arlind Ajeti und Adrian Winter sind nur zwei Beispiele, die noch auf der Suche nach einem neuen Verein sind - und das, obwohl die neue Saison in der Schweiz bereits seit ein paar Tagen wieder läuft.

Michael Meier
Drucken
Teilen
Da hatte Arlind Ajeti (r., zusammen mit Matias Delgado) noch gut lachen - mittlerweile ist sein Vertrag beim FCB ausgelaufen und er sucht nach einem neuen Arbeitgeber

Da hatte Arlind Ajeti (r., zusammen mit Matias Delgado) noch gut lachen - mittlerweile ist sein Vertrag beim FCB ausgelaufen und er sucht nach einem neuen Arbeitgeber

freshfocus

Er wurde von sämtlichen seiner Trainer beim FC Basel in den Himmel gelobt. Von den Anlagen her sollte er längst Stammspieler in der Super League sein und mindestens im Blickfeld der Nationalmannschaft. Doch er ist arbeitslos. Die Rede ist von Arlind Ajeti, 21-jährig. Der Innenverteidiger aus dem eigenen Nachwuchs gab bereits im Alter von 17 Jahren sein Debüt beim FCB. Er galt als Ausnahmetalent. Sein Weg zum Stammspieler schien vorgezeichnet.

Der FC Arbeitslos

Der FC Arbeitslos

Nordwestschweiz

Doch heute, knapp vier Jahre später, hat der gebürtige Basler erst 27 Spiele in der Super League absolviert und wartet weiter auf den Durchbruch. Dieser wird ihm aber nicht mehr bei seinem Heimatverein gelingen, denn sein Vertrag beim FC Basel lief diesen Sommer aus und wurde nicht verlängert. Plötzlich ist das ehemalige Supertalent arbeitslos, auf der Suche nach einem neuen Verein. Und die Suche gestaltet sich schwieriger als erhofft. Denn auch knapp eine Woche nach Saisonstart ist Ajeti ohne Arbeitgeber.

Ajeti zeigt sich selbstbewusst

Auf Nachfrage wollte sich Ajeti nicht äussern. In zwei Wochen wolle er spätestens einen neuen Verein präsentieren, gibt er zu verstehen. Normalerweise verkünden Klubs die Verpflichtung eines Spielers. Aber die Aussage passt zu Ajeti, dem man ein gesundes Selbstvertrauen nachsagt. Zudem lässt er ausrichten, dass er sich mit einem privaten Trainer fit halte und täglich Doppelschichten absolviere.

Steckt Kalkül dahinter? Denn während das Potenzial des 1,84 m grossen Verteidigers unbestritten ist, gab es schon immer Zweifel an seiner Arbeitseinstellung. Er verlasse sich zu sehr auf sein Talent, arbeite nicht hart genug, heisst es.

Die Kombination aus mangelhaftem Arbeitseifer und hohem Selbstvertrauen führte Ajeti in die Arbeitslosigkeit. Der FC Basel gab seinem Jungtalent mehrfach zu verstehen, dass es gut wäre, sich ausleihen zu lassen und auf höchstem Niveau Spielpraxis zu sammeln. Doch Ajeti sträubte sich jeweils gegen einen Wechsel. Das sorgte für Unverständnis – kürzlich zog der FCB die Reissleine. Ajeti ist sehr positiv gestimmt, bald wieder einen Arbeitgeber zu finden. Er verlässt sich dabei auf sein unbestrittenes Potenzial, sein immer noch niedriges Alter sowie das Qualitätsetikett «vom FC Basel».

Aktuell über 20 betroffene Profis

Er ist nicht der einzige derzeit arbeitslose Super-League-Spieler. Über 20 sind es momentan. Es werden kaum alle einen neuen Verein finden. Goran Ivelj, Trainer der Arbeitslosen-Mannschaft der Schweiz, schätzt, dass nur ungefähr die Hälfte aller Spieler noch einen Vertrag erhalten werde. «Jetzt hat die Saison wieder begonnen, Teams merken, dass auf einzelnen Positionen noch Handlungsbedarf besteht. Es verletzen sich eventuell noch einige Spieler – so werden wohl ein paar der vertragslosen Spieler noch zu einem Engagement kommen.» Aber längst nicht alle.

Die Ungewissheit über die Zukunft steigt von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Nicht alle Spieler gehen so cool mit der Situation um wie Arlind Ajeti. Christoph Graf, renommierter Schweizer Spielerberater, sagt, dass arbeitslose Spieler verschiedene Verhaltensmuster zeigten. Es gebe die Optimisten – wie eben Ajeti – aber auch solche, die immer deprimierter werden. Fussballer würden dazu neigen, die Schuld nicht bei sich selbst zu suchen, sondern dem Rest der Welt zuzuschieben. Diese mangelnde Einsicht könne teilweise die Suche nach einem neuen Verein erschweren.

Was macht man als Spieler?

Ein Beispiel für die negative Sichtweise ist Adrian Winter, der 2012 sogar ein Länderspiel für die Schweiz absolvierte. Sein Vertrag beim FC Luzern wurde nicht verlängert. Super-League-Absteiger Aarau legte ihm ein unterschriftbereites Angebot vor, doch Winter entschied sich, abzuwarten. Er hoffte wohl auf eine attraktivere Alternative. Doch diese wollte sich nicht ergeben.

Zuletzt war er beim Bundesliga-Aufsteiger Darmstadt im Probetraining, wusste dort mit seinem Arbeitseifer durchaus zu gefallen, erhielt aber dennoch keinen Vertrag. Auch der schwer enttäuschte Flügelspieler wollte sich auf Nachfrage nicht äussern. Ob ihm der FC Aarau nochmals den roten Teppich ausrollt, ist zu bezweifeln.

Wie verhalten sich Spieler in einer solchen Situation am besten? Christoph Graf sagt, sie müssen geduldig sein. Und natürlich müssen arbeitslose Spieler sich fit halten, weiter trainieren. Meistens tun sie dies allein, mit einem Privattrainer. «Fussballer sind Mannschaftssportler, das ist deshalb nicht ganz einfach und fordert eine Menge Selbstdisziplin von ihnen», sagt Graf.

Ansonsten bleibt den Spielern nichts anderes übrig als abzuwarten und zu hoffen, dass sich noch eine neue Vertragsmöglichkeit ergibt. Eine solche zu realisieren ist vordergründig Aufgabe des Beraters: «Ich schaue, wo es noch Lücken gibt in den Kadern, kommuniziere mit den Vereinen», beschreibt Graf seine Rolle als Berater. Zudem probiere er den Spieler «bei Moral» zu halten. Damit diese die Hoffnung nicht verlieren. Die Hoffnung auf eine neue Chance – auf einen neuen Arbeitsplatz.

Aktuelle Nachrichten