Das Schweizer Nationalteam brockte sich für das entscheidende WM-Gruppenspiel eine schwierige Ausgangslage ein. Sie verlor in Port Elizabeth gegen Chile 0:1 und dazu Valon Behrami nach etwas mehr als einer halben Stunde durch eine höchst umstrittene rote Karte.

Um die erste K.o.-Runde aus eigener Kraft (also ohne das Ergebnis bei Spanien - Chile) zu erreichen, muss die Schweiz am Freitag gegen Honduras mit zwei Toren Unterschied gewinnen.

Letztlich nur zu einem «simplen» Eintrag in die Geschichtsbücher der FIFA führte der WM- Rekord, den die Schweiz trotz der Niederlage gegen Chile aufstellte. Mit 559 Minuten ohne Gegentor löste die Schweiz an der Spitze dieser Rangliste Italien (550) ab.

Das Offsidegoal

Den entscheidenden Treffer kassierte die Schweiz in der 75. Minute, an Entstehung und Ausführung waren zwei chilenische Joker beteiligt.

Nach einer weiten Flanke von Esteban Paredes stand Mark Gonzalez, auch er zur Pause eingewechselt, ungedeckt im Schweizer Strafraum und köpfelte via Lattenunterkante zum 1:0 ein. Dass die Aktion aus einer knappen Offsideposition lanciert wurde, übersah das Schiedsrichtertrio.

Der Mittelfeldspieler von ZSKA Moskau belohnte Chile, das die Schweizer Abwehr mit seinem ungewöhnlichen 3- 1-3-3-System teils massiv und überfallartig unter Druck setzte, für seine Bemühungen.

Die schönste Kombination der Partie über Ziegler, Bunjaku und Derdiyok führte in der 90. Minute, unmittelbar nach der grossen Chance durch Paredes auf der Gegenseite, beinahe noch zum Schweizer Ausgleich.

Der eingewechselte Derdiyok schob aber den Ball am Tor vorbei. «Ich wollte schon jubeln, er hatte Zeit und konnte sich die Ecke aussuchen», sagte Trainer Hitzfeld im TV-Interview.

Gross war neben der Enttäuschung über den verpassten Punktgewinn vor allem der Ärger über den Schiedsrichter. Khalil Al Ghamdi aus Saudi-Arabien stellte sich in der 31. Minute (nicht zum ersten Mal) selber in den Mittelpunkt, indem er Valon Behrami die rote Karte zeigte.

Selbst mehrfache Ansichten der TV-Bilder zeigten klar auf, dass Behrami den Ellbogen zwar am Körper von Gegenspieler Arturo Vidal hatte, es aber nie zu einer Tätlichkeit kam. Gelb gegen Behrami und auch gegen Schauspieler Vidal wäre der richtige Entscheid gewesen.

Derdiyok für Frei

Nach Behramis Ausschluss, dem ersten in der Schweizer WM- Geschichte, wurde die Taktik von Trainer Ottmar Hitzfeld über den Haufen geworfen.

Der ebenfalls in die Startformation gerückte Captain Alex Frei (für Eren Derdiyok) wurde kurz vor der Pause ausgewechselt, seinen Platz nahm ab dann Tranquillo Barnetta ein. Barnetta hatte seinerseits nach dem Sensationssieg gegen Spanien für Behrami weichen müssen.

Chancen konnte sich die Schweiz mit Ausnahme von Derdiyoks «Matchball» weder vor noch nach dem Platzverweis keine Chancen erspielen.

Die besten Möglichkeiten für Chile machte Goalie Diego Benaglio mit sicheren Interventionen gegen Vidal, Carmona (beide 10.) und Sanchez (40./55. nach Ballverlust Grichting als hinterster Mann) zunichte.

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Liveticker: Die zweite Halbzeit

Fast! Beinahe gelingt der Ausgleich nach einem schönen Pass mit dem Absatz auf Derdiyok der den Ball aus 8 Meter am Tor vorbeihaut.

Paredes durchläuft die jetzt auf der Mittellinie aufgestellte Abwehrkette und erhält aus einem nicht gepfiffenen Abseits den Ball, haut ihn aber knapp neben das Tor.

