Super League
«Die Spieler glaubten nicht mehr an einen Turnaround mit Yakin»

Die 0:2-Niederlage des FC Luzern gegen GC hat Folgen. Trainer Murat Yakin wurde gestern Nachmittag entlassen. Sein Amt übernimmt bis Ende Saison der Pole Ryszard Komornicki. Nach Yakins Abgang wackeln die Stühle beim FCZ und bei YB noch stärker.

Etienne wuillemin
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Murat Yakin ist nicht mehr Luzern-Trainer
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Als Trainer des FC Luzern abgesetzt: Murat Yakin
FCL-Coach Murat Yakin: Er wartete auf einen Sieg - er kam nicht, dafür kam der Blaue Brief.
Die Lösung für Siege notiert? Luzern-Trainer Murat Yakin, damals noch im Amt.
«Ich habe nach jedem Sieg ein Kreuz an die Decke gemacht», sagt Murat Yakin (37).
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Murat Yakin ist nicht mehr Luzern-Trainer

Keystone

Die Innerschweizer holten in der neuen Saison in sechs Spielen nur drei Punkte, noch immer sind sie sieglos. Lichtblicke wie der Auftritt in Basel gab es nur wenige. Zuletzt wurden die Leistungen lamentabel. Am Sonntag trat Luzern gegen GC gar wie ein Absteiger auf.

Diese Leistung war jedoch nicht der alleinige Grund für die Entlassung Yakins. Geht es nach der Klubführung der Luzerner, war es vielmehr der Umgang des Trainers mit dem Misserfolg, der ihm zum Verhängnis wurde.

«Team schlechtgeredet»

«Er hat die Mannschaft schlechtgeredet, das geht nicht», sagt Sportchef Heinz Hermann. «Auf diese Äusserungen mussten wir reagieren.» Zudem fühlte sich Hermann von Yakins Forderungen nach neuen Spielern in die Enge getrieben. «Solche Wünsche sind mit unserer Klub-Politik nicht zu vereinbaren.» Von einem Machtkampf mit Yakin wollte Hermann nichts wissen. Präsident Mike Hauser hatte derweil eine Luzerner Mannschaft beobachtet, die tief verunsichert gewesen sei. «Die Spieler glaubten nicht mehr an einen Turnaround unter Yakin – deshalb mussten wir handeln.»

Nachfolger Komornicki weilte bereits am Sonntag in der Swissporarena und wurde noch am selben Abend von Hermann kontaktiert. Als er gestern vorgestellt wurde, sagte er: «Ein solches Angebot konnte ich nicht ausschlagen.» Gleichzeitig reklamierte er Zeit dafür, um sich einzuarbeiten. Der Pole hat bereits erkannt, was seine erste Aufgabe sein dürfte. «Wenn ich die Spieler anschaue, dann sehe ich eine negative Körpersprache. Ich muss ihnen so schnell wie möglich das Selbstvertrauen zurückbringen.» Der erste Härtetest lässt nicht lange auf sich warten. Am Donnerstag empfängt der FCL im Hinspiel der Europa-League-Playoffs das belgische Genk.

Kormonickis unrühmliche Vergangenheit

Luzern und Komornicki, diese Liaison ist nicht neu. Zu Beginn der Saison 2001/02 hatte der 53-jährige Pole die Innerschweizer bereits einmal trainiert – fünf Spiele lang. Nach einem 0:0 gegen Xamax folgten Niederlagen gegen Aarau (2:3), Lugano (1:2), GC (0:6) und YB (0:4). Seine Entlassung kommentierte Komornicki mit den Worten: «Ich trainiere nie mehr ein Profiteam.»

Es kam anders. Nach Engagements bei Gornik Zabrze (Pol), Baden, Aarau, Wil, El Gouna (Ägy) und Wohlen ist der FC Luzern bereits Komornickis siebter Verein, den er seit 2006 trainiert.

Erfolgreich mit Wohlen

Dass er für die Rolle als Feuerwehrmann taugt, bewies er Ende der letzten Saison mit Wohlen. Zu Beginn der Rückrunde verpflichtet, holte er mit seinem Team aus 15 Spielen
19 Punkte und sicherte diesem damit in extremis den Ligaerhalt. Wegen interner Streitigkeiten wurde sein Vertrag im Freiamt allerdings nicht verlängert.

Womit die dringendste Frage gestellt werden muss: Kann das gut gehen? Der sensible Komornicki im Haifischbecken Luzern? Bei einem Klub, der den Anspruch erhebt, ein Grossklub zu sein, aber den provinziellen Touch doch nicht ganz los-wird? Einem Klub, der im Fokus von sämtlichen Innerschweizer Sportinteressierten steht? Einem Klub, bei dem im Hintergrund Strippenzieher wie Ex-Präsident Walter Stierli wirken, die sich nicht scheuen, ihre Meinung kundzutun?

Die ersten Antworten darauf wird es schon bald geben. Und Yakin. Auch er wird schon bald Antworten liefern auf seinen neuen Job. An Angeboten mangelt es nicht. Mit Thun und Luzern hat er bewiesen, was er kann. Jetzt ist er frei. Für Rolf Fringer vom FC Zürich und Martin Rueda von den Berner Young Boys sind das keine gute Nachrichten.