Straftraining mit Schalke am Montagmorgen, nach zwei Niederlagen zum Saisonauftakt. Breel Embolo verpasst daraufhin den Flieger und rückt am Nachmittag verspätet ins Camp des Nationalteams ein. Turbulente Zeiten sind es wieder einmal in Gelsenkirchen. Und Embolo sagt: «Wir hätten zwei statt null Punkte verdient. Oder gar vier. Wir sind jetzt aber nicht in der Krise, unser Weg ist richtig.»

Bald explodiert er, jetzt muss es dann soweit sein. Dieser Gedanke begleitet stets, wer Embolo beim Fussballspielen zuschaut; doch seit der Offensivspieler im Sommer 2016 den FC Basel verlassen und Schalke ihn für die Vereinsrekordsumme von 22,5 Millionen Euro verpflichtet hat, tritt nicht ein, was viele sehen wollen; nicht auf Schalke, nicht im Nationalteam.

Nicht mehr der Lausbub

Dabei spricht vor mehr als zwei Jahren nichts gegen und alles für Embolo, in Basel startet er durch, an der EM in Frankreich ist er mit 19 Jahren der jüngste Schweizer Spieler und neben Xherdan Shaqiri ein Hoffnungsträger im Angriff. Weil er so unbekümmert ist, so lausbübisch, frech im positiven Sinne, und immer frisch von der Leber redet, kommt er überall gut an. Die Fans widmen ihm ein eigenes Lied – der Oh-Embolo-Song wird zum Ohrwurm. Auch kommen in der Öffentlichkeit nie Zweifel auf, ob in seinem Herzen das kamerunische ebenfalls Platz haben könnte. Es hat.

Auf den Rängen ist das Lied heute nicht mehr oft zu hören, Embolo ist auch nicht mehr der Lausbub von einst, und im Sommer ist er während der WM im Alter von 21 Jahren stolzer Papa einer Tochter geworden. Er wirkt jetzt nicht mehr so unbeschwert, redet überlegter. Breel Embolo ist erwachsen geworden.

Am Ball aber, da ist er im Prinzip immer noch derselbe. Unberechenbar, athletisch, schnell, explosiv, manchmal zu ungestüm und den Ball vergessend. Geblieben sind auch die eigentümlichen Bewegungen, wenn er sich in den Gegner hineindreht und verheddert. Und augenfällig ist vor allem dies: Embolo hat Mühe, beim Bundesligaklub und im Nationalteam einen Stammplatz zu behaupten. An der WM in Russland pendelt er zwischen Ersatzbank und Startelf, bei Schalke ebenso.

Der Wechsel dahin kommt vielleicht zu früh, zu Beginn geht in Deutschland jedenfalls nicht viel, das Klima ist ein anderes als im geliebten Basel. Und die Erwartungen sind hoch. Vielleicht drückt auch das Preisschild, zumal Embolo nachgesagt wird, dass er sich in der Bringschuld sieht, er etwas zurückzahlen will. Das kann lähmen. Und dann, als er endlich mit seinen Toren angekommen ist in der Bundesliga, erleidet er im Oktober 2016 einen Knöchelbruch, der ihn danach die komplette Spielzeit verpassen und noch in der Folgesaison leiden lässt.

«Bin auf einem gutem Weg»

Embolo hat die Verletzung, die auch das Karriere-Ende hätte bedeuten können, weit mehr zurückgeworfen, als er wahrhaben will. «Jede Verletzung ist schwer. Meine war besonders schwer, ich war fast ein Jahr weg. Aber ich will vorwärtsschauen», sagt Embolo.
«Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg. Natürlich hat mir meine Rolle in der Nationalmannschaft zuletzt nicht gefallen.»

Er meint, er hätte es auch verdient gehabt, gegen die Schweden zu beginnen. Nun aber will er nach vorne schauen. «Mein Limit ist noch nicht erreicht. Ich spiele bei einem grossen Club in Deutschland. Und ich weiss, dass ich viel Potenzial habe. Aber ich muss gesund bleiben.» Letzteres ist ihm und der ganzen Schweiz zu wünschen.