So wird das nichts mehr. Die Schweizer trauen sich zu wenig nach vorne. Jetzt müsste Eishockey gespielt werden, alle Mann nach vorn, die Offsidefalle auf die Mittellinie. Aber das gelingt nur nach Abstössen für wenige Momente.

Wieder kann Sanchez quer durch den Strafraum brandgefährlich zurücklegen. Zum Glück trifft Gonzalez den Ball nicht richtig, Benaglio kann klären.

Das Spiel ist in den Schlussminuten hektisch, ein Tor scheint auf beiden Seiten möglich, wobei die Chancen der Chilenen deutlich gefährlicher sind. Jetzt Freistoss für die Südamerikaner.

Einen Schweizer Freistoss pfeift der Schiedsrichter wegen angeblichen Schweizer Foulspiels ab. Dabei ist der einzige Mann der - ohne sichtbare Fremdeinwirkung - zu Boden geht, ein Schweizer. Dieser «Unparteiische» gehört eindeutig in die tiefste existierende Kreisliga verbannt. Oder Sibirien. Noch fünf Minuten plus Nachspielzeit.

Das Tor zum 0:1

Wiederholungen enthüllen Chiles Tor als Offsidegoal. Sehr knapp, aber eindeutig. Um den Rückstand wettzumachen bleiben den Schweizern inzwischen nur noch 8 Minuten plus Nachspielzeit.

Gleich nach dem Gegentor vergeben die Schweizer einen Freistoss und einen Eckball. Jetzt wieder Chile im Angriff.

Gonzalez hebt eine Flanke über den im Schilf stehenden Benaglio und Gonzalez kann in das leere Tor einköpfen. Damit ist die Schweiz jetzt wieder zu Offensivaktionen gezwungen.

Die Schweiz kann jetzt etwas besser mithalten, mit Derdiyok gelingen regelmässige Konterversuche die wertvolle Zeit gut machen.

Derdiyok kommt für Nkufo in der 68. Minute und stürmt gleich in den Strafraum, wird aber von zwei Verteidigern gerade noch so weit behindert, dass Bravo wieder rechtzeitig an den Ball kommt.

Die Schweizer Nati sichert sich den Weltrekord

Wenigstens eine gute Nachricht: Nach 67 Minuten ohne Gegentor sichert sich die Schweiz den Weltrekord für die längste Spielzeit ohne Gegentor an einer WM. Der alte Rekord der Italiener mit 550 Minuten ist damit abgelöst.

Fernandez verlässt überraschend für Peredes das Feld. Mittlerweile sind 8 gelbe und eine rote Karte verteilt.

In einem schönen Konter kann Fernandes zur Mitte vordringen und spielt einen langen Pass in den Strafraum, der allerdings versandet. Wenigstens ist damit wieder eine Minute Zeit gut gemacht.

Wilde Diskussionen im Strafraum. Vor einem Freistoss schubst Medel im Handgemenge Von Bergen weg, dieser lässt sich theatralisch fallen. Gelb für Medel.

Nach einem Stolperduell ohne jeglichen Regelverstoss verteilt der Schiedsrichter zwei weitere gelbe Karten.

Wenn das noch lange gut geht. Jetzt ein Freistoss für Chile. Fernandez haut den Ball in den Strafraum, Gonzalez köpfelt ihn neben das Tor.

Sanchez wirbelt und wirbelt. Jetzt kann er alleine auf Benaglio losziehen, dieser kann den Schuss mit eienr Riesenparade abwehren, der Ball kullert aber hinter seinen Rücken. Grichting kann den Ball um Haaresbreite vor Sanchez wegschlagen.

Schon kurz nach Wiederanpfiff lenkt Sanchez nach einem indirekt getretenen Freistoss den Ball ins Tor. Der Schütze jubelt schon, aber zu früh gefreut: Der Treffer wird wegen Offside nicht anerkannt.

Liveticker: Die erste Halbzeit

Trotz der unglaublichen roten Karte Behramis kann sich die Schweiz mit einem torlosen Unentschieden in die Pause retten. Für die zweite Halbzeit heisst die Mission jetzt Schadensbegrenzung.

Zwei Minuten werden nachgespielt. Wieder eine heikle Szene im Schweizer Strafraum, wieder ist es Sanchez der diesmal aus spitzem Winkel abzieht. Von einem Verteidiger noch abgeschwächt landet der Ball bei Behrami. Die Schweizer kurz vor der Pause aber arg in Bedrängnis. Jetzt nur kein Tor kassieren.

Barnetta kann gleich nach seiner Einwechslung seinen ersten Freistoss treten. Die Chilenen hauen ihn zu kurz weg, Nkufo kann abziehen, knallt den Ball aber links neben dem Tor an die Bande.

In der 42. Minute muss Frei wegen Behramis roter Karte Barnetta Platz machen. Inler ist neuer Captain.

Chile nutzt die zahlenmässige Überlegenheit um den Druck auf die Schweizer wieder zu erhöhren. Gefährlicher Schuss von Sanchez. Unser Glück, dass er genau auf Behrami zielt. Noch fünf Minuten bis zur Pause. Barnetta läuft sich ein.

Die rote Karte für Behrami

Schiedsrichter Al Ghamdi zeigt völlig übertrieben die rote Karte für Behrami, die Schweiz ab der 30. Minute nur noch zu zehnt. In einem Duell geht Behramis Arm zu Vidal hinter ihm. Er zieht kurz an Vidals Leibchen, lässt wieder los, trifft dessen Gesicht und Vidal geht zu Boden. Hitzfeld tobt. Dieses Foul war höchstens gelbwürdig.

Nkufo erwischt beinahe einen unvorsichtigen Rückpass der Chilenen, kommt aber einen Schritt zu spät, Bravo kann klären. Das war die bisher beste Chance der Schweizer.

Nach 24 Minuten die nächste gelbe Karte für Chile. Sie geht an die Adresse von Ponce. Der nächste Freistoss für die Schweizer, wieder aus 40 Meter. Diesmal erwischt Grichting den Ball, leitet ihn aber einen guten Meter rechts neben das Tor ins Aus.

Unschönes Foul von Carmona an Behrami. Er erhält dafür zu recht die gelbe Karte. Jetzt Freistoss für die Schweiz aus rund 40 Metern. Der Ball etwas zu hoch, ein am fernen Pfosten postierter Chilene kann ihn wegschlagen.

Nach gutem Passspiel kommt Frei vor das Tor, doch Bravo erwischt den Ball vor ihm.

Das Spiel ist geprägt von vielen Fouls. Frust herrscht zwar noch keiner, aber es ist offensichtlich, dass Hitzfelds Jungs dem Ball mehrheitlich hinterher rennen.

In der 18. Minute die erste gelbe Karte für die Schweiz: Nkufo erhält sie wegen Halten und Reklamieren.

Das Spiel lässt Erinnerungen an die Begegnung mit Spanien aufkommen. Die Chilenen wirbeln den Schweizern nämlich ähnlich um die Ohren wie zuvor der Europameister. Dank Benaglios Reflex konnte die bisher einzige echte Chance, die gleich eine Doppelchance war, entschärft werden.

Jetzt heisse Szenen vor dem Schweizer Tor: Gleich zwei Mal muss Benaglio rettend eingreifen, der darauffolgende Eckball kann abgewehrt werden. Inzwischen sind zehn Minuten gespielt.

Nach fünf Minuten dreht das Spiel und die Schweizer kommen zum Zug. Den ersten Freistoss aus etwa 30 Metern tritt Frei. Der Ball segelt jedoch über die im Strafraum bereitstehenden Spieler und landet im Aus. Abstoss für Goalie Bravo.

Der erste Schuss Chiles' ist keine Gefahr für die Schweizer: Sanchez zielt über die Latte.

Schon in der zweiten Minute die erste gelbe Karte. Sie geht an Suazo.

Das Spiel läuft. In den ersten Minuten Chile im Angriff. Die Südamerikaner versuchen den Ball vor allem über die rechte Angriffsseite vor das Tor zu bringen. Die Statistik gibt noch eine schöne Anekdote her: Während die Chilenen an einer WM noch nie gegen eine europäische Mannschaft gewonnen hat, haben die Schweizer noch nie gegen Südamerikaner verloren.

Vorgeplänkel

Die Aufstellungen:

Schweiz: Benaglio; Lichtsteiner, von Bergen, Grichting, Ziegler; Behrami, Huggel, Inler, Fernandes; Frei; Nkufo.

Chile: Bravo; Isla, Ponce, Medel, Jara; Vidal, Carmona, Fernandez; Sanchez, Suazo, Breausejour.